Kevin feiert Weihnachten in besonderer Dankbarkeit

Nach Blutkrebserkrankung

Kevin geht es gut. 1591 Menschen und noch mehr bangten noch vor wenigen Monaten um sein Leben. Der Tod: in Reichweite. Kevin lag mit der Diagnose Blutkrebs im Uniklinikum Essen. Dort wartete er sehnsüchtig auf einen Stammzellenspender. Die Rettung kam aus Kanada. Kevin kehrt nun Schritt für Schritt ins Leben zurück. Der Alltag erhält eine neue Bedeutung, Weihnachten auch.

HALTERN

, 24.12.2015 / Lesedauer: 3 min
Kevin feiert Weihnachten in besonderer Dankbarkeit

Kevin, seine Mutter Andrea (l.) und Freundin Britta freuen sich auf ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest.

Seine Grundstimmung im Moment? „Ich bin sehr, sehr froh! Die relativ problemlose Transplantation am 22. August empfinde ich heute wie ein zweites Geburtsdatum“, sagt der 23-Jährige im Gespräch mit der Halterner Zeitung. Seine Stimme ist stark, der allgemeine Gesundheitszustand noch schwach.

Abwehrkräfte sind schlapp

Zu schwach, um das Maschinenbaustudium in Bochum wieder aufzunehmen. Kevin hat einen „Krankenbonus“, wie er sagt. Er kann den Zeitpunkt des Wiedereinstiegs selbst bestimmen. Zurzeit darf er nicht in den Hörsaal oder in Seminare, muss auch Menschenansammlungen meiden. Die Abwehrkräfte sind schlapp, die Chemotherapie hat das Nervensystem angegriffen. „Mein Namensgedächtnis und die Fähigkeit, mich zu konzentrieren, haben gelitten“, nennt er beispielhaft Einschränkungen. Die aber zurücktreten hinter der ärztlichen Aussage, es sei alles super gelaufen.

„Ich war überwältigt, dass mir so viele Menschen helfen wollten"

Hoffnung auf ein Weiterleben nährte die Typisierungsaktion in der Haardklinik. Initiiert am 21. Juni von Birgit Korte, einer Arbeitskollegin von Kevins Mutter, und unterstützt von vielen Helfern, ebenso vom Rockorchester Ruhrgebeat. „Ich war überwältigt, dass mir so viele Menschen helfen wollten. Auch solche, die ich gar nicht kenne“, sagt Kevin rückblickend.

Traurig sei er an jenem Tag gewesen, nicht dabei sein zu können. „Aber da ging es mir gerade nicht so gut.“ Erwartet hatte es niemand. 1591 Menschen ließen sich in der Datei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registrieren, ein Spender für Kevin war nicht dabei. Dann die Nachricht aus Kanada.

Einfach die Natur genossen

Familie, Freundin und Freunde haben Kevin durch die schwere Zeit begleitet. „Heute habe ich die große Hoffnung, dass alles wieder gut wird.“ Mundschutz muss er nur noch selten aufziehen, die Arztbesuche werden weniger, die Medikamente reduzieren sich. Er trifft sich wieder mit Freunden, nur zu nah darf ihm noch keiner kommen.

Das Größte für den 23-Jährigen war, als er nach langem Klinikaufenthalt in steriler Atmosphäre und der Quarantäne zu Hause wieder in den Garten durfte. „Ich habe mich hingesetzt und einfach die Natur genossen. Ich gucke jetzt anders auf die Welt.“ Im Heute hat das Morgen wieder einen Platz. „Ich will nichts mehr verpassen, weil ich schon so viel verpasst habe.“

Neue Lebensplanung

Weihnachten wird anders. Ruhiger, besinnlicher – nach harten Monaten. Die Maßeinheit der Lebensplanung wird wieder größer. Kevins nächstes Ziel: „Ich sehne den Zeitpunkt herbei, an dem ich das erste Mal wieder in den Urlaub fliegen kann.“  

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