Halterner Kinder im Karies-Check - Zahnärzte warnen vor bedenklichem Trend

rnHaltern im Vergleich

Die Risikofaktoren für Karies-Erkrankungen sind in Haltern gering. Zahnärzte stellen den Kindern ein gutes Zeugnis bei der Zahngesundheit aus. Sie sehen aber auch bedenkliche Trends.

von Thomas Schlüter

Haltern

, 27.11.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es um das Risiko von Kindern geht, an Karies zu erkranken, liegen die Kinder in allen Halterner Ortsteilen deutlich unterhalb dem Kreisdurchschnitt. Im Halterner Stadtzentrum ist das Risiko im Vergleich zu den Ortsteilen zwar etwas größer, allerdings stehen die hiesigen Kinder gegenüber ihren Altersgenossen im Kreis insgesamt noch sehr gut da. Eine Studie des Kreises Recklinghausen zeigt jetzt den Zusammenhang von Zahngesundheit und sozialer Herkunft auf.

Karies wird zu einer sozialen Erkrankung. Der Sozial- und Bildungsstatus der Eltern beeinflusst die Zahngesundheit der Kinder maßgeblich - das geht aus dem neuen Bericht zur Zahngesundheit bei Kindern hervor, den der Kreis jetzt veröffentlicht hat.

Die Halterner Kieferorthopädin Dr. Julia Becker schließt sich dieser Beobachtung an: „Dieser Trend ist auch in Haltern zu sehen.“ Auch der Zahnarzt Dr. Wolfgang Strickling teilt diesen Eindruck: „Kinder mit viel Karies kommen häufig aus sozial problematischen Familienverhältnissen.“

Positives Bild in Haltern

Die Zahngesundheit überschneide sich oft mit der sozialen Stellung, erklärt Julia Becker. Oft seien besonders besorgte Eltern finanziell besser gestellt und vereinbarten regelmäßige Prophylaxetermine. „Sie achten auf sorgfältige Zahnpflege.“

Beide Mediziner betonen zugleich, dass der Gesamteindruck im Zusammenhang mit der Zahngesundheit bei Kindern in Haltern positiv sei. Im Vergleich der Halterner Stadtteile kann Wolfgang Strickling keinen Unterschied erkennen. Auch, wenn die Studie für die Innenstadt ein leicht erhöhtes soziales Risikoprofil ausmacht.

Soziale Unterschiede im Kreis

Tatsächlich unterscheidet sich das Halterner Risikoprofil in Sachen Karies ganz entscheidend von anderen Städten im Kreis. In großen Teilen von Recklinghausen und Herten sowie in Teilen von Marl ist die Kariesgefahr für Kinder überdurchschnittlich hoch. Auch in Teilen von Dorsten ist das Risiko erhöht. Im Gesundheitsbericht des Kreises wird der „soziale Risikofaktor der Kinder“ auf die Stadtteile übertragen. Danach haben sämtliche Halterner Stadtteile ein soziales Risikoprofil unterhalb des mittleren Bereichs des Kreises.

Jetzt lesen

Dies belegt die Studie mithilfe der Schuleingangsuntersuchungen. Danach hat lediglich ein Drittel der Kinder im Kreis, die eine Grundschule in einem gut situierten Stadtteil besuchen, Erfahrungen mit Karies gemacht. In Grundschulen hingegen, die in Stadtteilen mit ausgeprägten sozialen Problemen liegen, trifft dies auf mehr als jedes zweite Kind (56 Prozent) zu.

Bei diesen Kindern häuft sich zudem starker Kariesbefall. Dabei sind fünf oder mehr Zähne von Karies befallen. Auch Wolfgang Strickling hat dies beobachtet: „Das Kariesaufkommen insgesamt ist rückläufig. Karies konzentriert sich auf weniger Fälle, die dann aber stark betroffen sind.“

Frühzeitige Prophylaxe wichtig

„Es kann nicht sein, dass Kinder mit Zahnschmerzen in die Schule kommen und bitterlich weinen. Deswegen ist es für mich eine ganz große Notwendigkeit, dass wir als Ärzte und Ärztinnen in die Einrichtungen gehen“, betont Dr. Sabine Petri-Dorn, Zahnärztin des Kreis-Gesundheitsamtes.

Die Halterner Zahnärztin Julia Becker ist selbst auch in vielen Grundschulen unterwegs. Sie hebt ebenfalls die große Bedeutung frühzeitiger Aufklärung und Prophylaxe hervor: „Damit sollte eigentlich schon im Kindergarten begonnen werden.“

Lesen Sie jetzt