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Künstler aus Wendelstein schnitzt eine neue Krippe für die Annaberg-Kirche

rnMit Pilger-Spenden

Ein Künstler aus dem Frankenland schnitzte eine neue Krippe für die Wallfahrtskirche. Marko Weibels lieferte die Idee, Annaberg-Pilger folgten ihm und zeigten sich sehr spendabel.

Haltern

, 24.12.2018 / Lesedauer: 4 min

In der fränkischen Holzwerkstatt flogen die Späne, in der westfälischen Stube surrte die Nähmaschine: Die neue Krippe für die Wallfahrtskirche auf dem Annaberg entsteht. Im fränkischen Wendelstein schnitzte Künstler Norbert Tuffek in den vergangenen Wochen Maria, Josef, Jesuskind, Hirte, Engel und zuletzt das Schaf. Nach und nach kamen die 80 Zentimeter großen Figuren im 550 Kilometer entfernten Lippramsdorf an. Dort saß Küster und Kirchenmusiker Marko Weibels als Kostümbildner mit kreativen Ideen, Nadel und Faden vor edlen Stoffen und Spitzen. Er kleidete die Krippenfiguren nach barockem Vorbild ein.

Wasserschaden

Marko Weibels (44) erklärt, warum der große Aufwand nötig war: Bei einem Wasserschaden in der Pilgereinkehrstätte nahm die ursprüngliche Krippe mit ihren Tonfiguren erheblich Schaden. „Die meisten Figuren waren nicht mehr zu retten, die übrigen haben wir als Leihgaben an Familien gegeben“, erzählt der Küster. Weihnachten 2017 lieh er sich eine alte Krippe aus der Sixtuskirche, sie musste allerdings wieder zurück. Weihnachtsgottesdienste 2018 ohne Krippe? Das war für Marko Weibels unvorstellbar, zusammen mit den Pfarrern Michael Ostholthoff und André Pollmann entstand die Idee, Figuren bei Norbert Tuffek in Auftrag zu geben und diese über Spenden zu finanzieren. Das Projekt funktionierte. 4600 Euro sind im Laufe des Jahres zusammengekommen. „Ich freue mich, dass Pilger und die sonntäglichen Kirchenbesucher so spendabel waren“, er habe viel Freude an dieser Unterstützung gehabt, sagt er und dankt allen Unterstützern herzlich. So konnte der Lippramsdorfer beruhigt den Auftrag nach Wendelstein geben. 4600 Euro reichten für Maria, Josef, das Jesuskind, Engel, Hirte und Schaf.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Annabergkrippe

Holzbildhauermeister Norbert Tuffek hat eine neue Krippe für die Wallfahrtskirche auf dem Annaberg geschnitzt. Küster und Kirchenmusiker Marko Weibels lieferte die Idee zur Umsetzung des Projektes, Pilger machten es mit Spenden möglich.
24.12.2018
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Josef, der Ziehvater Jesu, ist in feine Stoffe eingehüllt. Für die akribische Arbeit näht Marko Weibels mit einer Maschine oder per Hand.
Der Hirte wartet auf die Einkleidung.
Der Engel verkündet Maria die Geburt: Die beiden Figuren waren die ersten, die aus der Künstlerwerkstatt eintrafen.
Norbert Tuffek in seiner Werkstatt mit dem Schaf für die Annaberg-Krippe: Der anerkannte Künstler aus Wendelstein fertigt sakrale und profane Holzbildhauerarbeiten. Seine (Hand-)Arbeiten sind immer Einzelstücke.
Josef entsteht: Künstler Tuffek beobachtet die Menschen um ihn herum und merkt sich Gesichtszüge, die er dann künstlerisch verarbeitet.
Marko Weibels hat das Kostüm für Josef - wie auch alle anderen Kostüme - selbst genäht. In barocken Krippen trägt Josef Violett, Ocker und Braun.
Das Jesus-Kind der Annaberger Krippe liegt in einem Weidenkorb.
Schöne Bordüren und Spitzen veredlen die Kleidung der Krippenfiguren.
Marko Weibels hat ein Faible für alte, edle Stoffe und Spitzen. Bei der Einkleidung der Krippenfiguren kann er auf einen reichen Fundus zurückgreifen.
Marko Weibels verarbeitete auch Ornamente aus feinen Goldfäden.
Im Nähkästchen von Marko Weibels glitzert und blinkt es schön.
Marko Weibels, Küster in der Annabergkirche und Kirchenmusiker, fertigt alle Kostüme der Krippenfiguren. Er verwendet nur alte Spitzen und Stoffe.
Maria empfängt die Botschaft des Engels, dass sie einen Sohn empfangen und ihm den Namen Jesus geben solle.

Küster und Diplom-Theologe Marko Weibels kennt Holzbildhauermeister Norbert Tuffek durch seine vielen Reisen ins Frankenland. „Wir haben inzwischen Freundschaft geschlossen“, sagt er. Er wusste, dass der Auftrag hier in guten Händen war. Der Künstler schnitzte die Figuren nach barockem Vorbild. „An einer Figur, wie ich sie für den Annaberg gefertigt habe, arbeite ich etwa drei bis vier Tage“, erzählt Holzbildhauermeister Norbert Tuffek der Halterner Zeitung. Die Gesichter sind fein ausgearbeitet, es sind oft Abbilder von Menschen aus seinem Umfeld. „Ich fertige öfter Krippenfiguren als Porträtfiguren“, sagt Norbert Tuffek. Das gefällt Marko Weibels: „So sind die Gesichter nicht starr, steif und seelenlos.“

Bewegliche Figuren

Ausgefallen sind auch die Krippenfiguren selbst. Die Gliedmaßen sind beweglich, so kann Marko Weibels sie innerhalb der Krippenlandschaft schön in Position bringen. „Diese Art der Figurenherstellung geht bis in die Anfänge der Krippengeschichte zurück. Sie ermöglicht, mit ein und derselben Figur verschiedene Haltungen und Gesten auszudrücken“, erklärt dazu Norbert Tuffek. Dies sei vor allem von Vorteil, wenn man nicht nur eine Szene darstelle, sondern wie auf dem Annaberg, mehrere, verschiedene nacheinander durch die ganze Advents- und Weihnachtszeit gezeigt werden.

Alle Figuren sind handgeschnitzte Unikate. Norbert Tuffek selber besitzt eine ähnliche Krippe. Seine Figuren sind etwas über 50 Zentimeter groß. Der Holzbildhauer zeigt damit simultan zwölf Szenen von der Verkündigung an Maria bis zur Hochzeit zu Kana. Diese Krippe ist mittlerweile auf 280 Figuren angewachsen, sie ist dieses Jahr im Kloster Scheyern zu sehen.

Antike Stoffe und Spitzen

So viel Gefallen an der sakralen Kunst hat auch Marko Weibels, der seine Diplomarbeit über Weihnachtsbrauchtum und Krippen schrieb. Mit Sorgfalt kreierte er nach barockem Vorbild die Kleidung für die neuen Annaberger Krippenfiguren. Dabei schöpft er aus seinem reichen Fundus an antiken Stoffen und Spitzen. Die Farbauswahl für die Heilige Familie ist vorgegeben: Maria trägt vor der Geburt ein weißes und blaues Gewand, nach der Geburt ein rotes Kleid, einen blauen Mantel und ein weißes Schultertuch als Zeichen von Liebe, Treue und Zuwendung; Josef ist in Violett, Ocker und Braun gehüllt.

Marko Weibels ist überzeugt, dass die neue Krippe für Jahrhunderte hält und die Pilger begeistern wird. In diesem Jahr hat es übrigens 45 Wallfahrten gegeben, 15 mehr als zwei Jahre zuvor.

Krippe ohne Könige

An Heiligabend strahlt der Bayrische Rundfunk eine Sondersendung über Norbert Tuffek aus. Dann können Zuschauer beobachten, wie in der Wendelsteiner Werkstatt der Hirte für die Annabergkirche entsteht. Wenn dieser Einblick Freude und Begeisterung weckt, dann fliegen vielleicht bald wieder im Frankenland die Spähne, denn für die Heiligen Drei Könige haben die Spenden nicht mehr gereicht....

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