Kaum noch Einnahmen: Halterner Reisebüros geraten tiefer in die Krise

rnSchließung wegen Corona

Die örtlichen Reisebüros machen sich weiter Sorgen um ihre Zukunft. Die Corona-Krise hat vielen schwer zugesetzt. Die Kunden sind verunsichert. Die erste Betreiberin zieht die Reißleine.

Haltern

, 10.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Insgesamt fällt der Rückblick auf die vergangenen Monate für die Betreiber der Halterner Reisebüros ernüchternd aus. Nach dem Lockwdown im März ging es Schlag auf Schlag: Eine Reise nach der anderen musste abgesagt werden, Buchungen für den kommenden Herbst und die Wintersaison hängen weiter am seidenen Faden.

Ein zweites Corona-Jahr, mit immer neuen Hiobsbotschaften, das will und kann sich auch Britta Kleczewski-Rauter, Betreiberin der Reiseecke in Sythen, nicht vorstellen. „Weder psychisch noch moralisch - und schon gar nicht finanziell.“ In wenigen Wochen wird sie ihr Büro schließen. „Es ist ein Fass ohne Boden. Zum 31. Oktober ist Schluss. Ich habe beschlossen, die Reißleine zu ziehen. Diese Entscheidung ist alternativlos.“

Provisionen zurückzahlen

Gabriele Langenkämper vom City Reisebüro an der Lippstraße kann diese Entscheidung nachvollziehen. „Seit Beginn der Corona-Krise haben wir mehr Ausgaben als Einnahmen, da wir ja bereits erhaltene Provisionen komplett zurückzahlen müssen“, sagt sie.

Ihre Bürotage habe sie zuletzt damit verbringen müssen, Reisen zu stornieren oder umzubuchen. „Das macht keinen Spaß mehr. Es ist frustrierend.“ Hinzu komme der Unsicherheitsfaktor, wie sich die Pandemie weiterentwickle. Wie es für sie weitergeht, sei ungewiss. Möglicherweise werde sie sich eine neue berufliche Herausforderung suchen.

Angelika Schmäing steuert ihr Reisebüro auf dem Gantepoth in Haltern weiter durch die Tourismuskrise, wenn auch mit verkürzten Öffnungszeiten. Ihre Kunden wissen den guten Service zu schätzen. „Und ich bin vorsichtig optimistisch, dass bald wieder bessere Zeiten kommen“, sagt sie. Doch seit Monaten birgt auch für sie jede Woche neue Probleme.

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Am Jahresanfang hatte Angelika Schmäing allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Das Reisebüro, das sie vor neun Jahren übernommen hat, stand, trotz eines Umzugs in 2018, wirtschaftlich auf gesunden Beinen. Dann kam Corona. „Seither“, sagt Angelika Schmäing, „schwanken wir von Woche zu Woche und wissen nicht, was kommt.“ Die Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter musste sie verlängern. Die Überbrückungshilfe vom Land ist beantragt. Doch nach der Thomas Cock Insolvenz im vergangenen Jahr ist die Corona-Krise nun schon der zweite harte Nackenschlag innerhalb kurzer Zeit. „Wir geben weiter unser Bestes“, sagt sie. „Aber die Corona-Pandemie sorgt insgesamt weiter für große Verunsicherung bei unseren Kunden.“

Bei Rückkehr in Quarantäne

Eine Reisewarnung sei dabei kein Verbot, betont sie. Aber die Angst sei groß, dass einzelne Länder wieder zum Risikogebiet erklärt werden, man plötzlich nicht einreisen kann oder bei der Rückkehr in Quarantäne muss. Da die Lage sich stetig ändere und täglich neue Informationen und Regelungen auf potenzielle Urlauber einprasseln, sei es schwierig, den Überblick zu behalten - und zu entscheiden, welches Reiseland noch „sicher“ ist.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bürger angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie eindringlich aufgerufen, Herbstferien und Weihnachtsurlaub in Deutschland zu verbringen. „Aktuell ist die Nachfrage für Reisen innerhalb von Deutschland am größten“, sagt Angelika Schmäing.

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Das macht sich auch beim Anbieter Vestischer Reisedienst VRtours mit Sitz in Haltern bemerkbar. Das Unternehmen ist Spezialist für Gruppenreisen, ein europaweit tätiges Busunternehmen sowie Reisebüros für Einzel- und Individualreisen. Geschäftsführer Peter Zieger: „Es gibt noch zarte Buchungen für Reisen innerhalb Deutschlands, aber wir liegen insgesamt gerade mal bei rund zehn Prozent vom normalen Aufkommen.“ Zugtickets würden abgesetzt, aber im Bereich der Gruppentouristik sei kaum Bewegung. „Ich bin vorsichtig optimistisch, gehe aber vielmehr davon aus, dass wir in unserer Branche erst 2023 wieder so etwas wie Normalität erreichen werden.“

Ute Strych vom DER Deutsches Reisebüro auf der Rekumer Straße wollte sich auf telefonische Anfrage unserer Redaktion nicht zur aktuellen Situation äußern.

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