Notbetreuung in den Halterner Kitas läuft - Lockerungen beim Anspruch gefallen nicht allen

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In den Kitas läuft seit zehn Tagen die Notbetreuung für Kinder. Das setzt bei vielen Erzieherinnen neue kreative Energie frei. Die Lockerung der Regeln stößt in Haltern aber auch auf Kritik.

Haltern

, 26.03.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Montag, 16. März, sind die Kitas in Haltern geschlossen, nur noch Notbetreuung von Kindern mit Eltern in systemrelevanten Berufen ist möglich. Waren es ursprünglich beide Elternteile, die in diesen Berufen arbeiten müssen, um einen Betreuungsanspruch zu haben, so änderte das Ministerium den Erlass am vergangenen Montag dahingehend, dass nun nur noch ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeiten muss. Außerdem dürfen nun auch Kinder in die Betreuung, deren Eltern vorher keinen Vertrag mit einer Einrichtung hatten.

Eltern verhalten sich verantwortungsvoll

Die Nachfrage nach Plätzen in der Notbetreuung hält sich aber auch nach der geänderten Erlasslage in Haltern in Grenzen. „Die Lockerung hat uns zunächst Sorgen gemacht“, sagt Cordula Borgsmüller, Verbundleiterin der katholischen Kindergärten in der Pfarrei St. Sixtus. Aber die Nachfrage sei dann doch eher moderat gewesen. „Da kann ich den Eltern nur ein großes Kompliment aussprechen“, sagt Borgsmüller. Sie würden sich sehr verantwortungsvoll verhalten.

Von den zehn Kitas der Pfarrei würden lediglich in sechs Kinder betreut, maximal fünf an der Zahl. „Und das auch nicht jeden Tag“, so die Verbundleiterin. Nicht mehr als zwei Erzieherinnen pro Einrichtung seien im Moment gleichzeitig im Einsatz, der Rest sei im Homeoffice und erledige Büroarbeit.

Es herrsche zudem eine große Solidarität unter den Mitarbeiterinnen. „Da bietet sich auch zum Beispiel die über 50-jährige Kollegin an, wenn sie nicht zur Risikogruppe zählt und vom Arzt grünes Licht bekommt, für den Dienst an.“

Die Erzieherinnen würden versuchen, mit den Kindern, die zuhause sind, Kontakt zu halten. „Da wird zum Beispiel ein Video gemacht von einer Schneckenaufzucht in der Kita und verschickt.“ Es würden persönliche Briefe an die Kinder geschrieben, kleine Aufgaben und Bastelanleitungen verteilt. „Die Mitarbeiterinnen sind unglaublich kreativ“, sagt Borgsmüller.

Das DRK-Familienzentrum in Sythen hatte am Mittwoch aktuell zwei Kinder in der Notbetreuung. Trotz der kleinen Anzahl ist die Leiterin der Einrichtung, Karin Haberer-Unger, nicht so glücklich mit der Situation. Die Lockerung auf nur ein Elternteil, das einen systemrelevanten Beruf hat, kann sie nicht so ganz nachvollziehen. Sie fühlt sich von der Politik ein Stück weit im Stich gelassen. „Wir unterstützen alle, die die Betreuung berechtigterweise brauchen.“ Aber wenn zum Beispiel ein Elternteil im Homeoffice sei, könne das Kind auch zuhause betreut werden. Sie verstehe es nicht, dass das Ministerium die Bedingungen lockere, gleichzeitig die Eltern per E-Mail bitte, doch das Angebot nicht übermäßig zu nutzen.

Angst um Gesundheit der Mitarbeiter

Vor dem Hintergrund der steigenden Fallzahlen in NRW fürchtet Haberer-Unger eine Gefährdung sowohl ihrer Mitarbeiter als auch der Eltern in systemrelevanten Berufen, da Kinder das Coronavirus auch symptomfrei übertragen könnten. „Weiß ich, mit wem das Kind vorher zusammen war?“ Dass Kitas laut Minister Laumann erst dann Schutzkleidung erhielten, wenn „wir etwas haben“, könne sie nicht verstehen. Noch seien wenig Kinder in ihrer Kita, aber sie müsse gucken, wie es sich weiter entwickle, so Haberer-Unger, die selbst bereits über 65 Jahre ist und damit zur Risikogruppe gehört.

In den Städtischen Kindergärten habe man nach der Lockerung ebenfalls bisher keinen erhöhten Bedarf festgestellt, sagt Stadtsprecher Georg Bockey. Sein Eindruck ist, dass die Eltern mit der Notbetreuung verantwortungsbewusst umgingen. „Die Kinder sind mittlerweile geübt im Händewaschen“, so Bockey, zudem achteten die Eltern auf Krankheitssymptome bei den Kindern und ließen sie dann zuhause. In der Spitze seien maximal sieben Kinder in einer Einrichtung für die Notbetreuung angemeldet - aber nicht unbedingt parallel.

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