Mehr Bildungsgänge, mehr Schüler: Berufskolleg vor Corona-Stresstest

rnHans-Böckler-Berufskolleg

Mittlere Reife, Abitur, Höhere Handelsschule, duale Ausbildung: Alle diese Bildungsgänge stehen im Berufskolleg Haltern kurz vor dem Abschluss. Das bedeutet mehr Schüler und mehr Logistik.

Haltern

, 22.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Zollstock ist in diesen Tagen der ständige Begleiter von Matthias Bomba und Kathrin Ollas. Das Leitungs-Team der Halterner Dependance des Hans-Böckler-Berufskollegs bereitet unter Hochdruck die Schulöffnung am Donnerstag vor. Wie in den anderen weiterführenden Schulen sollen auch hier ab dem 23. April Schüler, die kurz vor ihren Abschlüssen stehen, in den Kernfächern unterrichtet und dann auch geprüft werden.

Am Hans-Böckler-Berufskolleg in Haltern laufen die Vorbereitungen für die Schulöffnung in Corona-Zeiten.

Am Hans-Böckler-Berufskolleg in Haltern laufen die Vorbereitungen für die Schulöffnung in Corona-Zeiten. © Ilka Bärwald

Die schiere Zahl der Schüler, die gleichzeitig in der Schule sein werden, stellt die beiden vor eine Mammutaufgabe. Es seien 120 Schüler plus die Schüler aus den Zahn- und Bädertechniker-Klassen, die mehr oder weniger täglich kämen. In den Fluren haben sie daher Flatterband gespannt und Pfeile auf den Boden geklebt, um eine Art „Einbahnstraßen“-Regelung zu gewährleisten. In den Räumen wurden bereits die Tische den Vorgaben gemäß auseinandergezogen. „Mehr als maximal 10 Menschen bekommen wir nicht gleichzeitig in einen Raum“, sagt Kathrin Ollas. Außerdem sei die Maskenpflicht für den Unterricht noch nicht einheitlich für die Kreisschulen geklärt. Bei Prüfungen gelte bis zum Hinsetzen und wieder Aufstehen Maskenpflicht. „Wir hatten vor einigen Tagen eine Konferenz mit Kollegen und haben die ganze Zeit Masken getragen. Darunter fällt das Atmen auf Dauer schon schwer“, berichtet Kathrin Ollas.

Matthias Bomba (l.) und Kathrin Ollas (2.v.r.) demonstrieren mit Hausmeister Carsten Szech und Sekretärin Heike Schober, wie die Schüler in einem Klassenraum sitzen sollen.

Matthias Bomba (l.) und Kathrin Ollas (2.v.r.) demonstrieren mit Hausmeister Carsten Szech und Sekretärin Heike Schober, wie die Schüler in einem Klassenraum sitzen sollen. © Ilka Bärwald

Zudem wissen sie noch nicht, welche Lehrkräfte ihnen zur Verfügung stehen. „Die Schwangeren sind ja sowieso befreit, aber wir wussten aufgrund des Datenschutzes natürlich nicht von vorneherein, welche Kollegen abgesehen vom Alter zur Risikogruppe gehören“, sagt Matthias Bomba. Jetzt seien doch mehr Kollegen weggebrochen als erwartet. Außerdem hätten sich auch schon vier Schüler gemeldet, die Risikogruppen angehören und deshalb einzeln in separaten Räumen geprüft werden müssten. Für Montag sind schon die ersten Prüfungen für die Fachhochschulreife angesetzt. „Die Prüfungen gehen natürlich vor“, sagt Kathrin Ollas. „Wenn hier Sicherheitsabstände nicht gewährleistet werden können in der Schule, müssten einige Klassen vielleicht noch zuhause bleiben.“ Man plane hier von Tag zu Tag.

Größe oft nicht bewusst

Vom Schulministerium fühlen sich beide grundsätzlich gut informiert, Kathrin Ollas glaubt jedoch, dass den Verantwortlichen „die Größe eines Berufskollegs oft nicht bewusst ist“. Da man am Berufskolleg und auch am Standort Haltern mehrere verschiedene Bildungsgänge anbiete, sei der Koordinierungsaufwand auch höher. „Wir telefonieren jetzt auch häufig am Wochenende“, sagt Ollas, weil die Mails vom Ministerium oft erst am Freitagnachmittag einträfen.

Desinfektionsmittel würde ihnen glücklicherweise vom Kreis beschafft, anders sieht es bei Masken aus. „Kollegen haben schon fleißig genäht, aber die Schüler sollten auch eigene Stoffmasken mitbringen.“ Das habe man schon weitergeben.

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