Lindenallee Flaesheim: Untere Naturschutzbehörde nimmt Fall unter die Lupe

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Nach dem massiven Rückschnitt von 52 Linden an der Haardstraße in Flaesheim schaltet sich nun die Untere Naturschutzbehörde des Kreises ein. Sie will den Fall prüfen.

Haltern

, 02.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

War die Vorgehensweise beim Baumbeschnitt an der Haardstraße in Flaesheim rechtmäßig und angemessen? Dieser Frage will die Untere Naturschützbehörde des Kreises Recklinghausen nun nachgehen. Annette Fleuster aus Haltern hatte beim Kreis eine Bitte hinterlegt, den Sachverhalt zu prüfen und damit den Stein ins Rollen gebracht, nachdem eine Fachfirma im Auftrag der Stadt dort 52 Lindenbäume radikal beschnitten hatte.

Wie ein Vorwand

„Unsere Fachleute haben sich am Dienstag vor Ort einen Eindruck verschafft. Es handelt sich hier in der Tat um einen sehr massiven Rückschnitt“, so Kreissprecher Jochem Manz auf Nachfrage unserer Redaktion. Als eine Argumentation für die durchgeführte Maßnahme hatte die Stadt ihre Verkehrssicherungspflicht genannt. „Das erscheint mir in diesem Fall aber nur ein Vorwand zu sein“, findet Annette Fleuster. Die Bäume seien vital gewesen. „Warum hat man dann nicht nur Totholz entfernt, sondern mehr als die Hälfte aller Kronen weggeschnitten?“, fragt sie.

Vielmehr hinterlasse die Art und Weise des Beschnitts den Eindruck, dass radikal vorgegangen wurde, „um sich die Sache dauerhaft einfach zu machen. Es entsteht jetzt zum Beispiel weniger Dreck durch Laub, weil ja kaum noch Blätter vorhanden sind. Ich finde aber, dass dies als Argument für eine solche Vorgehensweise nicht gelten darf“, so Fleuster.

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Die Grünen-Politikerin kritisiert die Verwaltung auch, weil diese „nicht transparent“ gehandelt habe. „Bei dieser Maßnahme, die 52 Bäume betrifft, hätte man vorab die Öffentlichkeit informieren und die Lokalpolitik einbinden müssen.“ Beides habe man versäumt. „Ein Missstand, auf den wir schon seit Jahren immer wieder hinweisen, aber es ändert sich leider nichts.“

Prüfung geplant

Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises will den Fall nun genauer unter die Lupe nehmen. „Grundsätzlich ist es so, dass in diesem Fall die Verkehrssicherungspflicht bei der Stadt liegt. Gleichwohl werden wir Kontakt zur Stadt aufnehmen, um zu prüfen, ob diese Maßnahme in diesem Umfang wirklich durchgeführt werden musste“, sagt Kreissprecher Jochem Manz. Entscheidend dürfte nun sein, wie die Stadt ihre Maßnahme im Detail begründen kann.

Laut Bundesnaturschutzgesetz gelten vom 1. März bis zum 30. September grundsätzlich Fäll- und Schnittverbote für „Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grünflächen stehen.“ Dies betrifft Straßenbäume, Alleebäume und Solitärbäume in der freien Landschaft.

Doch sie dürfen unter bestimmten Umständen beschnitten oder sogar gefällt werden. Behördlich angeordnete Maßnahmen sind jederzeit erlaubt, sofern die „Verkehrssicherheit“ gefährdet ist oder sogar „Gefahr im Verzug“ herrscht.

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