Plattdeutsche Bühne Lippramsdorf feiert umjubelte Premiere - Zusatztermin anberaumt

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„Vull Pläseer“ hatten die Zuschauer bei der Premiere des neuen Stücks der Plattdeutschen Bühne Lippramsdorf am Samstag. Die Geschichte um die heiratsunwillige Tante Berta kam gut an.

von Petra Herrmann

Lippramsdorf

, 19.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tante Berta muss unter die Haube. Doch das ist mehr als schwierig. Denn Tante Berta ist alles andere als eine Traumfrau. Sie ist ungepflegt, ein Mannweib, trinkt Bier, raucht Zigarren und legt auch keinen gesteigerten Wert darauf, einen Mann an ihrer Seite zu haben. „Der trinkt mir nur mein Bier weg, raucht meine Zigarren und bringt mich mit seiner Schnarcherei um den Schlaf. Warum soll ich mir mein Leben ruinieren?“, lautet ihre Meinung.

Doch der Rest der Familie sieht die Lage anders. Berta muss in den Hafen der Ehe einfahren, damit wieder mehr Platz im Haus ist. Denn laut Testament des Vaters, müssen sie Berta so lange im Haus behalten, bis diese verheiratet ist. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die Verwandten eine Heiratsanzeige in die Zeitung. Und die Angelegenheit hat Aussicht auf Erfolg: Berta hat einen Trumpf im Ärmel. Sie besitzt einen Bauplatz.

Gemeindehaus war restlos ausverkauft

Die plattdeutsche Theatergruppe aus Lippramsdorf schaffte es bei ihrer Premiere am Samstagabend im restlos ausverkauften Gemeindehaus, die Zuschauer mit den Irrungen und Wirrungen der Verkupplungsversuche glänzend zu unterhalten.

Auf der Bühne ging es temperamentvoll zu. Da wurde geschimpft, geflucht, sich geprügelt und Intrigen geschmiedet. Es gab Missverständnisse. So wollte der Aushilfspfarrer ein Zimmer im Hause der Familie mieten und Tante Berta hielt ihn für einen Interessenten. Die beiden wollten sich die „Sache“ dann mal anschauen. „Denn“, so der Pfarrer. „Er wolle ja auch nicht die Katze im Sack kaufen.“

Das Besondere: Auf Plattdeutsch klingen selbst Schimpfworte und Flüche charmant und humorvoll. Es gab immer wieder Szenenapplaus und die zehn Schauspieler mussten regelmäßig kleine Zwischenpausen gewähren, da das Publikum oft lange und lauthals lachen musste.

Marlies Robert wurde zum Publikumsliebling

Alle Schauspieler zeigten Talent, Textsicherheit und dass sie die plattdeutsche Sprache beherrschen. Besonders erwähnt werden sollte aber die Leistung von Marlies Robert. Sie spielte die Tante Berta Greulich mit besonderer Leidenschaft und Begeisterung. Berta Greulich wuchs so dem Publikum richtig ans Herz und es war deshalb auch erleichtert, dass schließlich auch für Tante Berta alles gut endet.

Details werden nicht verraten, denn das Stück ist ja noch einige Male zu sehen. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es am Freitag (31. Januar) eine Zusatzaufführung, für die noch Karten erhältlich sind. Alle anderen Aufführungen sind ausverkauft.

Einen besonderen Dank spricht die Theatergruppe Kathrin Oeldemann aus, die ganz spontan und kurzfristig als Souffleuse eingesprungen ist.

Das Publikum kam auf jeden Fall auf seine Kosten und hatte „vull Pläseer“. Und mit dem Publikum und der Theatergruppe freut sich ein Halterner Verein oder eine Initiative, die sich für einen guten Zweck einsetzt. Denn, so Josef Oeldemann: „Wir behalten die Tradition bei, dass wir den Erlös der Aufführungen für einen guten Zweck spenden.“

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