Alle in diesem Jahr für die Seestadt ausgeschriebenen Stellen, wurden besetzt. Im Regierungsbezirk Münster sind aber nur 62 Prozent der Stellen vergeben. Lehrerverbände warnen.

Haltern

, 14.09.2018, 11:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fünf neue Lehrer und Lehrerinnen sind in Haltern am See zwischen dem 1. Januar und dem 31. August eingestellt worden. Somit konnten alle ausgeschriebenen Stellen auch besetzt werden. Das teilte die Bezirksregierung Münster auf Anfrage mit. Das Gymnasium hätte drei neue Lehrbeauftragte bekommen, die Hauptschule einen. Ein weiterer Lehrer oder eine Lehrerin hat an einer Grundschule Platz gefunden.

Im gesamten Gebiet der Bezirksregierung Münster sieht das aber ganz anders aus: Hier sind 1311 Stellen ausgeschrieben (Stand 31. August). „Davon sind 813 besetzt“, sagt Ulla Lüthkermölle von der Pressestelle der Bezirksregierung. Das sind 62,01 Prozent. Die Schulen im Gebiet starten also mit 498 unbesetzten Stellen ins neue Schuljahr. Vor allem an Grundschulen (202 offene Stellen), Gesamtschulen (72) und Berufskollegs (70) fehlen Lehrer. Jede unbesetzte Stelle bedeutet für die betreffende Schule, dass je nach Schulform rund 20 bis 30 Unterrichtsstunden pro Woche fehlen.

Ausgeschriebene Stellen reichen nicht

Dazu kommt, dass diese Zahlen nicht die Wirklichkeit abbilden, wie Volker Maibaum von der Lehrer-Gewerkschaft GEW erläutert.

Zunächst die Zahl 1311: Diese Anzahl der Stellen, die für den Regierungsbezirk ausgeschrieben waren, ist nicht die Zahl der Lehrer, die wirklich benötigt werden.

Ein Beispiel: Wenn an einer Schule Englischlehrer fehlen, können Kollegen anderer Fächer sich zu Englischlehrern ausbilden lassen. Für so ein „Englischzertifikat“ lernen sie ein Jahr lang vier bis fünf Stunden pro Woche. Stunden, die im Unterricht ausfallen. Dafür, sagt Maibaum, dürfe eine Schule aber keine neue Stelle ausschreiben: „Das bedeutet, die Schulen, die ihre Probleme selbst lösen wollen und ihre Lehrer entsprechend weiterbilden, werden dafür auch noch bestraft.“

Ebenso wenig dürfen Schulen Stellen ausschreiben, um die anderen Bedarfe zu decken, die zurzeit zuhauf auftreten: zum Beispiel das zusätzliche Personal, das in der Inklusion gebraucht werde. Maibaum schätzt: Wenn diese Bedarfe auch in entsprechenden Stellenausschreibungen berücksichtigt würden, wären es rund 50 Prozent mehr.

Dann die Zahl 813: Das sind die neu eingestellten Lehrer – aber die sind nicht eins zu eins in volle Stellen umzurechnen. Denn unter diesen sind Seiteneinsteiger, die während ihrer Unterrichtstätigkeit ihre Ausbildung weiterführen. Jeder von ihnen sechs Stunden pro Woche, je nach Ausbildung ein bis zwei Jahre.

Maibaum rechnet vor: Wenn an einer Schule drei Seiteneinsteiger eingestellt werden, fehlen ein bis zwei Jahre lang jede Woche 18 Stunden, also eine dreiviertel Stelle. Das, sagt Maibaum, sei Unterrichtsausfall mit Ankündigung.

Im gesamten Regierungsbezirk sind es 38 Seiteneinsteiger von Januar bis Ende August. Davon sind elf Lehrerinnen und Lehrer zu Grundschulen und ebenfalls elf zu Gesamtschulen gekommen, acht zu Berufskollegs, vier zu Sekundarschulen, zwei zu Realschulen und jeweils einer zu Hauptschulen und Gymnasien. Kritisch sieht das Thema Seiteneinsteiger auch Stefan Behlau, NRW-Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE. Er kommentiert, ein genauer Blick auf die Besetzungsquoten lohne sich. Die Einstellung von Seiteneinsteigern bezeichnet Behlau als Notlösung: „Es kommen immer mehr Seiteneinsteiger an die Schulen, die dann parallel zum Unterricht qualifiziert werden.“ Stattdessen fordere die VBE „eine Vorqualifizierung für Seiteneinsteiger“.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Ziel müsse es aber sein, „grundständig ausgebildete Lehrkräfte zu gewinnen. Das Problem ist durch eine starke Lohnlücke zwischen den Schulformen hausgemacht. Langfristig löst nur die zeitnahe Umsetzung des gleichen Lohns für gleiche Arbeit den Lehrkräftemangel.“

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hatte am 24. August sechs Maßnahmen vorgestellt, mit denen sie dem Lehrermangel entgegenwirken will. Dazu zählt eine Förderung für Oberstufenlehrer, die zur Sekundarstufe 1 wechseln (das sind die Klassen 5 bis 10). Auch das kritisiert VBE-Landesvorsitzender Behlau als „eine weitere Notlösung“.

Zwei Schulleitungsstellen in Haltern noch unbesetzt

Anders ist die Lage bei Schulleitungsstellen, welche nicht in der Statistik auftauchen. „Das sind völlig verschiedene Systeme“, sagt Schulrätin Martina Wrocklage. Beim Grundschulverband Flaesheim/Hullern und beim Verband Sythen/Lavesum sind die Schulleitungsstellen vakant. Martina Wrocklage ist aber „zuversichtlich“, dass sich hier bald etwas tut. „In der Stellenbesetzung ist Bewegung drin“, sagt sie. Außerdem sei Haltern im Kreis das „kleinste Problem. Die Schulen sind weiterhin gut geleitet und geführt“.

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