Milde Strafe nach Messerstichen am Lorenkamp

Flüchtlingsunterkunft

Nach einem Messerangriff auf einen anderen Asylbewerber in der Unterkunft am Lorenkamp ist ein Flüchtling aus Eritrea am Freitag mit einer milden Strafe davongekommen. Kaum war das Urteil gesprochen, da bekreuzigte sich der orthodoxe Christ über Stirn, Schultern und Brust.

HALTERN/ESSEN

28.04.2017, 16:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Milde Strafe nach Messerstichen am Lorenkamp

In der Flüchtlingsunterkunft am Lorenkamp eskalierte im Januar 2016 ein Streit.

Mit 18 Monaten Haft auf Bewährung kam der Angeklagte davon. Sichtlich erleichtert nickte er danach seinem Verteidiger Volker Schröder zu. Anders als die Staatsanwaltschaft, die vier Jahre Haft gefordert hatte, nahmen die Richter dem Angeklagten ab, dass er einen muslimischen Nachbarn nicht töten wollte. Dafür spreche nicht zuletzt auch, dass das spätere Opfer – obwohl es regungslos stand – bei drei bogenförmige Messerstichbewegungen nur minimale Verletzungen davon getragen hatte.

Laut Urteil, das auf gefährliche Körperverletzung lautet, floss bei dem Streit vom 3. Januar 2016 nicht ein einziger Tropfen Blut. Übrig blieb eine strichartige Hautverfärbung an der Brust. „Das ist alles doch nicht so gemein gewesen“, sagte Richter Andreas Labentz.

Der Angeklagte hatte sich kurz vor dem Urteil für die Tat entschuldigt. „Ich sehe ein, dass ich einen großen Fehler gemacht habe“, ließ er einen Dolmetscher übersetzen. Am fraglichen Abend war es am Lorenkamp zwischen Christen und Muslimen zu einem handfesten Streit um Glaubensfragen und Alkoholtrinken gekommen. Der Angeklagte hatte mehr als zwei Promille Alkohol im Blut.

Nach Abstimmung mit der Stadt Haltern, wiesen die Essener Richter dem 24-Jährigen noch im Saal erneut ein Zimmer in einer Halterner Asylunterkunft zu und überreichten ihm einen Zettel mit Zugverbindungen. 

 

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