Pilot starb im Wrack seiner Absturzmaschine

Fund in der Hohen Mark

Die Männer vom Kampfmittelräumdienst haben die Navigationskarte des 1944 in der Hohen Mark abgestürzten Piloten gefunden. Jetzt ist klar: Er konnte sich nach dem Beschuss durch die Alliierten nicht aus seiner Kabine retten.

HALTERN

von Von Elisabeth Schrief

, 27.04.2012, 16:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Flugkarte steckte üblicherweise in den Knietaschen der Piloten. Daraus zieht Hobby-Historiker Adolf Hagedorn den Schluss, dass der deutsche Soldat mit seiner Maschine abstürzte. Die Focke-Wulf Fw 190 wurde zu seinem Grab. Darauf deutet auch der Fund der beiden Panzerplatten hin, die das Cockpit schützend umgaben.Die Kampflugzeuge hatten zu jener Zeit noch keine Schleudersitze. „Der Pilot musste sein Cockpit mit Muskelkraft öffnen. Bei hoher Geschwindigkeit und entsprechendem Luftdruck benutzte er eine Sprengkapsel, um sich zu befreien“, erklärt Adolf Hagedorn. Hätte der Kampfflieger diese Sprengkapsel betätigt, hätten die Panzerplatten nicht an der Absturzstelle gelegen. Hinweise auf die Identität des deutschen Soldaten gibt es bislang allerdings nicht. Adolf Hagedorn hofft auf die nächsten Tage.

In der Grube barg der Kampfmittelräumdienst Freitag den Motorblock und das Propeller-Getriebe. Beides wurde nach Hünxe zu weiteren Untersuchungen gebracht. Ein Bagger verlud unter Aufsicht von Leo Wissing (NRW-Kampfmittelbeseitigungsdienst) die schwere Fracht. Bodenaushub und Wrackteile werden sorgfältig von einander getrennt. Mit kleinen Harken wird nach jeder Spur gesucht, am Ende wird die Erde noch einmal gesiebt. Für die Entsorgung des mit Benzol kontaminierten Bodens wird die Stadt zur Kasse gebeten, die Bergung bezahlt das Land. Zu den Kosten will sich keiner gern äußern, fünfstellig sind sie in jedem Falle. Aber sie sind zweitrangig. Es geht darum, den vermissten Piloten einen Namen zu geben. Dafür arbeiten Adolf Hagedorn und Herbert Guckelsberger in der internationalen Forschungsgruppe um den Niederländer Peter Monasso mit.

36 Absturzorte konnten sie in Haltern ermitteln. So suchen sie beispielsweise noch den Kanadier Dick Audet, der nach vorliegenden Hinweisen zwei Wochen nach seiner Hochzeit bei einem Tiefangriff auf den Lippramsdorfer Bahnhof ums Leben kam. Bekannt ist eine Absturzstelle in der Nähe des Stausees, Ende 1944 wurde eine Spitfire mit dem englischen Offizier Eric Gordon Hill an Bord von der Flak getroffen. Der Pilot konnte nicht mehr rechtzeitig aussteigen. Seine Spitfire war ein einmotoriger Luftüberlegenheitsjäger, eines der leistungsfähigsten Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkrieges. Anhand der Seriennummer konnte der Pilot identifiziert werden. Das Flugzeug wurde noch nicht geborgen. Adolf Hagedorn findet zurzeit keine Ruhe, wenn er in die Hohe Mark geht. Das Schicksal des deutschen Piloten bewegt ihn sehr.

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