Lippramsdorfer Autorin legt mit ihren Texten den Finger in die Wunde

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Die Wahl-Halternerin Sybille Lengauer schreibt unbequeme Texte - über gebrochene Helden des Alltags, Tod und Sterben. Bald erscheint ihr viertes Buch.

Lippramsdorf

, 01.08.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pflegeleicht sind ihre Texte nicht: Die Halterner Autorin Sybille Lengauer scheut sich nicht, zu provozieren, manchmal Finger in Wunden zu legen. Gerade hat sie eine Kurzgeschichte in einer Anthologie über „Helden“ veröffentlicht – und in Kürze erscheint ihr viertes Buch.

Realitätsnahe Bezüge

„Der Techniker“ heißt die Geschichte, die in dem Band „Glühende Herzen, Schockstarre und verlassene Limousinen“ veröffentlicht wurde, den der Schreiblust Verlag aus Dortmund herausgebracht hat. Es geht um einen Computertechniker, der eine Datei löschen soll, die einen Kindesmissbrauch zeigt. Als er sich weigert, die Spur zu verwischen, verliert er seinen Job. Der Techniker ist ein gebrochener Held des Alltags, eine Figur einer Fantasiewelt, trotzdem mit realitätsnahen Bezügen.

Es sind solche Bilder und Motive, die häufig in Sybille Lengauers Gedichten und Geschichten auftauchen. Nicht selten beschäftigt sie sich auch mit dem Thema Tod und Sterben.

Stellung beziehen gegen Rassismus und Diskriminierung

Und sie bezieht eindeutig Stellung - gegen Rassismus, Faschismus und Diskriminierung in der Gesellschaft, für Frauenrechte und Gleichberechtigung. Mit oft schnörkelloser sprachlicher Direktheit: „Ich bin die Frau, die dir die Spucke stiehlt, (…) Ich bin die Frau, die Schach mit deinen Träumen spielt“, heißt es in einem ihrer Gedichte.

Sybille Lengauer stammt aus Österreich. Sie wurde 1980 in Linz geboren und lebt seit 16 Jahren in Nordrhein-Westfalen, zuletzt in Münster, bevor sie vor fünf Jahren nach Lippramsdorf zog. Dort arbeitet sie im Frischemarkt Bösing und verkauft außerdem einmal pro Woche Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt in Dülmen. „Ich mag diese Gegend, ich mag die Menschen“, sagt Sybille Lengauer über ihren neuen Wohnort.

Mit dem Schreiben hat sie angefangen „seit ich schreiben konnte. Es ist nicht mein Beruf, aber meine Berufung.“ Über 50 Kurzgeschichten sind zuletzt entstanden, die sie jetzt auch in einem eigenen Buch – ihrem inzwischen vierten – veröffentlichen wird. Es trägt den Titel „Mottengedanken“ und erscheint in Rodneys Underground Press. Sybille Lengauer sieht sich eher als Teil der alternativen Literaturszene, auch auf Poetry-Slams ist sie schon aufgetreten.

Corona hat auch eigene Kreativität ausgebremst

In der Corona-Krise sorgt sich Sybille Lengauer um die Situation der Künstler. Und das hat auch ihre eigene Kreativität ausgebremst. „In den letzten Wochen sind kaum neue Texte entstanden“, sagt sie. Im Gedicht „Schreiblosigkeit“ beschreibt sie diesen Zustand: „Im Erdrutsch der Gedanken / poltern Phrasen wie schwere Steine / Was bleibt sind Fragmente / die sich am Fuß der Angst türmen.“

Die Anthologie „Glühende Herzen, Schockstarre und verlassene Limousinen“ enthält „41 Heldengeschichten“, ist im Buchhandel erhältlich und kostet 10,90 Euro. Viele Texte hat Sybille Lengauer außerdem auf ihrer Blog-Homepage veröffentlicht.

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