RVR pflanzt millionsten Baum in Haltern - ehrgeizige Ziele

Tag des Waldes

Die Förster des Regionalverbands Ruhr (RVR) wollen den heimischen Wald klimafest machen. Fichten werden dafür allerdings nicht mehr gepflanzt. Jetzt sind hitzeresistente Arten gefragt.

Haltern/Dorsten

, 23.03.2021, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fünf Millionen Bäume werden bis zur IGA 2027 im Ruhrgebiet gepflanzt – gestern setzten RVR-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel (M.), Forstamtsleiter Kersten Blaschczok (l.) und Revierförster Harald Klingebiel Sprößling Nr. 1.000.000 in der Haard in Flaesheim.

Fünf Millionen Bäume werden bis zur IGA 2027 im Ruhrgebiet gepflanzt – gestern setzten RVR-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel (M.), Forstamtsleiter Kersten Blaschczok (l.) und Revierförster Harald Klingebiel Sprößling Nr. 1.000.000 in der Haard in Flaesheim. © Meike Holz

Der Hang ist abgeholzt, die Sonne lacht und der Boden ist gut durchfeuchtet vom Regen der letzten Wochen – ideales Wetter, um Bäume zu pflanzen. Voll motiviert treiben junge Waldarbeiter ihre Spaten in den Boden der Haard bei Haltern-Flaesheim. „Ein paar Hundert wollen wir heute schaffen“, sagt einer von ihnen – und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zur Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung (IGA) im Ruhrgebiet im Jahr 2027 sollen fünf Millionen Bäume neu angepflanzt werden – ein Baum für jeden Revierbürger. Die Aktion geht zurück auf einen Beschluss der RVR-Regionalversammlung aus dem heißen Sommer des Jahres 2019.

Daten & Fakten: RVR Ruhr Grün

Rund 17.500 Hektar Freiflächen gehören dem Regionalverband Ruhr, davon sind 15.400 Hektar Wald – darunter die Haard und die Hohe Mark im Kreis Recklinghausen. Damit ist der RVR einer der größten kommunalen Waldbesitzer. Der Eigenbetrieb RVR Ruhrgrün bewirtschaftet diese Wälder – sowie auch 46 Halden, 97 Naturschutzgebiete, 1200 Rad- und Wanderwege, 250 Kilometer Reitwege und einige Waldspielplätze. RVR Ruhr Grün betreibt zwei Besucherzentren auf der Bislicher Insel am Rhein in Xanten und in der Kirchheller Heide in Bottrop und unterhält die drei Feuerwachtürme in der Haard und Hohen Mark.

Gestern war ein erstes Etappenziel erreicht: Zum internationalen Tag des Waldes pflanzt Karola Geiß-Netthövel, Direktorin des Regionalverbands Ruhr (RVR), gemeinsam mit Forstamtsleiter Kersten Blaschczok den 1.000.000sten Sprössling. „Wir wollen die grünste Industrieregion Europas werden – diese umfangreiche Wiederaufforstung ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung“, sagt Geiß-Netthöfel.

Roteiche und Douglasie mindern das Risiko

Forstamtsleiter Kersten Blaschczok erklärt, wie der neue Wald im Ruhrgebiet aussehen soll: „Fichten, die nach dem Weltkrieg in rauen Mengen aufgeforstet wurden, wird es hier bald nicht mehr geben, dafür hat die Klimaerwärmung gesorgt“, erläutert er. Und der Borkenkäfer habe dieser Baumart in den letzten Jahren den Rest gegeben. Das Werk von zwei Förster-Generationen sei zerstört. „Jetzt pflanzen wir vorwiegend Eichen und Hainbuchen an, die auf trockenen Böden besser gedeihen“, kündigt er an.

Aber auch für den Fall dass die Klimaerwärmung nicht auf zwei Grad begrenzt werden kann, wollen die RVR-Förster vorsorgen. „Deshalb mischen wir auch hitzeresistente Roteichen, Küstentannen und Douglasien, die eigentlich in Nordamerika heimisch sind, in die Bestände. So können wir das Risiko streuen“, ergänzt Revierförster Harald Klingebiel.

Anpflanzungen auch in anderen Wäldern

Gepflanzt wird übrigens nicht nur in der Haard, sondern auch in der Hohen Mark, in der Kirchheller Heide bei Bottrop, in der Üfter Mark im Kreis Wesel und im Emscherbruch in Gelsenkirchen.

Wer in diesen Wochen eine Wanderung in den heimischen Wäldern unternimmt, erkennt die Pflanzzonen leicht an den frischen Gatterzäunen – und das hat seinen guten Grund: „Für Reh- und Damwild sind die jungen Triebe der Eichen und Buchen eine echte Delikatesse“, weiß Blaschczok. „Daher wollen wir natürlich verhindern, dass das Werk der Waldarbeiter gleich wieder abgefressen wird.“ Bei einem Preis von 1,30 Euro pro Sprössling wäre dies auch ein wirtschaftlicher Schaden.

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