Obduktion soll Ursache des Badeunfalls klären

23-Jähriger ertrank im Silbersee

Er war durchtrainiert und ist trotzdem im Silbersee ertrunken. Warum der 23-Jährige aus Herne es Mittwochabend nicht mehr bis zum Ufer schaffte, soll am Freitag eine Obduktion klären. Fakt ist nur: Das Schwimmen in dem Badesee ist ausschließlich bei besetzter DLRG-Station und hochgezogener DLRG-Fahne erlaubt. Sonst nur auf eigenes Risiko. Zum Zeitpunkt des Unglücks wehte die Fahne nicht.

SYTHEN

, 25.08.2016, 16:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Obduktion soll Ursache des Badeunfalls klären

Einsatzkräfte der Feuerwehr und des DLRG suchen am 24.08.2016 im Silbersee II in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) nach einer vermissten Person. Ein junger Mann kam am Abend im See ums Leben. Foto: Marcel Kusch/dpa (zu dpa "Badeunfälle: 23-Jähriger stirbt, 24-Jähriger in Lebensgefahr" vom 25.08.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

"Dieses Unglück ist für alle eine große Belastung, für die Eltern, die Freunde, auch für die Rettungskräfte. Solche Einsätze vergisst man nicht", sagte gestern DLRG-Vorsitzende Anne Feldmann auf Anfrage. Lebensretter aus Haltern und Dülmen waren, nachdem der Alarm um 18.35 Uhr ausgegeben worden war, vor Ort.

15 Meter Wassertiefe

"Aber Wachdienst hatten wir an diesem Tag nicht", betont Anne Feldmann. Vertraglich ist geregelt, dass die DRLG vom 1. Mai bis 30. September die Aufsicht übernimmt: In den Ferien täglich, außerhalb der Ferien nur an den Wochenenden und an langen Wochenenden mit Brückentagen. Dafür erhalten die Ehrenamtlichen eine Tagespauschale zwischen 13 und 15 Euro. Ansonsten gilt: Baden auf eigene Gefahr. Anne Feldmann: "Die Erfahrung zeigt, dass die Silberseegäste trotzdem schwimmen gehen."

Der 23-Jährige genoss am Mittwoch in Begleitung von Freunden den heißen Sommertag am Silbersee. Am frühen Abend schwamm er mit seiner Freundin (22) auf den See hinaus, auf dem Rückweg zum Ufer wurde ihm in Höhe der Bojen schlecht, er ging unter. Die 22-Jährige hatte nicht genügend Kräfte, um ihn zu retten. Der 23-Jährige versank im 15 Meter tiefen Wasser und tauchte nicht wieder auf. Seine Freundin schwamm zum Ufer zurück und organisierte mit ihren Freunden Hilfe.

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39 Kameraden der Halterner und Sythener Feuerwehren eilten zum Silbersee, sechs Kameraden der Bootsgruppe, fünf Taucher der Feuerwehr Dorsten, sechs Taucher aus Dortmund und Gelsenkirchen, die DLRG-Ortsgruppen Haltern und Dülmen, zwei Rettungswagen aus Haltern und Marl mit Notärzten und Rettungsassistenten sowie die Suchhundestaffel aus Ahaus mit vier Hunden.

"Die Prognose war von Beginn an schlecht", bestätigte Markus Terwellen von der Feuerwehr Dorsten. Zunächst sei es schwierig gewesen, den Ort des Geschehens genau zu definieren, hinzu komme die Strömung im Silbersee und die Tatsache, dass ab drei Metern Tiefe das Wasser sehr trüb ist. Erst nach mehreren Tauchgängen fanden schließlich Lebensretter aus Dülmen die Leiche des jungen Mannes - etwa 100 Meter vom Ufer entfernt.

"Das war ein trauriger Einsatz"

Gut 25 Minuten haben die Taucher aus Dorsten bis zum Sythener Silbersee benötigt. "Wir sind unmittelbar nach dem Alarm ausgerückt, aber in solchen Fällen arbeitet die Zeit immer gegen uns. Das war ein trauriger Einsatz."

Und auch das gehörte dazu: Während ein Hubschrauber der Polizei NRW Recklinghausen angefordert wurde, sperrten einige Feuerwehrleute den Strandabschnitt Stück für Stück. Größtenteils stieß diese Maßnahme auf Verständnis und Kooperationsbereitschaft. Es gab jedoch auch Personen, die sich weniger einsichtig zeigten. "In ihrem Voyeurismus gestört, kam es vereinzelt zu Pöbeleien gegenüber den Einsatzkräften", schreibt die Feuerwehr auf ihrer Facebook-Seite.

Ständiger Wachdienst

Nachdem Jochem von der Heide, Vertreter der Betreibergesellschaft Silbersee II und RVR-Referatsleiter, den ganzen Tag am Silbersee verbracht hatte, kam er gestern am späten Nachmittag mit wichtigen Nachrichten zurück. Als erste Reaktion auf das Unglück organisiert die Betreibergesellschaft mit Unterstützung des RVR, der Stadt Haltern und der Stadtwerke betriebsintern einen Wachdienst an den Tagen, an denen die DLRG nicht vor Ort ist. So ist der Schwimmbereich am heutigen Freitag von 10 bis 20 Uhr bewacht.

"Unabhängig von der rechtlichen Notwendigkeit wird dieser Dienst solange wahrgenommen, wie das schöne Wetter anhält", versprach Jochem von der Heide. "Wir müssen schauen, ob wir künftig unsere Strukturen an das Badeverhalten der Gäste anpassen."

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