"Mit Räubern müssen wir leben"

Haltern Kleine Bankfilialen im ländlichen Raum werden besonders häufig überfallen. Doch weder Stadtsparkasse noch Volksbank sehen sich durch das erhöhte Risiko gezwungen, sich mit ihrer persönlichen Kundenbetreuung aus den Dörfern zurückzuziehen.

25.07.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Sparkassenfiliale in Lavesum wurde gestern bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate überfallen. Befindet sich nicht zufällig eine Polizeistreife in der Nähe, brauchen die Ordnungshüter nach der Alarmierung ein Weilchen, um den Tatort in den Ortsteilen zu erreichen. Auch ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass ein Täter in den kleinen Geschäftsstellen mehr als einen Angestellten antrifft.

"Mit der Gefahr, dass Räuber die Zweigstellen heimsuchen, müssen wir leben, verhindern lässt sich das nicht", sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Helmut KanterFranz-Josef Wessels (Foto oben). Volksbankchef (Foto unten) sieht das genauso: "Wir können nur die Kunden und die Mitarbeiter in den Filialen so gut es geht schützen." Dabei denkt er an Panzerglasscheiben im Kassenbereich, an Überwachungskameras in und vor den Banken. Und an gut geschulte Kollegen, die in Ausnahmesituationen einen kühlen Kopf bewahren und korrekt handeln.

"Der Gesetzgeber schreibt vor, dass wir unsere Mitarbeiter mindestens einmal pro Jahr schulen, auch im Hinblick auf eine Überfallsituation", erklärt Wessels. Kanter ergänzt: "Oberstes Gebot ist es, auf keinen Fall das eigene Leben oder das der Kunden zu gefährden." Verlangt ein Räuber Bares, sollten die Angestellten das Geld herausgeben, ohne zu verhandeln.

Der Versicherungsschaden, der durch einen Raub entstehe, sei verschmerzbar - dass jemand verletzt werde, hingegen nicht, gibt Wessels zu bedenken. "Wir halten die Mitarbeiter aber an, sich möglichst viele Täterdetails zu merken." Nach einem Überfall wird ihnen psychologischer Beistand angeboten.

Die persönliche Kundenbetreuung in den Ortsteilen wollen beide Banken auf keinen Fall abschaffen oder durch automatisierte Lösungen ersetzen. Denn nur durch eine persönliche Beratung, so die beiden Vorstände, könne man das volle Dienstleistungsspektrum gewährleisten. Christoph Walter

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