Osteuropäische Leiharbeiter in Haltern: Stadt behält Haus im Auge

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Osteuropäische Leiharbeiter, die für Westfleisch in Oer-Erkenschwick Schweine schlachten und zerlegen, wohnen auch in Haltern. Wie leben sie und vor allem, wer kümmert sich um sie?

Haltern

, 30.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die schlechten Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie werden seit Jahren kritisiert. Dass auch osteuropäische Leiharbeiter in Haltern wohnen, ist den meisten Menschen hier erst durch Corona bekannt geworden. In einem Wohngebiet seitlich der Holtwicker Straße befindet sich ein altes Haus, in dem Leiharbeiter einquartiert sind. Einer von ihnen wurde Anfang Mai positiv auf Corona getestet.

Zwar hatten Nachbarn sich schon vorher einmal mit Beschwerden ans städtische Ordnungsamt gewandt, aber erst nach der Infektion eines Arbeiters mit Covid 19 sah sich die Stadt veranlasst, die Lebensverhältnisse in dem vermieteten Haus genauer zu betrachten. Am 14. Mai fand eine angekündigte Besichtigung statt.

13 osteuropäische Leiharbeiter sind gemeldet

Hieß es zunächst, dort wohnten 20 Leiharbeiter, spricht Bürgermeister Bodo Klimpel heute von 13 in Haltern gemeldeten Osteuropäern. Auf Nachfrage von Anne Feldmann (SPD) sagte Bürgermeister Bodo Klimpel im Ausschuss Generationen und Soziales, bei dem Termin habe die Stadt den Arbeitgeber und den Wohnungsgeber angetroffen. „Eine Anwesenheit der untergebrachten Personen ist bei der Kontrolle einer Unterbringungssituation nicht erforderlich“, führte Klimpel aus. Zum Zeitpunkt des Besuches waren die Bewohner ohnedies in der Fleischfabrik. Der Bürgermeister betonte, dass es keine Beanstandungen gab, es aber weitere Kontrollen geben werde: „Sonst macht das alles keinen Sinn.“

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Und wer kümmert sich um die Leiharbeiter und ihre Anliegen? David Schütz vom Caritasverband verweist auf den 1997 gegründeten Verein „RE/init“, der Menschen in besonderen Lebenslagen unterstützt. Geschäftsführer Gerd Specht stellt allerdings klar, dass der Verein sich nur der in Marl, Gladbeck und Oer-Erkenschwick lebenden osteuropäischen Leiharbeiter annimmt.

Leiharbeiter wagen nicht, bei Behörden Hilfe zu suchen

„Diese Menschen sind sehr misstrauisch und ängstlich, sie können in der Regel kein Deutsch und wagen aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen in den Heimatländern nicht, sich bei Problemen an Behörden zu wenden“, erzählt Gerd Specht aus dem Alltag von RE/init. Der Verein versucht, bei Besuchen Vertrauen aufzubauen und die Hilfesuchenden an die zuständigen Dienste weiter zu vermitteln.

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Unter den Leiharbeitern seien viele Sinti und Roma, die zu Hause unter noch schwierigeren Bedingungen lebten als hier. „Dennoch haben wir nicht das Recht, ihnen diskriminierende Wohnsituationen anzubieten“, sagt Specht ganz deutlich.

Der Halterner Asylkreis bietet seine Unterstützung an

David Schütz vom Caritasverband ist froh, dass endlich auf die unmenschlichen Zustände hingewiesen wird. „Wir müssen die Leiharbeiter angemessen unterbringen und bezahlen, wir müssen darauf achten, dass ihre Würde gewahrt bleibt.“ Hermann Döbber, der wie David Schütz aktiv im Asylkreis Haltern tätig ist, bietet den hier lebenden osteuropäischen Leiharbeitern Unterstützung an. „Wir sind offen für alle Hilfsbedürftigen“, betont er. Kontakt: hermann.doebber@soft-consult.de

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