Herdenmanagerin Ann-Christine Althoff (l.) und Auszubildende Henrike Möllers unterstützen Tierarzt Dr. Linus Klingenberg bei dem Eingriff an einer Kuh, der minimalinvasiv direkt im Stall vorgenommen wird. © Silvia Wiethoff
Landwirtschaft

Mit Video: Herdenmanagerin in Haltern ist Chefin von über 300 Milchkühen

Herdenmanagerin Ann-Christine Althoff (29) arbeitet auf dem Milchviehbetrieb von Tobias Schlüter in Haltern-Lünzum. Sie kann sich keinen schöneren Job vorstellen.

Schon seit der Kindheit war für Ann-Christine Althoff klar, dass sie in ihrem späteren Leben einmal „irgendetwas mit Tieren“ machen wollte, am besten in der Landwirtschaft. Aus diesem Mädchentraum ist ein Beruf geworden. Seit vier Jahren arbeitet die 29-Jährige als Herdenmanagerin auf dem Milchviehbetrieb von Tobias Schlüter in Lünzum und ist hier zuständig für 380 Milchkühe.

Auch wenn der Job nichts mit der Bauernhof-Romantik zu tun hat, die uns in Filmen gezeigt wird, schwärmt Ann-Christine mit Leidenschaft von ihrer Arbeit. Sie liebt die Nähe zu den Tieren und kann sich keinen Bürojob vorstellen, der sie glücklicher machen würde. „Wenn es meinen Kühen gut geht, geht´s mir auch gut“, sagt sie lächelnd.

Das Futter verteilt Ann-Christine Althoff mit einem mobilen Ladegerät an die Kühe.
Das Futter verteilt Ann-Christine Althoff mit einem mobilen Ladegerät an die Kühe. © Silvia Wiethoff © Silvia Wiethoff

Das nötige Fachwissen für ihren Beruf hat die Herdenmanagerin durch eine Ausbildung in der Landwirtschaft mit anschließendem Studium erworben. Sie ist sogar im Ausland gewesen und hat bei einer Work & Travel-Auszeit in Neuseeland auf zwei Milchviehbetrieben gearbeitet.

Alles dreht sich um die Gesundheit der Kühe

Der Alltag auf dem Hof Schlüter dreht sich um den Fortbestand der Herde, die Tiergesundheit und Hygienestandards, die richtige Futterzusammensetzung und die Milchleistung. Neben Betriebsinhaber Tobias Schlüter und seinen Eltern stehen Ann-Christine bei der Versorgung der Herde noch zwei Auszubildende zur Seite.

Im Schnitt kommt beispielsweise täglich mindestens ein Kalb zur Welt. Damit das klappt, hat Ann-Christine die Brunstzeiten der Kühe im Blick und sorgt für die künstliche Besamung. Das passende Bullensperma wird regelmäßig in Stickstoff gekühlt auf den Hof geliefert.

Das Futter verteilt Ann-Christine Althoff mit einem mobilen Ladegerät an die Kühe.
Das Futter verteilt Ann-Christine Althoff mit einem mobilen Ladegerät an die Kühe. © Silvia Wiethoff © Silvia Wiethoff

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Gesundheit der Kühe. „Morgens mache ich erst einmal einen Check und schaue nach, ob es Auffälligkeiten bei einem Tier gibt“, beschreibt sie ihren Alltag. Auch die Klauenpflege, die Pediküre bei den Kühen, gehört zu ihren Aufgaben, denn „wenn die Tiere nicht laufen können, wollen sie nicht fressen und geben letztlich keine Milch“.

Die moderne Landwirtschaft kommt ohne Computer nicht mehr aus.
Herdenmanagerin Ann-Christine Althoff ist Chefin von 380 Milchkühen © Silvia Wiethoff © Silvia Wiethoff
Gläserne Kuh: Dieses Computerbild zeigt das Bewegungsprofil der Kühe auf dem Hof Schlüter. Wenn die Tiere brünstig werden, werden sie unruhiger.
Gläserne Kuh: Dieses Computerbild zeigt das Bewegungsprofil der Kühe auf dem Hof Schlüter. Wenn die Tiere brünstig werden, werden sie unruhiger. © Silvia Wiethoff © Silvia Wiethoff

Im modernen Stall spielt der Computer bei der Kontrolle eine zentrale Rolle. Hier werden alle Daten der Kühe gesammelt, die übrigens auf dem Hof Schlüter noch einen Namen tragen. Es wird beispielsweise ähnlich wie bei den Profifußballern das Bewegungsprofil der Tiere festgehalten. „Wenn die Kühe brünstig werden, sind sie meistens unruhiger“, erläutert Ann-Christine den Einsatz der Technik.

Oft sei eine nachlassende Milchmenge, die am Melkstand registriert wird, Anzeichen für eine Erkrankung. So war es beispielsweise auch bei Kuh „Ann“, die der Herdenmanagerin am Abend zuvor aufgefallen war. Beim Abhören mit dem Stethoskop ließen Geräusche aus dem Bauchraum eine Labmagenverlagerung vermuten, deshalb hat Ann-Christine den Tierarzt gerufen.

Dr. Linus Klingenberg kann mithilfe eines endoskopischen Gerätes direkt in den Bauchraum der Kuh schauen.
Dr. Linus Klingenberg kann mithilfe eines endoskopischen Gerätes direkt in den Bauchraum der Kuh schauen. © Silvia Wiethoff © Silvia Wiethoff

Dr. Linus Klingenberg von der Tierarztpraxis Westmünsterland bestätigt am Morgen danach die Diagnose. Vor 30 Jahren wäre es um die Prognose der Kuh schlecht bestellt gewesen. Heute nimmt der Tierarzt im Stall einen minimalinvasiven Eingriff mithilfe endoskopischer Geräte vor und bringt den Magen der Kuh wieder in die richtige Position.

Große Fortschritte bei der medizinischen Versorgung

Dafür braucht es nur eine lokale Betäubung. Auf die Gabe eines Antibiotikums könne in der Regel verzichtet werden, sagt Linus Klingenberg. „Morgen geht es ihr wieder besser und sie gibt sogar schon wieder Milch“, weiß Ann-Christine aus Erfahrung.

Sie kann sich keinen schöneren Job vorstellen, auch wenn die Realität keine Heimatfilmkulisse ist. „Ich stehe morgens auf und freue mich auf die Arbeit“, sagt Ann-Christine zufrieden.

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Redaktion Haltern
Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und hinter jeder Zahl steckt eine ganze Welt. Das macht den Journalismus für mich so spannend. Mein Alltag im Lokalen ist voller Begegnungen und manchmal Überraschungen. Gibt es etwas Schöneres?
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Silvia Wiethoff