Landwirte schlagen Alarm: Erntehelfer fehlen - wer sticht den Spargel in Corona-Zeiten?

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Schon seit Jahren fehlen Erntehelfer unter anderem bei der Spargelernte. Durch die Corona-Krise verschärft sich die Situation dramatisch.

Haltern

, 18.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon in den vergangenen Jahren wurde es immer knapper, jetzt kommt die Corona-Krise verschärfend hinzu: Den Landwirten und insbesondere Obst- und Gemüsebauern fehlen Erntehelfer aus dem Osten.

Auf dem Spargel- und Obsthof Sebbel werden sie regelmäßig ab der Spargelernte eingesetzt. Die beginnt normalerweise im April. „Das ist zwar noch etwas Zeit, aber da zurzeit nicht klar ist, ob unsere Kräfte ausreisen dürfen, fangen wir an, uns ernsthafte Sorgen zu machen“, sagt Seniorchef Karl-Ernst Sebbel. Er hoffe auf Gespräche der Bauernverbände mit den Behörden, um die Einzelheiten zu klären, so Sebbel. „So lange müssen wir erstmal abwarten, hoffen aber auf baldige Ergebnisse.“

Landwirtschaftlicher Arbeitgeberverband sieht dramatische Situation

Der Gesamtverband der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) ist ebenfalls in großer Sorge. Die Grenzschließungen aufgrund des Coronavirus könnten zu einer dramatischen Situation führen, heißt es in einem Rundschreiben des Verbandes. „Gerade in Sonderkulturbetrieben, bei denen wichtige Pflege- und bereits erste Erntearbeiten anstehen, besteht die drängende Frage, ob ausländische Erntehelfer nach Deutschland reisen und ihre Beschäftigung aufnehmen können“, heißt es dort. Diese Frage könne im Moment niemand beantworten, weil sich die Voraussetzungen nahezu täglich ändern.

Die Betriebe seien aber dingend auf die ausländischen Erntehelfer angewiesen. „Deshalb sind wir bereits seit letzter Woche im engen Austausch mit den zuständigen Ministerien. Zusammen mit anderen Verbänden fordern wir, dass auf EU-Ebene oder bilateral Regelungen gefunden werden, die einen Arbeitsantritt arbeitsbereiter ausländischer Saisonkräfte ermöglichen“, so die Mitteilung des GLFA.

Gesetze befristet ändern

Es müsse allerdings auch damit gerechnet werden, dass viele Erntehelfer zurzeit gar nicht nach Deutschland einreisen wollen. Deshalb sei die Politik aufgefordert, weitere Maßnahmen zu ergreifen wie die befristete Lockerung des Arbeitszeitgesetzes, die befristete Erweiterung der Möglichkeit kurzfristiger Beschäftigung und befristete Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten von Arbeitslosen, Asylbewerbern oder Beziehern vorzeitiger Altersrente.

Erntehelfer in Deutschland sind schwer zu finden. Deshalb beschäftigen Landwirte regelmäßig Helfer unter anderem aus Polen. Ein Fragezeichen steht in diesem Jahr allerdings auch hinter dem Absatz des Spargels. Wenn die Einschränkungen des Gastronomiebetriebs länger andauern, könnte auch der Verzehr des beliebten Gemüses in den Restaurants weitgehend wegbrechen.

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