Pflegekind muss sich auf Erwachsene verlassen können

HALTERN Zurzeit leben 50 Kinder in Pflegefamilien, 45 davon wurden in Familien in Nachbarstädten vermittelt. Die Mitarbeiter des städtischen Bereichsteams „Familie und Jugend“ erläutern, wie eine Vermittlung verläuft und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind.

von Von Elke Rüdiger

, 10.03.2009, 15:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im vergangenen Jahr waren es drei Kinder. Vier Bewerber-Familien werden momentan überprüft.

Der klassische Fall der ledigen, jungen Frau, die ihr Kind sofort nach der Geburt zur Adoption freigibt, ist Vergangenheit.

Weil die Eltern es nicht wollen. Viele hoffen, ihr Kind eines Tages wieder selbst zu versorgen und zu erziehen. Das Jugendamt versucht, Familien zu unterstützen und zu erhalten. Einige Eltern befürchten auch den Druck ihres Umfeldes. „Wie kannst Du nur Dein eigenes Kind abgeben?“ Auch wenn ein Kind in eine Pflegefamilie vermittelt wurde, begleitet das Amt Besuchskontakte der Eltern.

Paare/Erziehende, die keine Kinder bekommen können, aber gerne Eltern sein möchten oder die ein zweites Kind möchten. Es gibt auch Paare, dessen leibliche Kinder groß sind und weiteren Kindern ein Zuhause bieten wollen.

Nein. Da kommt vieles zusammen. Die Chemie muss stimmen, die Geschwisterkonstellation. Eltern müssen eigene Bedürfnisse zurückstellen, man muss sich auf die Kinder konzentrieren. Einer der beiden Elternteile bleibt zu Hause, um sich ganz dem Kind widmen zu können. Äußere Rahmenbedingungen sind außerdem ein gesichertes Einkommen, ausreichender Wohnraum, Pflegeeltern sind physisch und psychisch gesund. Sie dürfen keine Straftaten begangen haben.

Sicher, wenn sie die Bedingungen erfüllen, ist eine Vermittlung auch hier kein Problem. Das trifft für gleichgeschlechtliche Paare ebenfalls zu.

Es finden Vorbereitungsgespräche und Seminare statt: Wie helfe ich dem Kind, das in den meisten Fällen schon negative Erfahrungen mit Eltern gemacht hat? Das Kind muss sich auf die Erwachsenen verlassen können. Mit der Pflegefamilie sollen für das Kind erheblich bessere Verhältnisse geschaffen werden.

Natürlich gibt es Paare, die länger warten als andere. Aber wir handeln auch nicht mit einer Ware. Wir suchen Eltern für Kinder und nicht umgekehrt! Pflegeeltern und deren Familien müssen zum jeweiligen Kind passen. Und manchmal ist das einfach nicht der Fall.

Wir nehmen keine Kinder weg. Das sitzt vielleicht noch als Vorurteil in den Köpfen vieler Menschen. Bei uns steht immer das Wohl des Kindes im Mittelpunkt. Das Jugendamt versucht, mit gezielten Hilfsangeboten Familien zu unterstützen und zu erhalten. Manchmal gelingt das nicht. Dann kann die Pflege- bzw. Adoptivfamilie eine alternative Lebensform für das Kind sein.

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