Kleine Ensembles bringen Halterns Sixtuskirche wieder zum Klingen

rnKirchenmusik in Coronazeiten

Die Kirchenchöre sind eine wichtige Stütze des Gemeindelebens, die Angst vor Corona hat sie allerdings verstummen lassen. Doch in St. Sixtus ist wieder Musik drin, dank Kantor Thomas Drees.

Haltern

, 23.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die großen Konzerte mit Chor und Orchester in der Sixtus-Kirche zu hohen Feiertagen sind erst einmal Geschichte. Musik zu Coronazeiten klingt an diesem zentralen Ort inmitten der Stadt jetzt ganz anders und neu. Kantor Thomas Drees hat das Problem der Zeit auf seine Weise gelöst.

Die Sängerinnen und Sänger sowie Orchestermusiker proben wieder, aber immer nur in kleinen Gruppen. Denn es gilt für Chöre ein Abstand von drei Metern zwischen den Sängern, zum Vordermann sogar von vier Metern. Deshalb wurde aus dem Großen etwas Kleines: Ensemble-Musik. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit diesen Projekten den Zusammenhalt der Kantorei St. Sixtus stärken und über diese schwierige Zeit hinweg kommen werden“, erklärt Thomas Drees dazu.

Kantor kann sich viel mehr als sonst um Musiker kümmern

So stellt der Kantor für Proben wie für Gottesdienste kleine Ensembles aus bis zu acht Sängern oder Musikern zusammen. „Die Proben sind viel effektiver als sonst, weil ich mich individuell um die Musizierenden kümmern kann“, beschreibt er einen positiven Aspekt. Mit dieser Idee gelingt es ihm zum Beispiel auch, die Kinder und Jugendlichen weiterhin für die Musik zu begeistern. Wenn keine Proben und Auftritte möglich seien, dann suchten sich die jungen Menschen eben woanders Ersatz. Das will er natürlich nicht.

Im Josefshaus am Richthof steht ein 100 Quadratmeter großer Probenraum zur Verfügung. Hier unterrichtet er kleine Gruppen in Stimmbildung und Gesang. Gleichzeitig studierte er vor den Sommerferien mit ihnen ein vierstrophiges Lied ein, das später in den Videogottesdiensten von St. Sixtus oder auch auf You Tube zu sehen und zu hören war. „Dadurch hatten die Kinder ein Ziel. Sie blühten auf und das war für mich eine große Freude.“

Neue junge Sänger sind jederzeit herzlich willkommen

Seit einer Woche proben die 55 Kinder und Jugendlichen im Wechsel in der Marienkirche, die für ihren guten Klang bekannt ist. Vier Gruppen dirigiert Thomas Drees: Kinder im Vorschulalter, Grundschüler, Schüler weiterführender Schulen bis Klasse 7 und Schüler ab Klasse 8. Aus diesen Gruppen bildet er jetzt gerade Ensembles aus sechs bis acht Musikern und Sängern, die dann die vier Erstkommunionfeiern im Herbst mitgestalten.

Weitere Talente sind zu den Proben herzlich willkommen. „Die Gruppen sind alle offen für weitere Interessierte“, betont Thomas Drees. Er bittet darum, sich dann persönlich bei ihm zu melden: Tel. 9236610.

Auch die Erwachsenen - Kirchenchor- und Canticum-Novum-Sänger wie auch Orchesterspieler - haben am 20. August ihre Proben wieder aufgenommen. Ebenfalls zeitversetzt in drei Gruppen, im wöchentlichen Wechsel und dann in der Annabergkirche zwischen 17.30 und 22 Uhr, in den Wintermonaten ziehen sie möglicherweise auch in die Marienkirche um. Auch hier bildet Thomas Drees Ensembles für Auftritte wie am 6. September, wenn das ZDF in Haltern den Sonntagsgottesdienst aufzeichnet.

Thomas Drees will mit allen eine Festival-Messe einstudieren. „Die Texte sind die alten, aber der Musikstil ist modern und wohlklingend. Eben der Zeit angemessen“, verrät er vorab. Für den Kantor war von Anfang an klar: „Nichts machen, das machen wir nicht!“

Chorgemeinschaft Lippramsdorf: Proben vielleicht möglich

Kirchenmusiker Marko Weibels leitet einen weltlichen Chor, die Chorgemeinschaft Lippramsdorf. Er überlegt, bald wieder unter entsprechenden Hygiene- und Abstandsregelungen einige Proben unter Vorbehalt stattfinden zu lassen. Dazu biete sich die Annabergkirche an, in der maximal 24 Sängerinnen proben können. „Die Bedingungen erschweren die Proben ungemein. Die Abstandregelungen machen es kaum möglich, aufeinander zu hören, was bei Laienchören besonders wichtig ist“, sagt Marko Weibels. Hier brauche jeder seine „Nebenfrau“ oder seinen „Nebenmann“. Grundsätzlich bestätigt er, dass allen die Gemeinschaft und der Gesang sehr fehle.

Chöre vermissen Musik und Gemeinschaft

Singen und Musizieren im öffentlichen Raum (in Gebäuden und im Freien) sind unter Beachtung von Hygieneregeln wieder erlaubt. Allerdings heißt es in den Standards, dass beim Singen ein Mindestabstand von mindestens 3 Metern Seitenabstand und 4 Metern in Ausstoßrichtung sicherzustellen ist. Außer der Kantorei St. Sixtus verzichten bislang noch alle Halterner Chöre auf Proben, weil sie die Sicherheitsauflagen nicht erfüllen können. Sie vermissen allerdings die Gemeinschaft sehr, wie beispielsweise Martin Busse vom Kolpingchor bestätigt. Der Kolpingchor trifft sich derzeit statt zum Gesang alle vier Wochen mittwochs zum Stammtisch.
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