Nach Kopfschuss-Tod: 13 Jahre Haft gefordert

Kandaouroff-Prozess

13 Jahre Haft: Fast zwei Jahre nach dem grausamen Kopfschuss-Tod des Halterner Seehof-Hoteliers Klaus Kandaouroff (80) hat die Staatsanwaltschaft am Montag für den Todesschützen Mladen P. (44) eine drastische Gefängnisstrafe beantragt. Für die Komplizen Michael M. (47) und Volker H. (48) forderte der Ankläger sieben beziehungsweise acht Jahre Haft.

BOCHUM/HALTERN

von Von Werner von Braunschweig

, 30.04.2012, 12:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ganz links ist Verteidiger Boris Strube zu sehen, ganz rechts Verteidiger Dieter Kaufmann. Dazwischen die Angeklagten Mladen P. (rechts) und Michael M. (unkenntlich gemacht).

Ganz links ist Verteidiger Boris Strube zu sehen, ganz rechts Verteidiger Dieter Kaufmann. Dazwischen die Angeklagten Mladen P. (rechts) und Michael M. (unkenntlich gemacht).

Die Staatsanwälte Dieter Justinsky und Marc Krämer werteten die Bluttat - so wie von Anfang an angeklagt - als Raubversuch mit Todesfolge. Gegen ein vorsätzliches Tötungdelikt (Totschlag, Raub- oder Verdeckungsmord) spreche vor allem "die Kopflosigkeit der Täter nach der Tat". Weil die Tatwaffe bis heute nicht wieder aufgetaucht sei, könne der vom Todesschützen in den Raum gestellten "Defekt" an der Waffe und damit ein möglicherweise "unachtsamer Schuss" letztlich nicht ausgeschlossen werden.Dass die Täter angeblich unmittelbar nach der Schussabgabe "Mitleid" empfunden haben wollen, bezeichnete Staatsanwalt Marc Krämer in seinem Plädoyer wörtlich als eine "Verhöhnung des Opfers". Mladen P. hatte im Prozess zugegeben, am 29. Mai 2010 den tödlichen Schuss auf Kandaouroff abgefeuert zu haben.

Der "aufgesetzte Schuss" (Distanz zwischen Lauf und Kopf maximal 5 bis 10 Millimeter) hatte den 80-Jährigen im Flur seiner Villa in Datteln-Klostern zu Boden gerissen. Auch die Komplizen von P. hatten ihre Beteiligung an dem Verbrechen gestanden. Der Schermbecker Michael M. war damals mit vor Ort an der Millionärsvilla, Volker H. aus Haltern hatte das Duo zum Tatort chauffiert. „Das schlimme Unglück war aber nicht im entferntesten geplant oder beabsichtigt", hatte Mladen P. zum Prozessauftakt erklärt.

Die drei Angeklagten nahmen die Strafanträge äußerlich ruhig und gefasst entgegen. Nach einem von den Verteidigern bis zuletzt kritisch hinterfragten Tipp eines geheimnisvollen Informanten (zugesagte Belohnung: 300.000 Euro) war das Trio am 17. Februar 2011 festgenommen worden. Über DNA-Spuren an einer nahe der Kandaouroff-Villa gefundenen Täter-Maske war es den Ermittlern gelungen, zu rekonstruieren, dass Mladen P. im Januar 2006 bereits einen nächtlichen Raubüberfall auf eine Bochumer Anwaltswitwe verübt hatte. Diese Raubtat hatte der 44-jährige Halterner ebenso gestanden.

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