Kunst auf dem Kirchplatz

Haltern/Münster Es könnte fast ein ganz normaler Tag in Münster sein.

29.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Auf dem Aegidiikirchplatz geht langsam die Sonne auf, die Vögel zwitschern und ein Hahn kräht. Ein Obdachloser, der auf einer Bank geschlafen hat, packt seine Siebensachen in eine Lidl-Tüte, eine letzte Nachtschwärmerin torkelt barfuß vorüber.

Es ist aber kein ganz normaler Tag in Münster. Die Theatergruppe "Mimesis" zeigte am Freitag erstmals ihre Improvisationen zum Titel "Ein Tag, ein Platz und das Leben". Eine der Regisseure ist Maaike Thomas aus Haltern.

Was auf den ersten Blick alltäglich scheint - Menschen gehen vorüber, treffen sich oder verweilen - hebt sich schnell durch eine intensive Körpersprache und eine akzentuierte Geräuschkulisse ab. Es gibt keine Dialoge. Der Grund: Die etwa 30 Schauspieler sind teilweise gehörlos, teilweise hörend.

Das Konzept basiert auf einer Idee von Christa Nonhoff. Die Theaterpädagogin arbeitete zehn Jahre an einer Gehörlosenschule und ist seit 25 Jahren am Kreativhaus tätig. Dort hat sie in ihren Kursen auch Teilnehmer für das Projekt angesprochen. "Wir haben Typen gesucht", erklärt sie. Die Akteure haben ihre Ideen zum Thema "Platz" selber entwickelt - einzeln, als Duo oder in Gruppen. Eine Woche vor der Premiere schrieben Nonhoff und die anderen beiden Regisseure Maaike Thomas und Franz-Bernhard Schrewe das Stück zusammen.

Die Schauspieler begeisterten durch herausragende Mimik und Gestik sowie komisches Talent. Sie stellten ihre verschiedenen Charaktere liebevoll, mit vielen Details und mitunter herrlich klischeehaft dar: den piefigen Lebensmittelhändler, der zu seiner Brotzeit auf dem Kirchplatz Hocker, Tupperdose und Kaffee mitbringt; die exzentrische Frau mit Sonnenhut und Paris Hilton-Brille, die im Liegestuhl ein Sonnenbad nimmt; die Skulptur-Touristen, die mit Lageplan und Souvenirs orientierungslos von Kunstwerk zu Kunstwerk hetzen.

"Wir sehen das, was wir tun, als Kunst im öffentlichen Raum", erläutert Nonhoff. Das traf insbesondere für die stimmungsvolle Schlussszene zu. Zu Kerzenschein und Musik tanzen, wippen und schunkeln alle Akteure gemeinsam¨- und doch interpretiert jeder auf seine Weise. Beeindruckend. Julia Schay

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