Nachbar von Selbstmord-Camper klagt vor Gericht

Arbeitsunfähig

Erst gab es einen lauten Knall, dann war alles kaputt: Vor über drei Jahren sprengte sich ein lebensmüder Dauercamper auf dem Campingplatz "Hoher Niemen" in die Luft. Auch das Leben eines Ersthelfers liegt seitdem in Trümmern. Am Freitag beschäftigte die Tragödie das Sozialgericht Gelsenkirchen.

HALTERN

25.11.2011, 18:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kurt Nahrun war einer der ersten, der noch versuchte, dem 47-Jährigen zu helfen.

Kurt Nahrun war einer der ersten, der noch versuchte, dem 47-Jährigen zu helfen.

Naruhn war in der Nacht des 21. September 2008 als einer der ersten am Unglücksort gewesen. Er wollte Leben retten und geht jetzt – drei Jahre später - daran fast zugrunde. Der 58-Jährige hatte den im Trümmerfeld liegenden, verbrannten und von Splittern übersäten Körper des Selbstmörders versucht, zu bergen. Der Bochumer erlag jedoch im Krankenhaus seinen Verletzungen. Davor hatte Naruhn sogar noch die aufgedrehten Gasflaschen verschlossen - und dadurch eine noch größere Katastrophe verhindert. Der Ersthelfer ist seitdem arbeitsunfähig, lebt von „Hartz IV“. Er kriegt die schlimmen Bilder nicht aus dem Kopf. Diagnose: posttraumatische Belastungsreaktion. Seine Frau Rosemarie verdrückte eine kleine Träne, als sie gestern auf dem Flur erklärte: „Dieser Tag hat alles verändert.“Am Sozialgericht blieb dem Paar am Freitag eine Wende ins Positive verwehrt. Die Richter wiesen die Klage auf Erwerbsminderungsrente (1600 Euro) ab. Gutachten hatten das Trauma zuletzt als angeblich „rückläufig“ eingestuft. Dazu hieß es, Naruhn könne, wenn auch nicht mehr als Busfahrer, zumindest sechs Stunden täglich arbeiten. Anwalt Hans Reinhardt kündigte sofort Berufung an: „Mein Mandant leidet unwahrscheinlich. Wir werden alles versuchen, damit er die ihm zustehende Rente zugesprochen bekommt.“

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