Fabian Rahn ist Geschäftsführer der Manufaktur Rahn in Haltern. Einige Küchengeräte sind für den Einzelhändler extrem schwierig zu bekommen. © Jürgen Wolter (A)
Einzelhandel-Engpässe

Lieferzeiten bei Halterner Einzelhändlern dreimal so lang wie bisher

Aus Tagen werden Monate: Viele Einzelhändler in Haltern bekommen extreme Lieferverzögerungen zu spüren. Es dauert nicht nur länger - sondern geht auch aufs Portemonnaie.

Es ist eine Situation, die so noch niemand in Haltern am See miterlebt hat: Im Einzelhandel kommt es zu extremen Lieferschwierigkeiten. Durch viele Branchen hindurch. „Das wird sich erst in zwei bis drei Jahren wieder normalisieren“, sagt Tim Philipps vom gleichnamigen Elektro-Fachgeschäft in Haltern. Aber was genau ist los?

Es fehlen Chips und Halbleiter auf dem Markt. Das betrifft bereits die Automobil-Branche extrem. Aber nicht nur da wird der Chip-Mangel deutlich. „Es sind alle Bereiche“, sagt Marc-Michael Rohde, Geschäftsleiter im Möbelgeschäft Reso. „Was extrem betroffen ist, sind Elektrogeräte für Küchen. Aber auch Polster oder Beschlagteile für Möbel haben lange Lieferzeiten.“

Marc-Michael Rohde verzeichnet bei Reso in Haltern dreimal so hohe Lieferzeiten wie sonst.
Marc-Michael Rohde verzeichnet bei Reso in Haltern dreimal so hohe Lieferzeiten wie sonst. © privat (A) © privat (A)

Und zwar dreimal so lange wie sonst. Ein Tisch, der normalerweise nach acht Wochen da ist, kommt jetzt erst nach 24 Wochen. „Wenn man das im Vorfeld weiß, ist es okay“, sagt Rohde. Mittlerweile können die Kunden darauf hingewiesen werden. Am Anfang der Lieferschwierigkeiten war das jedoch nicht so.

Wartezeiten von bis zu 6 Monaten für Küchengeräte in Haltern

Fabian Rahn von der Küchen-Manufaktur in Haltern kann sich dem nur anschließen. „Es ist gerade ganz extrem“, sagt der Geschäftsführer und meint damit die Lieferverzögerungen. „Es gibt eine Knappheit von Holz und Lackierungen. Ein viel größeres Thema sind aber die Elektrogeräte“, sagt Rahn.

Geschirrspüler und Kühlschränke sind dabei am schlimmsten betroffen. Wer jetzt ein Gerät bestellt, muss ein halbes Jahr warten. Spülen, die sonst innerhalb von zwei Tagen nach Haltern geliefert werden, brauchen jetzt zwei Monate.

Fabian Rahn kann jedoch beruhigen: „Wir haben vieles noch auf Lager.“ Es ist ähnlich wie in der Automobilbranche: Wer ein Modell mit Sonderfunktionen oder einer bestimmten Ausstattung möchte, der muss warten. Die großen Produzenten kommen nicht hinterher. „Wenn Siemens jetzt keine Aufträge mehr annehmen würde“, berichtet Rahn aus einem Gespräch mit dem Hersteller, „bräuchten sie ein halbes Jahr bei normaler Produktion, um den jetzigen Rückstau aufzuholen.“

„Das Risiko liegt beim Händler, sich zu bevorraten“

Sonst gibt es kaum Informationen von den Herstellern für die Einzelhändler in Haltern. „Die Kunden reagieren – Gott sei Dank – zum Großteil sehr gelassen“, sagt Fabian Rahn. Wegen der medialen Aufmerksamkeit hätten sich viele Halterner schon auf lange Lieferzeiten eingestellt.

Tim Philipps vom gleichnamigen Elektro-Geschäft in Haltern am See ist sich sicher: Diese Lieferschwierigkeiten werden sich erst in zwei bis drei Jahren wieder normalisieren.
Tim Philipps vom gleichnamigen Elektro-Geschäft in Haltern am See ist sich sicher: Diese Lieferschwierigkeiten werden sich erst in zwei bis drei Jahren wieder normalisieren. © Jürgen Wolter (A) © Jürgen Wolter (A)

„Die Kunden wissen, das wir da nichts für können“, sagt auch Tim Philipps vom Elektro-Fachgeschäft. Bei Elektro Philipps ist alles schwierig zu bekommen, was mit Wifi-Modulen ausgestattet ist, also internetfähige Geräte. Trotzdem ist Philipps noch „halbwegs normal“ bevorratet. „Man muss nur viel einkaufen“, sagt der Geschäftsführer. „Das Risiko liegt beim Händler, sich zu bevorraten.“

Die zweite Seite der Medaille: Es kommt zu extremen Preisschwankungen. „Wir spüren eine Preissteigerung von 20 Prozent“, berichtet Marc-Michael Rohde von Reso. Sowohl Materialien wie Holz, als auch der Transport sind teurer geworden. „Viele Artikel haben lange Transportwege.“

Das Gute: Mittlerweile weiß der Geschäftsleiter über Preisänderungen und verlängerte Lieferzeiten Bescheid und kann sie somit transparent gegenüber seinen Kunden kommunizieren. „Das passiert aber sehr selten und nicht in der breiten Masse“, sagt Rohde. „Wir sind froh, dass wir das unseren Kunden mitteilen können.“

Über die Autorin
Volontärin
In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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