Naturschutzbeirat wehrt sich gegen Kritik

Diskussion um Probebohrungen

Nach unserer Berichterstattung hat sich der Vorsitzende des Naturschutzbeirates des Kreises Recklinghausen, Thomas Schiffgens, gemeldet. Er begründet, warum der Naturschutzbeirat die Zustimmung für die geplanten Probebohrungen der Quarzwerke in Lavesum verweigert hat.

SYTHEN/LAVESUM

18.04.2017 / Lesedauer: 2 min
Naturschutzbeirat wehrt sich gegen Kritik

Die Silberseen entstanden durch den Sandabbau.

„Keinesfalls“ habe der Naturschutzbeirat seine Entscheidung ausschließlich damit begründet, „dass die Bohrungen der erste Schritt zu einem Abbau im Naturschutzgebiet sind.“ Thomas Schiffgens: „Weitere Gründe waren, dass eine Befreiung nach Bundesnaturschutzgesetz nur erteilt werden darf, wenn die Maßnahme im überwiegenden öffentlichen Interesse ist und Natur und Landschaft hierdurch nicht geschädigt werden.“

Der Grund für die Bohrungen zum jetzigen Zeitpunkt sei jedoch, dass die Quarzwerke wichtige Erkenntnisse für die Kaufverhandlungen eines privaten Investors mit dem jetzigen Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten, liefern sollen. „Hier liegt also eher ein privatwirtschaftliches Interesse vor“, so Thomas Schiffgens.

Außerdem habe der Antragsteller in seinem Befreiungsantrag nicht berücksichtigt, dass der betroffene Teil des Naturschutzgebietes zusätzlich eine große Bedeutung für Kraniche und Wildgänse im Winterhalbjahr, in dem die Bohrungen stattfinden sollen, hat. „Diese Vogelarten sind ausdrücklicher Schutzgrund des Vogelschutzgebietes.“ Darüber hinaus seien die Antragsunterlagen in einigen Punkten „so lückenhaft, dass eine Schädigung von Natur und Landschaft nicht auszuschließen ist“, so Thomas Schiffgens.

Zur Kritik der Politiker an der Entscheidung sowie zu unserem Kommentar: „Grundlage der Entscheidungen des Naturschutzbeirates war und ist, wie es seiner gesetzlichen Aufgabe entspricht, zu prüfen, ob eine durch die Untere Naturschutzbehörde beabsichtigte Befreiung von den geltenden Verboten des Naturschutzgebietes, die im Übrigen vom Kreis Recklinghausen nach einem Beschluss des Kreistages selbst festgesetzt wurden, naturschutzfachlich vertretbar ist und der gültigen Gesetzeslage entspricht.“

Vorwurf der Feindlichkeit "absurd"

In der Vergangenheit habe es nur in „sehr seltenen Fällen“ entsprechende Widersprüche gegeben. Insofern könne von einer Blockierung des Kreises Recklinghausen durch den Naturschutzbeirat keine Rede sein. „Auch bisherige Anträge der Quarzwerke und anderer Abgrabungsunternehmen wurden in der Vergangenheit immer sorgfältig geprüft und im Allgemeinen nicht abgelehnt, da die gültige Gesetzeslage beachtet wurde und Eingriffe durch den Abbau der Bodenschätze ausgeglichen werden konnten. Dass der Naturschutzbeirat den Erkundungen von Bodenschätzen grundsätzlich ‚feindlich‘ gegenüber steht, ist also absurd“, so Thomas Schiffgens.


In der Sitzung des Umweltausschusses des Kreises am 10. Mai wird entschieden, ob der Widerspruch des Beirates berechtigt ist.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt