Nicole Hoffmann (48) nach Grabdiebstahl: „Ich verstehe nicht, wer so was macht“

rnDiebstähle von Friedhöfen

Blumensträuße, Deko-Artikel, Metallstatuen: In den vergangenen Jahren haben Diebe immer wieder persönliche Gegenstände von Halterner Gräbern gestohlen. Das können Betroffene dagegen tun.

Haltern

, 12.04.2019, 16:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ich verstehe nicht, wer sowas macht“, sagt Nicole Hoffmann. Sie steht vor dem Grab ihrer Mutter auf dem Kommunalfriedhof in Sythen. Anstelle der fünf silberfarbenen Dekokugeln, die die Buchsbaumhecke auf dem Grab verschönert hatten, fällt der Blick jetzt auf die nackte Erde. Je eine der fünf Kugeln steht für ein Familienmitglied. Auch die kleinen Herzen aus dem Baum neben dem Grabstein sind weg. Ebenso wie die zwei Porzellanvögel aus dem Kranz mitten auf dem Grab. Die, die Nicole Hoffmanns Mutter so gerne mochte. „Ich war richtig wütend. Vor allem deshalb, weil ich gesehen habe, wie Papa darunter leidet“, sagt die Halternerin.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Hoffmanns so einen Diebstahl erleben. Schon im vergangenen November sei ein Porzellanengel von dem Grab gestohlen worden. Drei oder vier Mal seien auch schon Blumensträuße verschwunden. Auch vom Grab ihrer Schwiegermutter ein paar Meter weiter. Anzeige hat die Halternerin noch nicht erstattet. „Bringt das was?“, fragt sich Hoffmann.

Die Polizei Recklinghausen hat dazu eine klare Meinung: „Wir würden immer den Rat geben, uns den Hinweis zu geben. Nur so kann man ja auch etwas klären, auffinden und vielleicht zurückgeben“, sagt Pressesprecher Michael Franz. „Wenn wir gar nichts davon wissen, können wir in dem Bereich auch nicht tätig werden.“

In Haltern werden vor allem Blumensträuße, Deko und Figuren geklaut

Gesonderte Zahlen dazu, wie oft Gegenstände von Friedhöfen im Kreis entwendet werden, gibt es nicht. Allgemein werden diese Delikte als Diebstähle vermerkt. Und kämen immer mal wieder vor. Wenn etwas beschädigt werde, dann laufe das unter Sachbeschädigung, so Franz. „Es ist natürlich so, dass immer mal wieder auf Friedhöfen Kupfer- oder Messingdinge oder Grablampen gestohlen werden.“ Auch einzelne Buchstaben aus Metall seien dabei.

Nicole Hoffmann (48) nach Grabdiebstahl: „Ich verstehe nicht, wer so was macht“

In der Lücke zwischen den Granitsteinen stand bis Mai 2011 eine (fest verankerte) Madonna aus Kupfer. Die haben Diebe allerdings von dem Friedhof im Sundern gestohlen. © Foto: Elisabeth Schrief

Ein Blick in unser Zeitungsarchiv zeigt, dass in Haltern in den vergangenen Jahren vor allem Blumensträuße, Dekorationen und Figuren gestohlen wurden:

Oft seien es Metalldiebe, die da auf den Friedhöfen unterwegs seien, sagt Franz. „Häufig taucht das Material bei Altwarenhändlern auf. Mit denen stehen wir in gutem Kontakt.“ Die melden sich bei der Polizei, wenn etwas Auffälliges angeboten werde. „Wenn wir solche Delikte haben, verlassen wir uns aber nicht nur auf die Händler, sondern klappern die auch ab und schauen, ob es da etwas gibt, das mit einem Diebstahl in Verbindung stehen könnte.“

5 bis 5,80 Euro gibt es pro Kilo Kupfer in diesem Jahr, heißt es auf dem Finanzportal boerse.de. Die Preise schwanken seit Jahren stark. Gab es für ein Kilo im Jahr 2002 noch zwischen 1,45 und 1,88 Euro, waren es im Jahr 2011 zwischen 5 bis 7,28 Euro. In den darauffolgenden Jahren fielen die Preise wieder um ein paar Tausend Euro.

Die Polizei rät, persönliche Gegenstände zu kennzeichnen

Damit Diebe erst gar nicht die Chance haben, Kupfer- oder Bronzestatuen zu verkaufen und einschmelzen zu lassen, rät die Polizei dazu, Gegenstände auf Friedhöfen individuell zu markieren oder etwas einzuritzen, damit man es einer Person zuordnen kann. „Das Problem ist oft, dass die Sachen alle nicht individuell gekennzeichnet sind. Da ist dann schlecht recherchierbar, wo dieses Material umgesetzt wird“, so Franz. Ein weiteres Problem sei, dass die Angehörigen oft mit größeren Abständen zu den Gräbern gingen. Deshalb sei die Tatzeit oft schwer einzugrenzen.

Ein Blick in den Kriminalitätsbericht 2018 der Polizei Recklinghausen zeigt, dass die Zahl der Diebstähle in den letzten zehn Jahren zurückgegangen ist. Laut des Berichts sei es 2018 zu so wenigen Diebstählen im Kreis gekommen wie in den letzten 29 Jahren nicht. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote der Delikte relativ konstant geblieben. 2018 waren nichtsdestotrotz 39 Prozent der Gesamtkriminalität Diebstahlsdelikte.

Weder Stadt noch katholische Kirche sehen Mittel für Wachpersonal

„Wer soll das bezahlen?“, fragt der Sprecher der Stadt Georg Bockey auf die Frage, ob Kontrollrundgänge auf Friedhöfen eine Maßnahme sei, um derartige Diebstähle zu verhindern. Auf dem Friedhof im Sundern sei eine Person in Vollzeit anwesend, allerdings um sich um die Pflege des Friedhofes zu kümmern. „Es kann nicht unsere Aufgabe sein, Wachdienste anzustellen“, sagt Peter Rütter, Mitglied des Kirchenvorstandes und zuständig für die katholischen Friedhöfe in Haltern. „Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was da gestohlen wird.“

Weil es auch auf den katholischen Friedhöfen immer mal wieder zu Diebstählen komme, habe man zwischenzeitlich über eine Videoüberwachung nachgedacht, sagt Rütter. Da es sich dort aber um einen öffentlichen Bereich handele, habe man von der Idee wieder Abstand genommen. Jeder könne auf die Friedhöfe gehen und sich unbeobachtet fühlen, sagt Rütter. Sowohl Stadt als auch Kirche raten Betroffenen, sich an die Polizei zu wenden.

Nicole Hoffmann (48) nach Grabdiebstahl: „Ich verstehe nicht, wer so was macht“

2017 stohlen Unbekannte einen 30 Zentimeter hohen Bronzeadler von einem Grab zweier Schwestern auf dem katholischen Friedhof an der Hullerner Straße. © Privat

Um den materiellen Wert, sagt Nicole Hoffmann, gehe es ihr nicht. Vielmehr darum, dass die Familie das Grab ihrer Mutter schön herrichte, so, wie sie es sicher gern gehabt hätte. „Und dann machen Leute so etwas.“

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