Der Motorradlärm auf Halterner Straßen stört Anwohner, Verwaltung und Politik

rnKeine Lärmschutzwand

„Unerträglichem Motorradlärm“ wollen Verwaltung und Politik in Haltern ein Ende setzen. Aber eine Lärmschutzwand am Elterbreischlag, wie von der SPD gefordert, soll nicht die Lösung sein.

Haltern

, 26.11.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nadel des Drehzahlmessers schlägt bis zum Anschlag hoch, das Motorrad wummert und dröhnt: Die weniger rücksichtsvollen Kradfahrer, die während der Saison in ganz Haltern unterwegs sind, lieben den Sound. Er unterstützt ihr Freiheitsgefühl. Den Anwohnern aber gehen sie mit dem Gehabe gehörig auf die Nerven. Im Ausschuss Stadtentwicklung/Umwelt entwickelte sich eine lange Diskussion, wie Motorradfahrer in ihre Schranken gewiesen werden könnten.

Sythener Straße, Dorstener Straße, Flaesheimer Damm, Hullerner Straße oder Westruper Straße: Hier ist es während der Saison von März bis Oktober besonders laut. Die SPD fokussierte sich mit einem bereits im Januar gestellten Antrag auf die Sythener Straße. Sie fordert Lärmmessungen sowie Gutachten und gegebenenfalls eine Lärmschutzwand. Und zeigte sich im Übrigen befremdet, dass ihr Antrag erst so spät behandelt wurde.

„Motorradlärm ist nicht völlig vermeidbar“

Die Wählergemeinschaft zog mit einem Antrag im Juni nach, sie nimmt darin das gesamte Stadtgebiet in den Blick. „An Sommerwochenenden, wenn sich die Einwohner in den Gärten und auf Balkonen von ihrem Arbeitsalltag erholen möchten, frequentieren viele tausend Motorräder die Stadt. Der Schallpegel von Motorrädern – oft durch Manipulation der Auspuffanlage - ist oft deutlich höher als der von Pkw. Motorradfahren ist in dieser Zeit eine reine Freizeitaktivität, Motorradlärm damit nicht völlig vermeidbar“, heißt es seitens der WGH.

Es sei geboten, die Belastung der Einwohner auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu könne beispielsweise die Umleitung von Verkehrsströmen ebenso dienen wie die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen oder verstärkte Kontrollen.

Geforderte Lärmmessungen haben keine Beweiskraft

„Wir müssen den Menschen im Elterbreischlag helfen“, appellierte Beate Pliete (SPD) an die Ausschuss-Mitglieder. Geforderte Lärmmessungen allerdings haben keine Beweiskraft, wie Baudezernentin Dr. Andrea Rüdiger betonte. Die Verwaltung sieht sehr wohl die Besonderheit der Sythener Straße als Verbindungsstück zwischen den beiden Motorradtreffs am Lakeside Inn und Drügen Pütt. Eine gutachterliche Stellungnahme habe ergeben, dass selbst mit Lärmschutzwänden in der Höhe von mehreren Metern kein befriedigender Lärmschutz zu erreichen ist.

Und wer soll eine Lärmschutzwand bezahlen?

„Wer bezahlt denn eine Lärmschutzwand auf einer Länge von zwei Kilometern?“, fragte Maaike Thomas (Die Grünen) dann zusätzlich. Sie sprach damit dem Stadtkämmerer Dirk Meussen aus der Seele: Der städtische Etat gibt die Investition nicht her. Gleiches gilt für das von der SPD geforderte Gutachten.

Nach vielem Hin und Her und einer Debatte, die eigentlich im Ausschuss Bauen und Verkehr hätte geführt werden müssen, verständigten sich die Politiker darauf, von einem voreiligen Beschluss abzusehen und stattdessen Kontakt mit dem Straßenlastträger Straßen NRW und der Polizei aufzunehmen, um das Problem gemeinsam zu lösen.

Straßen NRW in Bochum signalisierte die Bereitschaft, ließ aber auf Nachfrage der Halterner Zeitung durch einen Sprecher verlauten, dass die Hürden, um Motorradlärm zu verhindern, sehr hoch seien. Man könne auf keinen Fall den Kradfahrern verbieten, die Straßen in Haltern zu nutzen. Ein Verbot würde ohnehin nur zu einer Verdrängung auf andere Routen bewirken. Geschwindigkeitsbegrenzungen wären dagegen in Absprache mit der Stadt denkbar.

Helmut Lampe (Fachbereich Ordnung und Soziales) hat Ludwig Deitermann zugesagt, dass der WGH-Antrag in der ersten Sitzung des zuständigen Fachausschusses (Bau- und Verkehr) am 3.März 2020, also rechtzeitig vor Beginn der neuen Motorrad-Saison, behandelt werden soll. Dann kommt auch wieder das Anliegen der SPD auf den Tisch. Zu der Sitzung wird, so die Stadt, ein Vertreter der Polizeidirektion Recklinghausen eingeladen.

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