Marianne Baumeister aus Haltern erklimmt den Kilimanjaro bei Eis und Schnee

rnAufstieg zum Kilimanjaro

Der Gipfel des Kilimanjaro scheint zum Greifen nah. Es ist eiskalt und windig, die Luft dünn. „Schaffe ich den Aufstieg tatsächlich?“, die Frage bringt Marianne Baumeister um den Schlaf.

Flaesheim

, 02.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jahr für Jahr wollen 20.000 Menschen auf den 5895 Meter hohen Kilimanjaro, Marianne Baumeister aus Flaesheim träumte auch davon. Sie wollte sich nach intensiver Arbeitszeit als Führungskraft bei der Sparkasse Münsterland-Ost mit dieser Herausforderung belohnen. Gerade kommt sie von ihrer Reise nach Tansania zurück. „Es war Abenteuer pur“, sagt sie und hofft, dass ihr unbeschreibliches Glücksgefühl nie mehr aufhört.

Zum Greifen nahe

Marianne Baumeister hatte sich ein spezielles Höhen- und Konditiontraining verordnet, bevor sie sich auf den Gipfelsturm einließ. Am 13. Oktober um 23.45 Uhr brach die 63-Jährige mit ihrer siebenköpfigen Gruppe zur sechsten Etappe der Bergbesteigung auf. Von Camp zu Camp hatten sich die Wanderer bis dahin von 3500 auf 4600 Meter vorgearbeitet. „Der Gipfel des Kilimanjaro schien schon zum Greifen nahe“, erzählt Marianne Baumeister. Die bange Frage, ob sie tatsächlich die höchste Spitze Afrikas erreichen werde, hatte ihr vor dem Aufbruch den Schlaf geraubt.

Marianne Baumeister aus Haltern erklimmt den Kilimanjaro bei Eis und Schnee

Marianne Baumeister war von den Naturschauspielen überwältigt. Hier, auf dem Weg zum Gipfel des Kilimanjaro, türmen sich Wolken zu Wellen auf. © Marianne Baumeister

Bei Temperaturen von minus 15 Grad, scharfem Wind, Regen und später Schnee wanderte die Gruppe zwischen Felsbrocken und Geröllfeldern im Schneckentempo nach oben. „Ich hatte sechs Hosen, sechs Oberteile, Daunenhandschuhe, eine Daunenjacke und Handschuhe an“, beschreibt Marianne Baumeister, wie dick verpackt sie unterwegs war.

Marianne Baumeister aus Haltern erklimmt den Kilimanjaro bei Eis und Schnee

Vom Camp Barafu (4600 Meter) aus begann der Aufstieg. Hier ist die Vegetation karg, übrig bleibt eine Steinwüste. Marianne Baumeister musste sich ans Zelten erst gewöhnen, sie hatte es nie zuvor in ihrem Leben getan. © privat

Sie habe immer nur nach unten auf die Schuhe geschaut und sei dem Bergführer konzentriert Schritt für Schritt gefolgt. Siebeneinhalb Stunden lang. Teilweise mit Kopfschmerzen und Übelkeit.

Die Welt liegt sich in den Armen

Zweifel umkreisten ihre Gedanken, aber sie feuerte sich immer wieder selbst an: „Du hast trainiert, du hast ein Ziel vor Augen, du wirst es schaffen.“ Um 7.15 Uhr am 14. Oktober schließlich stand die Flaesheimerin auf 5895 Metern Höhe: „Es war der Gipfel der Gefühle. Ich habe niemals zuvor ein größeres sportliches Glücksgefühl empfunden als an diesem Morgen.“ Die ganze Welt habe sich dort oben in den Armen gelegen: Wanderer aus allen Kontinenten feierten ihren Triumph. Marianne Baumeister auch: Mit den letzten körperlichen und mentalen Reserven hatte sie es geschafft, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen.

Der Kilimanjaro gilt zwar als technisch einfach zu bewältigen, doch was ihn anspruchsvoll macht, ist die Höhe. 40 Prozent der Wanderer brechen die Tour vorzeitig wegen Höhenkrankheit ab. Ihre Gruppe aber, fünf Wanderer und zwei Bergführer, kam geschlossen am Uhuru Peak, der höchsten Bergspitze, an.

Glückshormone als Dopingmittel

„Unsere Glückshormone waren dann ein gutes Dopingmittel für den langen Abstieg bis ins Millenium Camp und schließlich bis zum Fuß des Berges“, sagt Marianne Baumeister. Sieben Tage - anstrengender als ein Marathonlauf - hätte sie ohne intensives Training vorab in Deutschland nicht geschafft.

Marianne Baumeister aus Haltern erklimmt den Kilimanjaro bei Eis und Schnee

Ein Blick in die primitive Küche: Köche begleiteten die organisierte Tour und kochten für die siebenköpfige Wandergruppe. © Marianne Baumeister

Leichtfüßiger sind die Begleiter unterwegs. Die meisten einheimischen Träger laufen mit Flip-Flops an den Füßen über die Bergpfade nach oben und balancieren dabei noch riesige Gepäckstücke auf dem Kopf.

Tiefe Zufriedenheit

Marianne Baumeister ist wieder zu Hause in Flaesheim und zehrt von den Eindrücken einer atemberaubend schönen Reise nach Tansania. Doch die Armut in diesem afrikanischen Land habe sie geerdet. „Ich bin nicht nur glücklich, mein Ziel erreicht zu haben, sondern angesichts der Armut in Tansania auch, in Deutschland geboren zu sein. Ich empfinde einfach ein Gefühl der tiefen Zufriedenheit.“

Marianne Baumeister aus Haltern erklimmt den Kilimanjaro bei Eis und Schnee

Eine Safari durch den Serengenti-Park und eine Besteigung des Mount Meru gehörten mit zum Reiseprogramm. Marianne Baumeister besuchte die Masai (Foto), die Bergbesteigung musste auf 4000 Metern wegen dauerhaften Regens abgebrochen werden. © Marianne Baumeister

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