Nicht allen Kindern geht es in Haltern wirklich gut

Weltkindertag

Der 20. September (Mittwoch) ist Weltkindertag. „Kindern eine Stimme geben“ lautet dazu in diesem Jahr das Motto. Wie geht es eigentlich den Kindern in Haltern? Wo brauchen sie besondere Unterstützung? Wir haben uns umgehört.

HALTERN

, 20.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Nicht allen Kindern geht es in Haltern wirklich gut

Viele Kinder haben in Haltern tolle Entwicklungsmöglichkeiten. Aber nicht alle.

"Wenn ich Kind wäre, möchte ich es in Haltern sein,“ sagt dazu Beate Mertmann, Vorsitzende der Bürgerstiftung Halterner für Halterner. Neben den zahlreichen Freizeitmöglichkeiten in der Natur, den Freibädern und den vielen sportlichen Angeboten können Kinder in der Seestadt auch in Sachen Kultur viel unternehmen. Stadtbücherei und die Büchereien in den Gemeinden sowie die öffentliche und die privaten Musikschulen halten beispielsweise Angebote für Kinder unterschiedlicher Altersklassen bereit. Jugendherberge, Ketteler Hof Gilwell St. Ludger und vieles andere: die Liste der Freizeitmöglichkeiten ist lang.

„Hier hat es eine Vielzahl der Kinder richtig gut. Aber eben nicht alle. Da viele Kinder in behüteten Familien und unter wirtschaftlich guten Verhältnissen aufwachsen, ist es für alle, die wenig Geld zur Verfügung haben, schwierig. Die Ausgrenzung ist dann besonders schlimm“, sagt Beate Mertmann.

Die Bürgerstiftung versucht auf vielfältige Weise, hier unterstützend einzugreifen, beispielsweise in den Schulen unter dem Stichwort „Kein Kind ohne Mahlzeit“. Kein Kind soll aus finanziellen Gründen vom gemeinsamen Essen in der Schule ausgeschlossen werden. „Immer häufiger stellen Lehrer fest, dass Kinder auch mit billigen Schulmaterialien arbeiten,“ so Beate Mertmann. Auch hier hilft die Stiftung, indem sie eine bessere Ausstattung finanziert. „Stifte, die abbrechen, Farben, die verschmieren, behindern den Spaß am Lernen und den Lernerfolg.“

Durch die Veränderung der Arbeitswelt sei es häufig so, dass Eltern oder auch Großeltern weniger mit ihren Kindern unternehmen. „Mit Opa mal ein Fahrrad reparieren, oder zusammen mit dem Vater handwerklich arbeiten – auch das wird immer seltener“, so Mertmann. Mit der „Meisterschule“, Lern- und Lesepaten, gemeinsamen Ausflügen oder Schulprojekten greift die Bürgerstiftung auf vielfältige Weise ein.

Arbeitslosigkeit und Überschuldung

Arbeitslosigkeit und Überschuldung treffen Kinder in besonderem Maße. „Sozialkontakte kosten Geld“, sagt Christian Overmann, Schuldnerberater beim Diakonischen Werk in Haltern. „Den Kindergeburtstag, den Ausflug zum Ketteler Hof, die Anmeldung im Sportverein gibt es nicht umsonst.“ Viel zu selten nähmen Eltern außerdem die Förderungsmöglichkeiten durch das Teilhabepaket in Anspruch.

Im eher wohlhabenden Haltern sei dies besonders gravierend, sagt auch Christian Overmann. Angesichts des Wirtschaftsbooms sei der Rückgang der bedürftigen Familien in Haltern viel zu gering. Etwa 1800 Kinder und Jugendliche bis zum Ausbildungsalter lebten in Haltern in unsoliden Einkommensverhältnissen, so Overmann. Vielfach ziehe diese Situation auch psychische Erkrankungen nach sich.

Psychische und Suchterkrankungen

Um Kinder aus Familien mit solchen psychischen und Suchterkrankungen kümmert sich Pro Anima. „Wir kümmern uns zurzeit um 22 Familien und betreuen 38 Kinder“, sagt Dr. Reinhild Tuschewitzki vom ehrenamtlichen Team. Spiel und Freizeitangebote aber auch Gespräche sollen den Kindern helfen, aus der oft belastenden Alltagssituation im Elternhaus herauszufinden und neue Kraft zu schöpfen.

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