Bevor Halterns Pfarrer am Sonntag die Gottesdienste beendeten, verkündeten sie eine brisante Nachricht: Ein früher in St. Sixtus tätiger Pfarrer wurde wegen mutmaßlich pornografischer Chats aus dem Kirchendienst entlassen.

Haltern

, 14.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Der Seelsorger steht vor einem Scherbenhaufen: Der 1951 in Bergkamen geborene Priester wurde von Bischof Felix Genn entlassen. Er soll, so verlas Pfarrer Schröder in der Lippramsdorfer Lambertus-Kirche, einen 39-jährigen Mann mit pornografischen Nachrichten belästigt haben. Deshalb ist der 67-Jährige mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden und wurde aus dem Dienst des Bistums Münster entlassen.

Der Betroffene wirkte 27 Jahre als Seelsorger in einer der ärmsten Regionen Brasiliens. 2016 nahm er eine Auszeit in Deutschland. Felix Genn, Bischof von Münster, ernannte ihn zunächst für ein Jahr zum Pfarrer von St. Sixtus Haltern und verlängerte den eigentlich nur für zwölf Monate vorgesehenen Aufenthalt zum 1. Oktober 2017 mit der Entsendung in die neu fusionierte St. Franziskus-Gemeinde in Duisburg-Homburg. Hier sollte er bis Januar 2019 bleiben.

„Kein Verhältnis auf Augenhöhe“

In der Franziskus-Gemeinde fand am vergangenen Wochenende eine Gemeindeversammlung statt. Der Generalvikar des Bistums Münster, Dr. Klaus Winterkamp, reiste eigens an, um die Hintergründe zu erläutern. Grund für die Entlassung mit sofortiger Wirkung sei, dass der Priester unangemessene Nachrichten sexuellen Inhalts über einen Messengerdienst mit einem anderen erwachsenen Mann ausgetauscht habe. Die Neue Ruhr Zeitung zitierte Winterkamp so: „Es handelte sich dabei nicht um ein Verhältnis auf Augenhöhe, sondern es gab ein Gefälle.“ Als es dem Betroffenen schließlich zu viel wurde, habe er sich nicht anders zu helfen gewusst, als sich dem Pfarreiteam zu offenbaren. Von dort seien die Vorwürfe nach Münster gemeldet worden. Laut Winterkamp hat es keinen strafrechtlich relevanten Missbrauch gegeben, dennoch sei das Verhalten des Pfarrers „übergriffig“ gewesen.

Im Bistum gilt angesichts der Missbrauchsdebatte eine Linie der Nulltoleranz. Deshalb hat sich die Kirchenleitung entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen und den Vorfall nicht zu vertuschen.

Dienst untersagt

In Haltern wurde am Sonntag in allen Gottesdiensten ein entsprechender Text vorgetragen. Der in St. Sixtus vorübergehend tätige Pfarrer sei aus dem Dienst des Bistums Münster entlassen worden. Mit ihm sei eine sozialverträgliche Beendigung seines Dienstverhältnisses vereinbart worden.

Gerüchte unterbinden

Pfarrer Michael Ostholthoff erklärte am Sonntag gegenüber der Halterner Zeitung, warum sich das Seelsorgeteam zu diesem bisher einmaligen Schritt entschlossen hat: „Wir wollten Gerüchte und Spekulationen unterbinden.“ Sachlicher Hintergrund war laut Pfarrer Ostholthoff aber auch, dass der Seelsorger Kontakt mit Gemeindemitgliedern aufgenommen hat, um von ihnen finanzielle Hilfen zu erbitten. Dabei hatte er allerdings den gegenwärtigen Sachstand seiner Situation nicht offenbart. „Für uns ist wichtig, zu betonen, dass es sich bei der Angelegenheit nicht um einen strafrechtlich relevanten Tatbestand handelt“, sagte Ostholthoff.

Gemeinde irritiert

Die Nachricht schockierte die Gottesdienstbesucher. Der Pfarrer war beliebt. Hunderte kamen zu seinem Abschied und er selbst sagte: „Es war eine wirklich schöne Zeit mit euch.“

Ein Ehrenamtlicher aus einer Halterner Gemeinde reagierte folglich völlig irritiert. Aber auch das Vorgehen der Pfarrei wunderte ihn: „Dass die Kirche einen Fall auf diese Weise öffentlich macht, habe ich noch nie erlebt.“

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