Neue Pläne für das Café im alten Lippramsdorfer Bahnhof

rnCafé zum alten Bahnhof

Hiltrud und Norbert Arentz geben das „Café zum alten Bahnhof“ in Lippramsdorf, das sie 2013 eröffneten, auf. Dieses Kleinod von historischem Wert ist dennoch für Gäste nicht verloren.

Lippramsdorf

, 20.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer über den Bahntrassenweg von Haltern nach Lippramsdorf radelt oder auch über den Lippedeich von der anderen Seite kommt, hat bei schönem Wetter meistens ein besonderes Ziel: Das „Café zum alten Bahnhof“. Hiltrud und Norbert Arentz haben es am 1. Mai 2013 eröffnet und werden es jetzt aufgeben. Ein bisschen Wehmut schwingt bei dieser Ankündigung mit, aber auch Resignation. Denn ihre Zukunftspläne sind durchkreuzt.

Der Bahnhof hat seine Geschichte und Norbert Arentz hat bei der Restaurierung in den Jahren 2002 bis 2004 so viel wie möglich davon bewahrt. Nachdem die Gemeinde der Staatseisenbahn 10.000 Mark und das Gelände in einer Größe von zwei Morgen unentgeltlich und lastenfrei als Eigentum überlassen hatte, wurde das Bahnhofsgebäude am heutigen Oelder Weg errichtet und im Februar 1899 in Betrieb genommen. Die Köln-Mindener-Eisenbahn verkehrte auf einer 90,2 Kilometer langen Strecke zwischen Haltern und Venlo. 1962 stellte die Bahn den Personenverkehr ein, der letzte Güterzug fuhr 1988 zwischen Haltern und Dorsten. Die Bahnhofsgebäude verfielen und mit ihm auch viele Ideen, sie anders zu nutzen. Denn an diesem Ort ist das Wohnen ausgeschlossen.

Der alte Bahnhof liegt auf Marler Stadtgebiet

Genau diese Beschränkung ist es jetzt, die Hiltrud und Norbert Arentz die Freude an der Weiterführung des Cafés genommen hat. Das Ehepaar plante, auf dem 3600 Quadratmeter großen Grundstück seitlich des denkmalgeschützten Bahnhofs einen Bungalow zu bauen. Der Umzug aus ihrem jetzigen Haus in der Mersch direkt ans Café sollte die Arbeitsabläufe erleichtern. „Das Marler Bauamt hat uns einen positiven Bauvorbescheid erteilt, wir haben geplant und dann kam Monate später überraschend die Absage“, erzählt Norbert Arentz von Entwicklungen, die ihn ziemlich verstimmt haben.

Gutscheine rechtzeitig einlösen

Hiltrud und Norbert Arentz schließen Ende des Jahres das Café. Bis Ende Dezember können noch Gutscheine eingelöst werden, dann werden sie ungültig. Kontakt: Café „Zum alten Bahnhof“ in Lippramsdorf, Oelder Weg 36 - 44 in Haltern-Lippramsdorf, Tel.: 02360 / 2485401.

Die Zuständigkeit von Marl erklärt sich so: Der Bahnhofsbereich fiel bei der kommunalen Neuordnung 1975 der Stadt Marl zu. Marl stellte ihn unter Landschaftsschutz, der Kreis hob diesen Beschluss wieder auf, jetzt gibt es auch zu diesem Thema Streit. Letztlich ist es das Verbot, im Außenbereich zu bauen, das das Vorhaben zum Scheitern bringt. Auch das kann Norbert Arentz nicht verstehen. Denn früher haben genau an der Stelle des angedachten Bauplatzes Bahnhäuser gestanden.

Das Ambiente im Bahnhofscafé hat Hiltrud Arentz mit viel Gespür fürs Schöne gestaltet.

Das Ambiente im Bahnhofscafé hat Hiltrud Arentz mit viel Gespür fürs Schöne gestaltet. © Holger Steffe

Hiltrud Arentz hat das Café mit Selbstbedienungskonzept all die Jahre fast allein geführt. Das bedeutete für sie viel und Kräfte zehrende Arbeit und immer die Aufgabe, die Wirtschaftlichkeit im Blick zu halten. Sie hat es gerne gemacht, weil die Gastronomie ihr Ding ist. Wen wundert es: Hiltrud Arentz` Elternhaus ist Peters Bauernstube.

Lippramsdorfer pachtet die Gastronomie am Oelder Weg

Radfahrer genießen - nicht nur jetzt in den Corona-Zeiten - das Verweilen in dem großen, gepflegten Garten sowie auch das Ambiente im Innern. Das Bahnhofs-Café ist ein besonderer Ort, der Geschichte erzählt und in seiner Originalität Gemütlichkeit ausstrahlt.

Ende Dezember bleibt die Tür zum Bahnhofscafé vorübergehend zu, aber das Ehepaar Arentz hat einen Nachfolger gefunden. Wiedereröffnung ist am 1. Februar.

Ende Dezember bleibt die Tür zum Bahnhofscafé vorübergehend zu, aber das Ehepaar Arentz hat einen Nachfolger gefunden. Wiedereröffnung ist am 1. Februar. © Elisabeth Schrief

Das wird bleiben. Dafür haben Hiltrud und Norbert Arentz gesorgt. Andreas Hebestreit übernimmt das Café zum 1. Februar. Bislang zog der Lippramsdorfer mit einem Foodtruck von Veranstaltung zu Veranstaltung. „Verkaufen wollen wir nicht. Dafür steckt zuviel Herzblut in diesem Haus. Wir finden den alten Bahnhof einfach zu schön“, sind sich Hiltrud und Norbert Arentz einig.

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