Nur wenige Backwaren werden weggeworfen

Nach Untersuchung

Viele Backwaren erreichen laut einer Untersuchung der Fachhochschule Münster nicht den Kunden, sondern landen auf dem Müll. In den Halterner Bäckereien versuchen die Inhaber, ein Überangebot an Brot, Brötchen und Kuchen zu vermeiden, und haben dafür vor allem ein Rezept: Erfahrung.

HALTERN

, 20.02.2015, 05:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nur wenige Backwaren werden weggeworfen

Viele verschiedene Sorten Brot verkauft das Team der Bäckerei Wehren jeden Tag. Was am Abend übrig bleibt und der Chef noch für gut befindet, holt die Halterner Tafel drei Mal in der Woche bei ihm ab.

Auf 23 Jahre als Chef in seiner Backstube kann Hermann Wehren zurückblicken. Was dort verkauft wird, ist seine Entscheidung. Und die fußt auf seinen Aufzeichnungen.

An den vergangenen Karnevalstagen hat er zum Beispiel exakt festgehalten, was er gebacken und verkauft hat. An diesen Zahlen werde er sich im nächsten Jahr orientieren, sagt er.

Gewissenhafte Arbeit

Aber auch für jeden Wochentag, für jede Jahreszeit passt er sein Angebot an. „Ich arbeite sehr gewissenhaft, denn es soll nicht zuviel weggeworfen werden. Allerdings sollen die Kunden auch nachmittags noch frische Brötchen bekommen.“ Dass aber am Abend nicht mehr das volle Angebot vom Morgen da sei, dafür hätten seine Kunden auch Verständnis.

Die Erfahrung hat auch Philipp Hülsmann, Backstubenleiter der Bäckerei und Konditorei Püttmann in Sythen, gemacht. Natürlich stehe nicht das ganze Sortiment am späten Nachmittag noch zur Auswahl. „Dafür ist alles jeden Tag frisch und wenn der Kunde etwas Bestimmtes haben will, kann er es sich zurücklegen lassen.“ Normale Brötchen würden natürlich laufend frisch gebacken.

A-Ware noch da

Dass diese bis zum Abend verfügbar sein müssen, das sieht auch Theodor Sanders, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in Lippramsdorf so. „Das ist eine sogenannte A-Ware, gehört also zu den umsatzstärksten Produkten. Die sind auch abends bei uns noch da, während C-Ware, wie zum Beispiel ein Zwiebelbrötchen, dann schon mal ausverkauft ist.“

Backwaren, die am Ende vom Tage übrig bleiben und noch gut aussehen, verkauft Sanders in seiner Filiale in Wulfen-Barkenberg am nächsten Tag für den halben Preis oder spendet sie – ebenso wie die Bäckereien Wehren und Püttmann – der Halterner Tafel. 

Sortierung

Mehrmals in der Woche holen die Mitarbeiter die Ware bei den Bäckern in Haltern und auch in der Umgebung ab. Sie füllen die Brötchen in Tüten ab, teilen die Kuchen auf. „Da ist manchmal super Ware bei. Ein Bäcker aus Dülmen backt sogar jeden Donnerstag zehn frische Brote extra für uns mit“, sagt Helga Crabus, zweite Vorsitzende der Tafel.

Waren, die die Kunden nicht mehr bekommen sollen, sortieren die Bäcker selbst und anschließend noch einmal die Mitarbeiter der Tafel aus. Sie bekommen meist die Bauern der Umgebung. „Aber im Abfall landet bei uns wirklich fast gar nichts“, sagt Theodor Sanders. 

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