Milde Strafe für Halterner Drogendealer

Prozess in Essen

Sein Angebot waren rote, grüne und gelbe Pillen - darauf eingestanzt waren Herzen, Autos, Lutscher und Gespenster: Monatelang handelte ein Halterner mit Ecstasy-Tabletten und Amphetaminen. Am Mittwoch wurde der 32-Jährige verurteilt. Er kam noch einmal mit einem "blauen Auge" davon.

HALTERN

25.05.2016 / Lesedauer: 2 min

Als Richter Martin Hahnemann um 13.15 Uhr am Landgericht Essen das milde Strafmaß von zwei Jahren Haft auf Bewährung verkündete, zog im Gesicht des Halterner Drogendealers sofort ein breites Grinsen auf. Zufrieden nickte er seinem Verteidiger Thomas Schwieren zu. Der 32-Jährigen wusste genau: Aus diesem Verfahren noch mit einer Bewährungschance heraus zu gehen, war alles andere als selbstverständlich.

Denn immerhin hatten die Ermittler am 26. August 2015 bei der Razzia in seinem Elternhaus neben dem Drogenversteck auch mehrere Schusswaffen, Schlagringe, Macheten und Schlagstöcke mit dem Aufdruck "Headache" (Kopfschmerzen) entdeckt. Und für bewaffneten Drogenhandel sind eigentlich fünf Jahre Haft die Mindeststrafe.

Ehrlicher Prozess-Auftritt

Doch sowohl das Gericht als auch die Staatsanwaltschaft waren erkennbar beeindruckt von dem schonungslos ehrlichen Prozess-Auftritt des Drogendealers. Sie nahmen ihm ab, dass das Waffenarsenal wohl eher schräger Sammeltick war, als dass es der Verteidigung seiner Drogen dienen sollte. Auch sei überzeugend rüber gekommen, dass der 32-Jährige nicht nur Lippenbekenntnisse abgeliefert, sondern ganz offensichtlich "die Kurve gekriegt" habe.

Der Halterner hatte ein volles Geständnis abgelegt und die Ermittler damals auch schnell zum Drogenversteck ins Ex-Kinderzimmer seiner Schwester geführt. Vorauseilend hatte er zusätzlich seit Januar auch schon eine Entzugstherapie angetreten, um endlich von den Drogen wegzukommen und auch beruflich wieder Fuß fassen zu können. Besonders einschneidend war für ihn, dass damals zunächst sein Vater als mutmaßlicher Drogendealer festgenommen und sogar für sieben Tage in U-Haft belassen worden war. Er: "Das war ein Schock für mich."

Hauptlieferant verwanzt

Aufgeflogen war der 32-Jährige nur, weil die Ermittler das Auto seines Hauptlieferanten verwanzt und fortan verdächtige Gespräche, Geld- und Drogenübergaben an der Turmstraße mitbekommen hatten. Das Urteil geht von Drogenhandel mit rund vier Kilo Amphetaminen und hunderten Ecstasy-Pillen aus.

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