Landwirte sehen Anbau gentechnisch veränderter Kartoffeln skeptisch

Amflora

HALTERN Grünes Licht für die gentechnisch veränderte Kartoffel "Amflora" von BASF. Der Chemiekonzern freut sich über die Zusage der EU-Komission. Die Kartoffel wird zur Stärkegewinnung produziert, Nebenerzeugnisse von Amflora sind zudem als Futtermittel zugelassen. Halterner Landwirte sehen diese Entwicklung auf dem Gentechnik-Sektor skeptisch.

von Von Sabine Wiemann und Elke Rüdiger

, 04.03.2010, 07:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Landwirtin und Hofladenbetreiberin Ulrike Koch präsentiert ihre selbst angebauten gentechnisch unveränderten Kartoffeln.

Landwirtin und Hofladenbetreiberin Ulrike Koch präsentiert ihre selbst angebauten gentechnisch unveränderten Kartoffeln.

Hubertus Natrop, Ortslandwirt in Flaesheim, ist gegen die Einführung von Amflora. "Die Industrie bekommt stets mehr Einfluss auf die Produkte und die Landwirte begeben sich in eine große Abhängigkeit. Die veränderten Pflanzen vertragen nur ein Schutzmittel, und dieses wird nur von einer Firma produziert", sind seine Bedenken.

Ulrike und Hermann Koch (Hofladen am Silverberg) bauen Kartoffeln an. Sie glauben, dass Gentechnik so bald enger an den Lebensmittelmarkt rückt. "Aber uns fragt ja keiner", klagt Ulrike Koch.

Kein Vorteil Heinz Schulte (Bauernladen Hagedorn in Lavesum) sieht in Deutschland keine Notwendigkeit für den Anbau genveränderter Produkte. "Die Landwirtschaft hat keinen Vorteil, allein die Industrie treibt die Gentechnik aus Profitgier voran", so der Gemüseanbauer. "Verbraucher können sich kaum vor genverändertem Essen schützen, da es durch Futtermittel in die Nahrungskette gelangt. Die Entscheidung, ob wir das essen wollen, haben andere gefällt", kritisiert Schulte den aktuellen Beschluss der EU-Komission.

Diese Haltung versteht Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer NRW: "Die Stärkekartoffel spielt im Münsterland überhaupt keine Rolle, dennoch befürchten die Verarbeiter eine Verunsicherung der Verbraucher."

Von der eine Million Hektar großen, landwirtschaftlichen Gesamt-Nutzfläche in NRW, gibt Rüb Entwarnung, werden nur 167 Hektar für den Anbau von Stärkekartoffeln genutzt. In Deutschland sei die Gentechnik momentan tot, so Rüb. Und weiter: "Markt und Landwirte zeigen keinen Bedarf an gentechnisch veränderten Lebensmitteln."

Völlig anders sieht das Günter Hessing, Geschäftsführer der Raiffeisen-Warengenossenschaft in Haltern: "Das ist eine Signalwirkung. Auf Dauer können wir uns der Genthematik nicht verschließen. Es gibt bereits 145 Mio. genveränderte Pflanzen. Aber in den Regalen hier ist nicht eine als genverändert gekennzeichnet. Dabei sind sie es schon durch genetisch veränderte Zusatzstoffe. Die Deklaration stimmt nicht, aber niemand traut sich, etwas zu sagen." Sobald es um Gene in Lebensmitteln gehe, "kochen die Emotionen hoch. Kommen sie aber in Medikamenten zum Einsatz, dann sagt keiner 'was."

Entwarnung Er gibt aber gleichzeitig Entwarnung: "Amflora ist keine Speise-, sondern eine Industriekartoffel zur Stärkegewinnung." Wenn der Markt sie benötige, vermutet Hessing, "werden auch die hiesigen Landwirte diese Pflanze anbauen.". Das aber liege noch in weiter Ferne, die Zustimmung sei gerade mal für den Anbau zur Vermehrung erfolgt. Die BASF starte 2010 auf einer Fläche von 20 Hektar, für 2011 stehen dann etwa 250 Hektar Anbaufläche zur Verfügung.

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