Mingas-Power möchte Grubengas aus AV-Flözen ernten

Alternative Energiequelle

Jahrzehnte lang hat Bergleute die Furcht vor Grubengas begleitet. Untertage bedeutet eine Ansammlung des Gases Lebensgefahr. Um Strom und Wärme aus dem Methan-Gas-Gemisch zu gewinnen, ist es mittlerweile heiß begehrt: Auch in Haltern soll das Gas bald genutzt werden.

HALTERN

, 27.08.2015, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die in Rot markierte Linie zeigt das Feld, in dem die Essener Firma Mingas-Power das AV-Grubengas gerne zum Zweck der Strom- und Wärmegewinnung absaugen würde.

Die in Rot markierte Linie zeigt das Feld, in dem die Essener Firma Mingas-Power das AV-Grubengas gerne zum Zweck der Strom- und Wärmegewinnung absaugen würde.

So plant die Mingas-Power GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Energiesparte der Steag GmbH und der RWE Power AG aus Essen, Grubengas aus den auch unter Lippramsdorf und Halterner Stadtgebiet liegenden Feldern des Bergwerks Auguste Victoria (AV) in Marl abzusaugen und in Strom und Wärme umzuwandeln.

Die Firma hat bei der Bezirksregierung Arnsberg als obere Bergbaubehörde beantragt, den Bodenschatz nach der Stilllegung des Bergwerkes am 31. Dezember 2015 ausbeuten zu dürfen.

Thema im Umweltausschuss

Noch ist nichts spruchreif, doch der Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss wird sich am 17. September (Donnerstag) im Rathaus an der Dr.-Conrads-Straße 1 mit den Absichten des Energieversorgungsunternehmens beschäftigen, die Rechte für die Ausbeutung des Feldes für sich zu gewinnen.

Das bestätigt Stadtsprecher Georg Bockey auf Anfrage unserer Zeitung. Zu Einzelheiten könne er sich noch nicht äußern.

Kein Fracking

Für die Bevölkerung wichtigste Frage, ob es sich bei dem Verfahren etwa um Fracking handelt, kann Dr. Jürgen Fröhlich, Pressereferent der Steag Essen, mit einem klaren Nein beantworten. Er sagt: „Fracking wird diskutiert als Verfahren, Kohleflöze aufzubrechen, die noch nicht vom Bergbau aufgebrochen worden sind. Dieses Verfahren setzen wir nicht ein und müssen dies ja aufgrund des bergmännisch erschlossenen Bereiches bei AV auch nicht. Wir saugen das Grubengas aus den Schächten einfach ab.“

Inwieweit Lippramsdorf und Haltern wie die benachbarten Städte Dorsten und Marl davon betroffen sein werden, beantwortet Andreas Brandt (Foto), der bei Mingas-Power zuständige Projektingenieur, so: „Die Betroffenheit wird kaum spürbar sein. In der Regel stellen wir direkt an der Schachtanlage einige Seecontainer auf, die das Gas aus den Schächten absaugen und verwerten.“

Die Schächte sind als Grubengas-Quellen bekannt, denn das Methan ist an Kohle gebunden, bei aufgebrochenen Kohleflözen wird es frei gesetzt.

Alternative Energiequelle

Mingas-Power versteht sich als „Grubengasverwerter“, als Unternehmen, das durch seine Aktivitäten alternative Energiequellen erschließt und gleichzeitig verhindert, dass die Treibhausatmosphäre durch austretendes Methan weiter angeheizt wird.

Das Grubengas selbst, so Pressereferent Dr. Fröhlich, wird an Ort und Stelle in Strom und Wärme umgewandelt und in die regionalen Versorgungsleitungen eingespeist. „Es sind keine Probebohrungen notwendig“, betont er.

Genehmigung der Bezirksregierung

„Doch bis wir als Mingas-Power das Vorhaben umsetzen können, brauchen wir die Genehmigung von der Bezirksregierung in Arnsberg“, schränkt Andreas Brandt ein. Brandt weiter: „Zunächst werden wir aber an einer von Auguste-Victoria zur Verfügung gestellten Stelle Gas probeweise entnehmen, um festzustellen, ob es die nötige Qualität zur Strom- und Wärmegewinnung überhaupt hat, bevor wir mit einem weiteren Antrag das Abbaufeld abstecken können.“

Da dazu nochmals auch die beteiligten Städte und der Kreis Recklinghausen gehört werden müssen, rechnet der Projektingenieur nicht mit einem Beginn der möglichen Grubengasgewinnung vor 2018.

Nur Grubengas wird gefördert

Schließlich kann die Arnsberger Behörde nach dem Anhörungsverfahren im Gegenzug die Berg-Rechte am Abbaufeld erteilen und ist dann auch die Zulassungsstelle für Bohrungen und Verdichterstationen sowie immissionsschutzrechtliche Fragen.

Haltern sitzt mit im „Förderkorb“, weil etwaige Förderanlagen hier aufgestellt werden könnten. Verwaltung und auch der Kreis hatten im Vorfeld klar gemacht, „dass sie lediglich die Förderung von Kohlenwasserstoffen aus konventionellen Lagerstätten (Grubengas) erlauben“. Fracking wurde ausdrücklich ausgeschlossen.

Lesen Sie jetzt