Meinung

Lebensmittelkonsum: Unser Fleisch darf uns nicht Wurst sein

Am Forsthof Haard kann man Wild jetzt selbst zerlegen. Das sollte uns zum Nachdenken über unseren Fleischkonsum und die Produktionsbedingungen anregen.
Die Hirschfilets werden kurz in der Pfanne angebräunt, bevor sie zum Endgaren in den Ofen kommen. © Ilka Bärwald (A)

Eintopfkrise in Sythen: Ich hatte meinem Mann diese Speise angekündigt, woraufhin er den ganzen Morgen von Mettwürstchen und geräuchertem Kassler träumte. Sein Gesicht sprach Bände, als ihm mittags Ingwer- und Zimtduft entgegenschlug und eine vegane Speise aus Kichererbsen und roten Linsen auf dem Herd wartete. Liebe ging an diesem Tag nicht durch den Magen.

Ansonsten teilen wir aber meistens den gleichen Geschmack. Dazu gehört, dass bei uns Fleischgerichte immer seltener zubereitet werden. Mettwürstchen & Co., wenn auch manchmal vermisst, sind zur Rarität mutiert. Fleisch wird gezielt gewählt, Wildbret ist besonders geschätzt. Wir beziehen es von einem befreundeten Jäger. Frischer geht es nicht.

Wer es ursprünglicher mag, kann ein Wildtier jetzt selbst am Forsthof Haard in Haltern zerlegen. Ich denke, dass mein Mann und ich dafür zu wenig Gene unserer Jäger- und Sammlervorfahren bewahrt haben. Aber der Ansatz ist sicher nicht verkehrt. Nur was wir kennen, können wir richtig wertschätzen. Die Kluft zwischen Verbrauchern und Produzenten ist viel zu groß.

Wir können nicht alle durch die Wälder streifen und uns die nächsten Mahlzeiten schießen, sicher auch kein Schwein in der Garage halten. Aber wir können Produkte aus der Region bevorzugen und uns mal fragen, wie die Arbeit der Landwirte in unserer Stadt aussieht. Dann wäre schon viel erreicht.