"Man spürt eine allgemeine Verunsicherung"

Reisebüros zu Terrorgefahr

Die Terroranschläge der vergangenen Monate haben offenbar Auswirkungen auf die Urlaubspläne der Menschen in Haltern am See. Reiseziele, die zuletzt noch sehr beliebt waren, werden in diesem Jahr seltener gebucht. Das hat eine Umfrage unserer Redaktion in heimischen Reisebüros ergeben.

HALTERN

, 08.02.2016, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Man spürt eine allgemeine Verunsicherung"

Gaby Langenkämper im Gespräch mit einer Kundin, die sich für eine Urlaubsreise interessiert.

Welche Länder sind nicht mehr so gefragt?

Vor allem die Buchungen für Reisen nach Ägypten, Marokko, Tunesien und zum Teil auch in die Türkei sind zurückgegangen. "Das hat sich in den vergangenen Wochen bemerkbar gemacht", bestätigt Angelika Schmäing vom Reisebüro Haltern. Auch Gabriele Langenkämper vom Cityreisebüro hat diesen Trend festgestellt. "Buchungen für die Türkei haben wir zwar noch, aber man spürt eine allgemeine Verunsicherung."

Wie aussagekräftig ist der Trend?

Zwischen Dezember und Februar erwirtschaften die meisten Reisebüros den Hauptteil ihres Jahresumsatzes, da in diesem Zeitraum in der Regel die meisten Urlaubsbuchungen getätigt werden. "Vor allem für Tunesien habe ich seit Dezember kaum Buchungen gehabt", sagt Angelika Schmäing. Die Nachfrage sei nahezu komplett eingebrochen. "Das ist nach den Attentaten im vergangenen Jahr zwar nachvollziehbar, aber auch sehr schade, da viele Menschen in diesem Land von der Tourismusbranche leben."

Inwieweit informieren die Reisebüros über mögliche Terrorgefahren?

Genauere Informationen über die Terrorgefahr finden sich in den länderspezifischen Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes. "Wir weisen unsere Kunden darauf hin", so Schmäing. Der Grad der terroristischen Bedrohung unterscheide sich von Land zu Land. "Die Hinweise werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst."

Bei Reisen nach Tunesien wird beispielsweise aktuell dazu geraten, Menschenansammlungen, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen, sowie im Rahmen der Freitagsgebete um die Moscheen, zu meiden. "Grundsätzlich sollten sich Reisende vor und während einer Reise sorgfältig über die Verhältnisse in ihrem Reiseland informieren", meint auch Gabriele Langenkämper.

Wie macht es sich bemerkbar, dass reisewillige Kunden wegen der Terroranschläge der Vergangenheit verunsichert sind?

"Insbesondere Familien zeigen sich bei Buchungen zurückhaltender", hat Angelika Schmäing vom Reisebüro Haltern auf der Rekumer Straße beobachtet. "Reiseziele werden genau abgewägt", sagt sie. "Grundsätzlich raten wir allen Kunden dazu, Reisen zu unterlassen, wenn man ein ungutes Gefühl für das gewählte Urlaubsziel empfindet", so Schmäing weiter. Schließlich solle ein Urlaub keine Last, sondern die "schönste Zeit des Jahres" sein. Das findet auch Gabriele Langenkämper. "Jeder muss letztlich selbst entscheiden und auch ein Stück weit auf sein Bauchgefühl hören."

Sind aufgrund der Entwicklung andere Reiseziele wieder beliebter?

Ja. "Kataloge über Norwegen, Dänemark, aber auch Österreich werden bei uns derzeit besonders stark nachgefragt", sagt Angelika Schmäing. Viele würden auch auf Italien, Bulgarien oder Griechenland ausweichen. Besonders Spanien profitiere. "Für Spanien gibt es eine sehr starke Nachfrage", bestätigt auch Gabriele Langenkämper vom Cityreisebüro. Urlaubsziele innerhalb von Deutschland seien ebenfalls weiterhin beliebt. Es könnte, da sind sich beide einig, ein schwieriges Jahr für die Tourismusbranche werden.

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