Niemanden vom Abendmahl ausschließen

Glutenarme Hostien

Sie schmecken nach nichts und werden dennoch tausendfach Woche für Woche gebacken. Hostien sind kleine runde Brotscheiben, die einem genauen Gesetz unterliegen: Sie dürfen ausschließlich aus Weizenmehl und Wasser gebacken werden.Das schreibt das katholische Kirchengesetzbuch "Codex Iuris Canonici" von 1983 vor. Werden damit Gottesdienstbesucher, die auf die Oblaten allergisch reagieren, von der Kommunion ausgeschlossen?

HALTERN

, 20.04.2016 / Lesedauer: 2 min
Niemanden vom Abendmahl ausschließen

Pfarrer Heio Weishaupt mit einer normalen (l.) und glutenfreien Hostie. Sie unterscheiden sich in Farbe und Konsistenz.

Pfarrer Heio Weishaupt klärt diese Frage, nachdem er in unserer Rubrik "Guten Morgen" davon gelesen hatte: "In allen Kirchen und Kapellen der Pfarrgemeinde St. Sixtus können Gläubige mit einer Unverträglichkeit während einer Messfeier den Leib Christi in Form von glutenarmen Hostien empfangen."

Diese werden aus Weizenstärke und Wasser gebacken. Ihr Glutenanteil beträgt plus/minus 80 ppm (parts per million/Teile pro Million). Das ist weniger als die Hälfte von dem, was bis 2007 als glutenfrei bezeichnet wurde.

Ungesäuertes Weizenbrot

Gluten setzt sich zusammen aus Eiweißen. Diese Eiweiße sind in den meisten Getreidesorten, allen voran Weizen, Dinkel und Roggen enthalten. Wenn sie nass werden und sich verbinden, entsteht Gluten. Bei manchen Menschen verursacht das Stoffgemisch eine chronische Erkrankung des Dünndarms.

Warum es nur glutenarme, aber keine glutenfreien Hostien gibt, begründet Pfarrer Weishaupt so: "Hostien dürfen nur aus reinem Weizenmehl bestehen. Mit dieser Anordnung beruft sich die Kirche auf das Letzte Abendmahl, bei dem Jesus die Eucharistie als Feier seines Gedächtnisses eingesetzt hat." Dabei geht die Kirche davon aus, dass Jesus entsprechend der jüdischen Praxis der Pessachfeier ungesäuertes Weizbenbrot verwendet hat. Würde die katholische Gemeinde, wie die evangelischen Glaubensbrüder, Maismehl verbacken lassen, verstieße sie gegen ein geltendes Gesetz.

"Gut verträglich"

Hostien mit einem geringen Anteil an Gluten dagegen sind gültige Materie für die Eucharistiefeier. "Und gut verträglich, wie die Erfahrung zeigt", betont Pfarrer Weishaupt.

Wer von einer Gluten-Intoleranz betroffen ist, sollte sich vor der Messe in der jeweiligen Sakristei melden. Dann bekommt er bei der Kommunionausteilung seine eigene Hostie.

Verträgt jemand selbst die geringe Menge an Gluten nicht, kann er, so der Halterner Seelsorger, die Heilige Kommunion stattdessen in der Gestalt des Weines empfangen. Fünf Halterner nutzten bislang dieses Angebot der Pfarrei St. Sixtus. "Der Kompromiss funktioniert sehr gut", sagt Pfarrer Weishaupt.

Wie bei der Hostie wird auch beim Wein zwischen gültiger und ungültiger Materie unterschieden: Gläubige, die alkoholkrank sind, können mit Traubensaft kommunizieren, sofern er frisch und so konserviert wurde, dass dessen Natur unverändert ist.

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