„Landbevölkerung wird außen vor gelassen“ – Sythener Bahnpendler über aktuelle Situation

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Durch den Fahrplanwechsel im VRR gibt es aus Haltern-Sythen keine Direktverbindung mehr ins Rheinland. Funktioniert die Alternative mit Umstieg? Ein Sythener Pendler berichtet.

Haltern, Sythen

, 22.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Sonntag (15. Dezember) ist der neue Fahrplan im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in Kraft getreten. Eine Veränderung der Zugstrecke der Linie RE 2 hat für Pendler aus Haltern-Sythen seitdem die Konsequenz, dass keine Direktverbindung mehr ins Rheinland besteht.

Der VRR erklärte im Vorfeld, dass der RE 2, der zwischen Münster und Düsseldorf verkehrt, zukünftig schneller unterwegs sein soll. Dafür streiche man die Halte Marl-Sinsen, Haltern-Sythen, Dülmen-Buldern, Nottuln-Appelhülsen, Bösensell und Münster-Albachten. Zusätzlich ist die Strecke bis nach Osnabrück ausgeweitet worden.

Umstieg nach Fahrplanwechsel nötig

Kompensiert werden sollte diese Änderung durch den RE 42, der von Münster nach Mönchengladbach fährt und den man zum Fahrplanwechsel auf eine zweite Fahrt in der Stunde zwischen Münster und Essen aufstocke. Ein Erreichen der kleineren Bahnhöfe sei gemäß VRR durch einen Umstieg mit wenigen Minuten Umstiegszeit vom selben Gleis an einigen Bahnhöfen auf der Strecke, etwa am Bahnhof Gelsenkirchen, weiterhin möglich.

Soweit die Theorie. Die Realität sieht für Berufspendler aus Haltern-Sythen jedoch anders aus. Timo Deitmer pendelt mit dem Regionalexpress zwischen Haltern-Sythen und Düsseldorf und erzählt von seinen Erfahrungen aus den ersten Tagen nach dem Fahrplanwechsel. „Auf dem Hinweg funktionierte die Fahrt am Montag mit dem Umstieg reibungslos“, so Timo Deitmer. Er steige morgens in Haltern-Sythen in die RE 42 ein und am selben Gleis vom Halterner Bahnhof um auf die Linie RE 2 nach Düsseldorf.

Doppelt so lange Fahrtzeit

Doch am Montagabend auf der Rückreise habe es dann Probleme gegeben. Die Linie RE 2 aus Düsseldorf verspätete sich und sei auf der Strecke von der RE 42, seinem eigentlichen Anschlusszug, überholt worden. „Mit fast einer halben Stunde kam ich verspätet am Halterner Bahnhof an. Der nächste RE 42 nach Sythen hatte dann noch einmal rund eine halbe Stunde Verspätung“, schildert Timo Deitmer.

Regulär sollte die Fahrzeit des Sytheners etwa eine Stunde und fünfzehn Minuten dauern. Am Ende habe er aber doppelt so viel Zeit benötigt. „Das war nervig, aber am Montag habe ich es so hingenommen“, sagt der Pendler. Doch das Verständnis wich, als am Dienstagabend sein Zug erneut von seinem Anschlusszug auf dem Rückweg überholt wurde.

Verschlechterung des Nahverkehrs?

Der Berufspendler ist verärgert. Der RE 2 sei morgens aus Münster kommend viel leerer als vorher. Warum also, wirft er die Frage auf, müsse der RE 2 bis nach Osnabrück fahren? Dafür gebe es seiner Meinung nach ICEs. „Die Landbevölkerung wird außen vor gelassen“, ergänzt er. Der Nahverkehr verschlechtere sich dadurch, obwohl man aus Gründen des Umweltschutzes eigentlich doch auf diesen zurückgreifen solle.

Früher, so Timo Deitmer, hätten die Züge auch Verspätungen gehabt, aber jetzt habe es drastischere Auswirkungen – „das klaut den Leuten Lebenszeit“. Während Timo Deitmer vorher mit dem Fahrrad zum Sythener Bahnhof gefahren ist, weicht er erst einmal auf das Auto aus, um vom Halterner Bahnhof direkt mit dem Zug nach Düsseldorf zu fahren. Langfristig wolle er dann eine andere Bahnverbindung nutzen, wofür er seine Arbeitszeit verschieben muss.

Auf Nachfrage erklärt der VRR, dass dieses Problem nur vorübergehend sei. „Durch die neue Taktstruktur kommt es derzeit zu Unregelmäßigkeiten“, sagt Pressesprecher Dino Niemann. Das sei unschön und man bedauere dies, doch man gehe davon aus, dass sich das einspiele.

Wie sind Ihre Erfahrungen nach dem Fahrplanwechsel? Haben Sie Positives oder Negatives erlebt, dann schicken Sie uns eine Mail an redaktion@halternerzeitung.de

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