Liebesbetrüger im Internet: Sobald Opfer Vertrauen zu ihren Bekanntschaften gewonnen haben, schnappt die Falle zu. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Online-Liebesfalle

Online-Liebesfalle: Verdammt, ich lieb´ Dich und ich brauche Geld

Wenn sich im Netz ein fremder, wahnsinnig attraktiver Mensch für dich interessiert, dem du aus der Einsamkeit helfen sollst: Vorsicht. Es könnte sich um eine Online-Liebesfalle handeln.

Die sozialen Medien bieten uns viele Möglichkeiten der Teilhabe, bergen aber auch Gefahren und manche kommen mit dem Profil attraktiver Menschen daher. So habe auch ich es erlebt, als sich auf einmal die Freundschaftsanfragen alleinstehender Männer auf meinem Facebook-Account aneinanderreihten.

Ob zackiger US-Offizier in Afghanistan, trainierter Forscher im südamerikanischen Dschungel oder smarter Ingenieur auf einer Bohrinsel im Atlantik – sie alle hatten etwas gemeinsam. Sie waren so einsam und begütert und wollten mich unbedingt kennenlernen. Vielleicht, weil ich keine Lust habe, private Informationen wie meinen Beziehungsstatus mit der Facebook-Gemeinde zu teilen?

Jedenfalls wurde mir in einem Alter, in dem Frauen darüber berichten, dass sie in der Öffentlichkeit unsichtbar werden, einiges an Aufmerksamkeit zuteil.

Die Online-Liebesfalle schnappt zu

Vielleicht ist das der Grund, warum es immer wieder Menschen gibt, die solche Freundschaftsanfragen annehmen und einen Austausch mit fremden Menschen beginnen, bei dem sie schon bald allzu Privates preisgeben, zum Beispiel die Höhe ihres Bankkontos. Vorsicht! Wer solche Kontakte aufnimmt, begibt sich in eine Online-Liebesfalle, vor der Verbraucherschützer und Polizei eindringlich warnen.

Übrigens unter anderem auch das US-Militär, dessen Abteilung zur Kriminalitätsbekämpfung versichert, ein Offizier ihrer Streitkräfte habe nicht die Zeit dafür, stundenlang mit Personen in aller Welt zu chatten.

Tatsächlich stecken hinter den Anfragen Cyberkriminelle, die mittlerweile eine ganze Industrie aufgebaut haben und mithilfe von Fake-Profilen auf Facebook und anderen Plattformen im Internet gutgläubige Menschen um ihr Erspartes bringen. Es gibt sogar ein Fachwort für diese Form der Kriminalität: Romance Scamming (Scamming = Betrügerei).

Die Täter nutzen die Gutgläubigkeit ihrer Opfer aus

Die Polizei warnt davor, dass die Chats harmlos beginnen. Plötzlich jedoch passiere etwas: Der oder die Geliebte gerät angeblich unverschuldet in eine finanzielle Notlage, sei es durch einen Unfall, Diebstahl, Kreditkartenprobleme, Krankheit… Ob man ihm/ihr helfen könne? Das Geld könnte einfach per Bargeldtransfer übersendet werden.

Damit hier keine Zweifel aufkommen, unternimmt der Täter oder die Täterin große Anstrengungen, um besonders glaubwürdig zu wirken. Schamlos nutzen die Täter die Hilfsbereitschaft und die entstandene emotionale Abhängigkeit ihrer Opfer aus.

Eine Frau tippt auf einem Smartphone. Immer wieder werden drastische Fälle von  sogenanntem Love- oder Romance-Scamming aufgedeckt. Oft sind Frauen die Opfer.
Eine Frau tippt auf einem Smartphone. Immer wieder werden drastische Fälle von sogenanntem Love- oder Romance-Scamming aufgedeckt. Oft sind Frauen die Opfer. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Eine Münsteranerin wurde im September auf diese Weise um 100.000 Euro erleichtert. Zahlen für NRW liegen nicht vor, aber allein das Landeskriminalamt Sachsen hat im vergangenen Jahr 378 Fälle zusammengetragen. 304 von diesen 378 polizeilich registrierten Fällen (80,4 Prozent) wurden vollendet und verursachten einen Gesamtschaden von reichlich 4 Mio. Euro.

Betroffene berichten darüber, wie entwürdigend das Geschehen für sie ist. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer nicht gemeldeter Fälle aus. In Sachsen waren 76,5 Prozent der Geschädigten Frauen, die meisten von ihnen im Alter zwischen 45 und 65 Jahren.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeibehörde Recklinghausen sind nur Einzelfälle von Romance Scamming bekannt. Sie werden nicht gesondert geführt, sondern laufen unter den Delikten Betrug via Internet. Das teilte Polizeisprecher Michael Lesch auf Anfrage mit. Als wesentlichen Präventionstipp gibt er weiter, dass man niemals Geld an fremde Menschen herausgeben soll.

Nach Möglichkeit Beweise sichern

Die Polizei rät außerdem dazu, sofort jeglichen Kontakt abzubrechen, wenn der Verdacht für Romance-Scamming besteht. Anrufe und Mails des Chatpartners sollten ignoriert werden. „Überweisen Sie auf keinen Fall Geld, lösen Sie keine Schecks ein oder leiten Briefe und Päckchen weiter. Machen Sie geleistete Zahlungen umgehend rückgängig“, so die Polizei. Nach Möglichkeit sollten Beweise gesichert werden (Screenshots von Chats, Email-Kopien, erhaltene Fotos, Bankbelege…). Wer Opfer geworden ist, sollte seinen Stolz überwinden und unbedingt Anzeige bei der Polizei erstatten.

Meine Attraktivität bei den einsamen Fake-Männern in der Digitalwelt hat übrigens stark gelitten, seitdem ich nur noch Freundschaftsanfragen von Freunden meiner Freunde zulasse. Jetzt verläuft sich nur noch ab und zu ein Bruce oder Liam zu meinem Account. Ihre Fake-Profile sind allein schon daran zu erkennen, dass sie erst gerade angelegt wurden und es keine Freunde gibt.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und hinter jeder Zahl steckt eine ganze Welt. Das macht den Journalismus für mich so spannend. Mein Alltag im Lokalen ist voller Begegnungen und manchmal Überraschungen. Gibt es etwas Schöneres?
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Silvia Wiethoff