Olfener verliert Auge nach Disko-Randale: Halterner Angeklagte selbst geschockt

rnLandgericht Essen

Ein Sicherheitsmann in einer Disko in Haltern wird brutal niedergeschlagen. Er verliert ein Auge. Jetzt stehen die mutmaßlichen Täter in Essen vor Gericht.

Haltern, Olfen

, 18.02.2020, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bullige Statur, weiße Hemden, einer trägt sogar ein Sakko: Als die beiden Brüder aus Haltern am Dienstag in den Gerichtssaal geführt werden, blicken sie ernst. Rund ein halbes Jahr ist es her, dass sie einen Mitarbeiter der Diskothek „Stadtmühle“ in Haltern brutal zusammengeschlagen haben sollen – mit Fäusten, Cocktailgläsern, Bierbänken. Das Opfer verlor ein Augenlicht.

Zum Prozessauftakt haben sich die beiden Angeklagten noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Erinnerungslücken durch Alkohol?

Sie seien selbst geschockt, über das was passiert ist, lassen ihre Verteidiger trotzdem schon einmal durchblicken. Viel Alkohol soll damals im Spiel gewesen sein – vor allem bei dem heute 21-jährigen mutmaßlichen Haupttäter. Von über zwei Promille geht sein Anwalt Thomas Schwieren aus – plus Cannabis. „Er kann sich nicht mehr an alles erinnern“, so Schwieren am Rande des Prozesses.

Es war die Nacht auf den 11. August 2019, als der damals noch 20-Jährige in der Disko auftauchte. Eigentlich hatte er Hausverbot, doch sein nun mitangeklagter älterer Bruder versprach, sich um ihn zu kümmern.

Gesicht durch Glasscherben gezogen

Das Drama begann um kurz vor drei Uhr. Erst gab es Streit, dann flogen die Fäuste. Auch als der Sicherheitsmitarbeiter nach einem Schlag mit einer Bierflasche schon eine stark blutende Augenverletzung hatte, soll der damals noch 20-Jährige nicht aufgehört haben. Im Gegenteil: „Er zog den Geschädigten mit dem Gesicht mindestens zweimal über die Breite des Tisches und durch das inzwischen zersprungene Glas der Glasflaschen und Gläser“, heißt es in der Anklage.

Später soll er auch noch mit einem Cocktailglas zugeschlagen haben. Und zwar „mit voller Wucht, zielgerichtet in das Gesicht, so dass das Glas im linken Auge zersprang".

Sein 26-jähriger Bruder soll dann auch noch mit einer Bierzeltbank zugeschlagen haben.

Job als Lkw-Fahrer nicht mehr möglich

„Was passiert ist, ist auch aus seiner Sicht schrecklich“, sagte sein Verteidiger Jens Tuschhoff, der den älteren der beiden Brüder vertritt. „Es hätte nie soweit kommen dürfen.“ Was genau passiert ist, müsse der Prozess jedoch erst noch zeigen.

Das Opfer ist seit der Tat auf einem Auge blind – trotz Notoperation. Seinen Job als Lkw-Fahrer kann er nach Angaben seines Anwalts Norbert Drees nicht mehr ausüben. Noch sei sein Mandant krankgeschrieben. Was danach komme, sei völlig ungewiss. Der 48-Jährige hatte sich gerade erst ein Haus gekauft...

Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

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