Mangel an Grundschullehrern trifft auch Haltern

Bildung

Auch wenn die Lage in der Seestadt derzeit noch entspannter ist als in anderen Städten, könnten auch hier in Zukunft junge Gymnasial- und Gesamtschullehrer an Grundschulen eingesetzt werden.

HALTERN

von Pia Stenner

, 09.10.2017, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mangel an Grundschullehrern trifft auch Haltern

Veronika Beher leitet die Silverbergschule, die Dachsbergschule und Hullerner Grundschule.

Haltern ist mit die attraktivste Stadt überhaupt, wo junge Lehrer hinwollen“, meint Veronika Beher, die zurzeit drei Halterner Grundschulen leitet. Trotzdem ist sie sicher, dass auch hier bald Gymnasial- und Gesamtschullehrer eingesetzt werden, wie es die Ministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer (FDP), zurzeit vorsieht. Jungen Lehrern für weiterführende Schulen, die kein Stellenangebot an Gymnasien oder Gesamtschulen erhalten haben, soll eine zweijährige Stelle an einer Grundschule angeboten werden. Mit der Zusage, danach an eine andere Schule entsprechend ihrer Ausbildung versetzt zu werden.

2100 Lehrerstellen an Grundschulen sind in ganz NRW noch unbesetzt, darunter aber keine in Haltern. „Ein Riesenproblem wie in Städten wie Gelsenkirchen oder Gladbeck hat Haltern nicht“, so Veronika Beher. Das bestätigt auch Marita Wrocklage von der Schulaufsicht im Kreis Recklinghausen. Doch obwohl aktuell alle Halterner Grundschulen so besetzt seien, dass den erforderlichen Wochenstunden nachgekommen werden könne, gebe es auch Engpässe. Der Vertretungspool des Kreises sei komplett leer, sagt Veronika Beher. Die Auswirkungen seien auch in Haltern zu spüren.

Schulamtsdirektorin Wrocklage erklärt dazu, dass viele der Vertretungskräfte aus dieser Reserve schon dauerhaft an Schulen eingesetzt werden, an denen zum Beispiel durch Elternzeit oder krankheitsbedingte Langzeitausfälle Personalnot herrscht. Um für Ersatz von Lehrern zu sorgen, die nur kurzfristig krank sind, reiche der Vertretungspool dann nicht mehr aus. Ein weiterer Grund für Engpässe, die sich nicht in offenen Stellen äußern, sei der Mangel an Grundschullehrern für bestimmte Fächer.

Fachlehrer einsetzen

Veronika Beher glaubt, dass die Pläne der Landesregierung sinnvoll sein können, um Fachlehrer einzusetzen. Die könne man in Fächern wie Kunst, Musik oder Sport auch an Grundschulen gut gebrauchen. Da Lehrer für weiterführende Schulen aber eine ganz andere Ausbildung haben, sei es „überhaupt nicht machbar“, diese in Fächern wie Deutsch unterrichten zu lassen.

Denn an Grundschulen werde viel fächerübergreifender und methodenorientierter gearbeitet als an Gymnasien und Gesamtschulen. Zudem gibt Beher zu Bedenken, dass der Erziehungsauftrag an Grundschulen ein ganz anderer sei und man daher einen anderen Blick auf die einzelnen Kinder brauche. Sie bezweifelt außerdem, ob die Lehrer, für die die Arbeit an Grundschulen nur eine Übergangslösung ist, so wie es Gebauer plant, die richtige Einstellung mitbringen.

Marita Wrocklage versucht derzeit, dem Lehrermangel zusätzlich mit anderen Mitteln entgegenzuwirken. Es werde in Absprache mit den Schulleitern überlegt, wo Personal aus „pädagogiknahen Bereichen“ wie Sozial- oder Heilpädagogen zur zusätzlichen Unterstützung den Unterricht begleiten können. Eine dauerhafte Lösung soll das aber auch nicht sein. Marita Wrocklage hofft darauf, dass sich in Zukunft mehr junge Menschen für das Grundschullehramt entscheiden. Dass das zur Zeit noch nicht so ist, liegt wohl auch an der Bezahlung, denn Einstiegsgehälter liegen hier rund 500 Euro unter denen von Gymnasiallehrern.

Rektoren gesucht

Obwohl in diesem Jahr das Gehalt für Schulleiter erhöht wurde, ist die Besetzung von Rektoren- oder Konrektorenstellen immer noch sehr schwierig. So leitet Beher gleichzeitig die Silverberg-, die Dachsberg- und die Hullerner Grundschule. „Um Schulleiter zu werden, muss man erst ein Jahr lang ein Einstellungsverfahren durchlaufen und sich der Schulkonferenz vorstellen“, erklärt Beher. Viele schrecke das ab, doch Beher bereut nicht, sich für diese Aufgabe entschieden zu haben: Als Schulleiterin arbeitet sie mit den Kindern und Eltern immer noch direkt zusammen und kann gleichzeitig durch die Verwaltungsaufgaben das Schulleben aktiv mitgestalten.

Lesen Sie jetzt