„Menschen vor ewiger Hölle warnen“: Halterner Apotheker will „Ungläubige“ zum Islam führen

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In der Falken-Apotheke gibt es nicht nur Medikamente. Der muslimische Inhaber klärt seine Kunden im Gespräch auch über sein Islambild auf. Sein Vorbild ist ein bekannter Salafist.

Haltern

, 06.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Arabische Schriftzeichen zieren die Falken-Apotheke an der Weseler Straße 20 in Haltern. Über der Eingangstür steht „Tretet ein in Frieden“ und direkt darunter „Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen“.

Wer durch die Tür geht, trifft auf den Apotheker Bernd Redemann (39). In muslimischen Kreisen wird er Mehmet genannt. Der gebürtige Deutsche ist vor etwa drei Jahren zum Islam konvertiert und hat sich einen islamischen Namen gegeben.

Er hat einen längeren Bart und trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Islam The true message of God“ (Islam, die wahre Botschaft Gottes). Auf den ersten Blick ist klar, dass Bernd Redemann Muslim ist.

Redemann nutzt die Apotheke zum Missionieren

An den Wänden im Inneren der Apotheke stehen ebenfalls auf Arabisch die Namen von Gefährten des islamischen Propheten Mohammed und seiner Familienangehörigen. Hassan, Omar, Ali und einige mehr.

„Menschen vor ewiger Hölle warnen“: Halterner Apotheker will „Ungläubige“ zum Islam führen

Direkt über den Medikamenten hängen auf Arabisch die Namen von Gefährten und Familienangehörigen des islamischen Propheten Mohammed. © Rezek

Die islamische Kalligrafie hat er bewusst angebracht, um mit interessierten Kunden über seine Religion ins Gespräch zu kommen. „In meinem Beruf kommen die Leute zu mir. Das ist von Vorteil“, so Redemann. Mit der Zeit habe er ein Gespür dafür entwickelt, wer reden möchte und wer nicht.

Die Gespräche verlaufen freundlich und friedlich, wie er selbst sagt. Er will aufklären, über seine Religion informieren und im Idealfall missionieren. Das empfindet er als Muslim als seine Pflicht.

Dabei treffen die Kunden jedoch möglicherweise auf ein zu kritisierendes Islamverständnis, denn eines der Vorbilder von Bernd Redemann ist Abu Hamza, besser bekannt unter dem Namen Pierre Vogel. Er ist deutschlandweit einer der einflussreichsten salafistischen Prediger.

Islamwissenschaftler schätzt Pierre Vogel als problematisch ein

Elhakam Sukhni ist Islamwissenschaftler und Lehrbeauftragter an der Universität Köln. Man müsse wissen, dass Vogel, der innerhalb der Szene selbst mittlerweile als Soft-Salafist gelte, eine „Einstiegsdroge“ für radikalere Prediger sein könne, sagt dieser.

Mit Aktionen wie dem Aufruf zum Totengebet für Osama bin Laden vermittle er jungen Muslimen jedoch, dass man sich sogar mit Terroristen solidarisieren sollte, nur weil sie den gleichen Glauben teilen. Außerdem zählten zu Vogels Netzwerk Personen wie Sven Lau, der aufgrund der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung in Haft gesessen hat, sowie Ibrahim Abou Nagie, dessen Verein „Die wahre Religion“ in Deutschland 2016 verboten wurde.

„Gerade deutsche Konvertiten sind anfällig für Vogels Rhetorik, weil es kaum deutschsprachige Vorbilder für konvertierte Muslime gibt“, so der Islamwissenschaftler.

„Vogel schürt Misstrauen und spaltet die Gesellschaft“

Problematisch sei an Pierre Vogel vor allem, dass er die Gesellschaft spalte. Vogel suggeriere immer wieder, dass er und seine Anhänger das einzig wahre Islamverständnis leben würden, sagt Sukhni.

Er spalte auch gegenüber der Mehrheitsgesellschaft, indem er vom Umgang mit Nichtmuslimen abrät. Solche Positionen seien zwar rechtlich erlaubt, aber führten in der Bevölkerung zu Misstrauen und erschwerten das Miteinander.

In Deutschland lebten laut dem Bundesinnenministerium Anfang 2019 etwa 11.500 Salafisten. Insgesamt leben hierzulande circa 5 Millionen Muslime. Es handelt sich demnach um eine Minderheit.

Bernd Redemann: „Menschen vor ewiger Hölle warnen“

Pierre Vogels Vorträge haben auch bei Redemann Spuren hinterlassen. Er teilt die Menschen ganz klar in Gläubige und Ungläubige ein: „Am Islam hat mich vor allem überzeugt, dass ganz klar unterschieden wird, wer in die Hölle und wer in das Paradies kommt.“

Er möchte „die Menschen vor ewiger Hölle warnen, weil jeder Mensch, der den Islam nicht annimmt, in die Hölle gehen wird“. Redemann ist sich darüber im Klaren, dass seine Wortwahl einige Menschen verschrecken könnte, „aber ich muss sie darauf hinweisen, dass sie nicht auf dem richtigen Weg sind“, so der Apotheker.

Es sind weniger Kunden in der Apotheke geworden

Seitdem die arabischen Schriftzeichen an der Wand hängen und Redemann einen längeren Bart trägt, hat die Kundschaft nachgelassen. Das nehme er in Kauf, denn die Botschaft sei wichtiger als das Projekt. Das Projekt ist die Apotheke, die Botschaft: sein Islamverständnis.

Er stelle sich dennoch die Frage, warum es weniger Kunden werden, „denn ich will ja keinem Menschen etwas Böses, sondern zum Frieden einladen“, sagt er.

Apothekerkammer hat noch keine Beschwerden erhalten

„Religiöse Gespräche in einer Apotheke zu führen, ist nicht verboten“, sagt Sebastian Sokolowski, Pressesprecher der Apothekerkammer Westfalen Lippe. „Es ist jedoch problematisch, wenn ein Apotheker seine Vertrauensposition ausnutzt, um Menschen zu missionieren“, ergänzt er. Bisher seien jedoch keine Beschwerden über Bernd Redemann eingegangen.

Kommentar

Keine Panik vor Muslimen

Bernd Redemann vertritt Ansichten, die man kritisieren kann. Zudem hat er problematische Vorbilder wie Pierre Vogel. Letzterer teilt die Welt in Gläubige und Ungläubige auf und meint, selbst auf dem einzig wahren Weg zu sein. In einer immer komplizierter werdenden Welt suchen viele Menschen nach Orientierung und einem einfachen Weltbild. Manche finden ihre Antworten im Rechtsextremismus, andere im Salafismus. Es wäre jedoch fatal, alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Genau davon würden die Rechtsextremisten und Salafisten profitieren, weil dadurch Misstrauen zwischen Muslimen und Nichtsmuslimen entstehe würde. Salafisten sind hierzulande eine verschwindend geringe Minderheit. Das heißt natürlich nicht, dass wir diese Gefahr unterschätzen sollten, ebenso wenig wie den Rechtsextremismus. Aber wir sollten nicht aus den Augen verlieren, dass die überwiegende Mehrheit in Deutschland lebender Muslime und Nichtmuslime für ein friedliches Miteinander stehen.
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