„Die Einfahrt lag voller Geldscheine“ - Nachbarn schildern Bank-Explosion in Sythen

rnBanküberfall in Sythen

Claudia und Jörg Großwiele wurden am Freitag um 3.30 Uhr aus dem Tiefschlaf gerissen, als Täter nur 15 Meter entfernt den Bankautomaten in Sythen sprengten. Sie beobachteten den Überfall.

Sythen

, 13.12.2019, 12:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war heftig“, sagt Claudia Großwiele, während sie zwischen Paketschalter und Paketwagen ihres Lotteriegeschäftes am Hellweg hervorkommt. „Das Glas ist bis auf die Straße geflogen.“ Seit 3.30 Uhr sind sie und ihr Ehemann, die das Geschäft zusammen betreiben, an diesem Freitag wach. Und zwar seit dem Moment, in dem bisher unbekannte Täter den Geldautomaten in der Sparkasse nur 15 Meter entfernt mithilfe von Gas sprengten.

In Sythen ist der Banküberfall an diesem Freitagmorgen das Gesprächsthema. Immer wieder kommen Kunden herein, die mit dem Ehepaar über die Ereignisse in der Nacht sprechen. Auf der Straße halten immer wieder Passanten und Autos an, um einen Blick auf das Trümmerfeld, wie Claudia Großwiele es beschreibt, zu ergattern.

„Ich bin mir relativ sicher, dass es ein neuerer Ford Fiesta war“

„Wir waren im Tiefschlaf und auf einmal war es extrem laut“, sagt die Sythenerin. Trotz des rüden Erwachens ist beiden sofort klar, was geschehen sein muss. „Mein Mann sagte sofort zu mir: ‚Das ist die Sparkasse‘“, erzählt Claudia Großwiele. Sie steht auf, greift nach dem Telefon und zieht die Rollläden des Fensters hoch, das zum Hellweg zeigt. „Die Einfahrt lag voller Geldscheine. 10- und 20-Euro-Scheine. Dann habe ich die 110 gewählt“, sagt Claudia Großwiele.

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Banküberfall in Sythen

Keine drei Minuten seien zwischen Explosion und der Flucht der Täter vergangen, sagt die Sythenerin. „Ich bin mir relativ sicher, dass es ein neuerer Ford Fiesta war“, sagt Claudia Großwiele. Wie die Täter aussahen oder ob sie maskiert waren, kann die Anwohnerin nicht sagen. „Die Einfahrt war dunkel.“

Fest steht ihrer Beobachtung nach aber, dass ein Mann am Steuer des Fluchtwagens saß. Auch, wie viele Täter es genau waren, ist noch unklar. Mindestens zwei müssten es aber gewesen sein, da die Familie hörte, wie die Täter sich etwas zuriefen. Dann flüchteten die Täter Richtung Kreisverkehr über die Dorfstraße.

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„Es war eine Frage der Zeit“

Etwa 15 Minuten später, schätzt Claudia Großwiele, trifft die Polizei ein. Die Familie geht nach draußen, um mit den Beamten zu sprechen. „Wir waren immer wieder draußen, wir sind gar nicht mehr richtig warm geworden.“

In den Schlaf gefunden hat die Familie in dieser Nacht nicht mehr. „Heute Nacht war ich schon am Zittern, jetzt geht es wieder“, sagt die Inhaberin. Außer ihnen haben die direkten Nachbarn in der Nacht offenbar nichts von dem Überfall mitbekommen. In keiner Wohnung sei Licht angegangen. Vielleicht, sagt Claudia Großwiele, weil der Schall frontal auf ihr Haus getroffen sei, vermutet die Sythenerin.

Dass der Überfall passiert ist, überrascht das Ehepaar allerdings nicht: „Es war eine Frage der Zeit. Die Einschläge sind immer näher gekommen. Erst waren sie in Castrop-Rauxel, dann in Datteln. Da war uns klar, dass sie immer weiter hierher kommen.“

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