Das Gründachkataster des Landesamts für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz zeigt auch der Stadt Haltern Möglichkeiten zur Dachbegrünung auf. © Lanuv
Klima-Ausschuss

Mehr Gründächer: Strategie für Haltern im Kampf gegen den Klimawandel

Gründächer können die Gefahr von Überschwemmungen bei Starkregenereignissen deutlich mindern. Die Stadt Haltern hat jetzt eine Gründachstrategie vorgelegt. Ein erster Schritt.

Um die Verbreitung von Gründächern weiter voranzutreiben, hat die Stadt Haltern jetzt eine „Gründachstrategie“ formuliert. Im Klima-, Umwelt- und Mobilitätsausschuss wurde sie am Donnerstagabend vorgestellt und von allen Fraktionen begrüßt.

Es geht darum, sich dem Klimawandel zunehmend anzupassen. Unter anderem mittels verstärkter Begrünung von Dächern im Stadtgebiet. Dies fördere die Biodiversität und den ökologischen Ausgleich und trage bei Starkregenereignissen zum Regenwassermanagement bei, weil begrünte Dächer wie ein Schwamm wirken und die Kanalisation erheblich entlasten, hieß es. Zudem übernehmen begrünte Dächer in Hitzeperioden Verdunstungs- und Kühlungsfunktionen.

Verstärkte Beratung und Prüfung

Bei aktuellen Flächenentwicklungen von Stadt und Flächenentwicklungsgesellschaft werde bereits doppelt im Sinne einer baulichen wie grünen Entwicklung gedacht, erklärt die Stadt in ihrer Beschlussvorlage. Mit der Gründachstrategie, die von den Grünen im Mai beantragt worden, soll nun der nächste Schritt erfolgen.

Bürger und Unternehmen werden dazu ins Boot geholt. Im Rahmen von Bauberatungen beispielsweise. Bei Bauwilligen und Baufirmen habe sich diesbezüglich ein breiter Bewusstseinswandel vollzogen, hat die Stadt festgestellt. Im Genehmigungsverfahren könne gemeinsam auch mit Architekten das mögliche Gründachpotenzial ermittelt werden. Bürger und Betriebe sollen zudem mittels Öffentlichkeitsarbeit aktiv zur Dachbegrünung aufgefordert werden. Umfangreiches Informationsmaterial stellt die Stadt digital zur Verfügung.

„Ausnahmen von der Pflicht müssen möglich bleiben“

Großen Wert legt Stadtplaner Ingo Stapperfenne darauf, dass es sich bei der Gründachstrategie um einen Grundsatzbeschluss der Politik handeln solle. Bei der Aufstellung von Bebauungsplänen könnte die Dachbegrünung so offensiver vorgegeben werden. Stapperfenne: „Man kann so Forderungen verstärken, die dann auch rechtlich verbindlich sind und ordnungsbehördlich verfolgt werden könnten.“ Zugleich schränkte der Stadtplaner aber auch ein: „Das Ausmaß solcher Festsetzungen kann nur im Einzelfall im Detail bestimmt werden.“ Bei der Bauleitplanung müsse die Möglichkeit der Einzelfallprüfung grundsätzlich erhalten bleiben. Soll heißen: Ausnahmen von der Pflicht zur Begrünung muss es auch künftig geben dürfen.

Besonderes Potenzial auf Unternehmensdächern

Bei der Planung neuer Wohngebiete denkt die Verwaltung auch an eine generelle Begrünungspflicht von Garagen und größeren Nebenanlagen.

Ein besonders großes Begrünungspotenzial wird auf großflächigen Dächern von Betrieben und Unternehmen im Stadtgebiet gesehen. Laut Verwaltung verfolgen Stadtentwicklung, Klimaschutz und Wirtschaftsförderung hier das Ziel „grüner Gewerbegebiete“.

Nicht Halt gemacht werden soll auch vor Verwaltungsgebäuden. Zumindest, wenn es um Sanierungen oder Neubauten geht. Denn auf den Dächern der bereits bestehenden Gebäude und Einrichtungen der Stadt sei die Umsetzung beispielsweise aufgrund der Statik nach Stapperfennes Angaben „sehr schwierig“.

Das Personal fehlt derzeit noch

Aktuell hat die Sache aber noch einen Haken: Für die erfolgreiche Umsetzung der Strategie und auch für die Durchführung entsprechender Kontrollen fehlt noch qualifiziertes Personal. Derzeit werde geprüft, ob eine zweite Stelle mit einem Klimamanager besetzt werden könne, ließ Baudezernent Siegfried Schweigmann wissen. „Das hängt von einem Bundesförderungsprogramm ab.“ Mit Sicherheit aber sei im kommenden Jahr mit einer weiteren Fachkraft in diesem Bereich zu rechnen, versprach er. „Je eher das klappt, desto besser.“

  • Auch die Nachbarstadt Dülmen hat bereits die Notwendigkeit von Dach- und Fassadenbegrünungen erkannt. Ein entsprechender Antrag zur Förderung wurde jetzt im dortigen Umweltausschuss verabschiedet.
  • Begrünte Dächer und Garagen sind in der Stadt Haltern bereits an manchen Stellen zu finden. An Ecksteins Hof beispielsweise sind Flachdächer mit begrünten Dächern zulässig.
  • Die Begrünung von Garagendächern wurde beim Wohnprojekt LiNa am Hennewiger Weg umgesetzt.
  • Bei der Katharinenhöfen sind mindestens 1000 Quadratmeter der Flachdächer für eine extensive Dachbegrünung vorgesehen. Die Klimaschutzsiedlung entsteht auf dem ehemaligen Dickerhoff-Gelände.
  • Beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) kommt auch der Entwicklung, Aufwertung und Vernetzung der städtischen Grünflächen bei der Stadt- und Bauleitplanung große Bedeutung zu.
Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
Zur Autorenseite
Ingrid Wielens