Kornuten nehmen Bad in der Bütte

HALTERN Seit langem ist es in Haltern Tradition, Samstag war es wieder soweit: Für insgesamt neun Kornuten hieß ein (un-)freiwilliges Bad zu nehmen. Denn wie jedes Jahr stand wieder das Gautschfest auf dem Programm.

von Von Mark Pillmann

, 01.09.2008, 18:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Kornuten nahmen ein Bad in der Bütte.

Die Kornuten nahmen ein Bad in der Bütte.

Denn die Kornuten, also ausgelernte Lehrlinge des Druckerhandwerkes, die ihre Gesellenbriefe allerdings noch nicht erhalten hatten, mussten auf einem nassen Schwamm Platz nehmen und ein Bad in einer Bütte über sich ergehen lassen. Dabei halfen so genannte Packer, vier an der Zahl, die je eine Extremität des Kornuten griffen und ihn untertauchen. Allerdings erst, nachdem der Gautschmeister mit „Packt an!“ den offiziellen Anstoß zum Gautschen gegeben hatte.

Doch bevor es überhaupt soweit kam, wurden einige Ansprachen gehalten. Die Rede des Schwammhalters, eine weitere wichtige Person in diesem urigen Ritual, begann in etwa so: „ Packt an! Lasst seinen Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm bis triefen beide Ballen.“ Die Gautschlinge hingegen verlasen den Text eines alten Gautschbriefes der VEB graphischen Kunstanstalten Leipzig vom 28. Juni 1952.

Das Gautschen ist ein bis ins 16. Jahrhundert zurückzuführender Brauch. Bei der Papierherstellung schöpfte der Papiermacher den Papierbrei mit einem Sieb aus einer Bütte (= Bottich, daher Büttenpapier). Anschließend legte er den so entstandenen Papierbogen zum Trocknen auf eine Filzunterlage. Dieser Trocknungsschritt wurde Gautsch genannt.

Neben den sechs Lehrlingen nahmen auch drei Ehrenkornuten an dem Spektakel teil: Dr. Olaf Medenbach, Geologe und Professor an der Uni Bochum im Fach Geowissenschaften, Lambert Lütkenhorst, Bürgermeister von Dorsten, und Verleger Rainer Bode. Musikalisch untermalt wurde das Spektakel vom Blasorchester Hullern.

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