Projektensemble wird für "Anatevka" gefeiert

Tevje ist überall

Es ist mutig, den Musicalstoff „Anatevka“ mit Laiendarstellern auf die Bühne zu bringen. So gibt es etliche Rollen mit einem Solopart, die den Sängern einiges Können abverlangen. Das Projektensemble der Städtischen Musikschule Dülmen und Haltern ging dieses Wagnis ein und wurde dafür belohnt.

HALTERN

, 13.03.2016, 17:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Projektensemble wird für "Anatevka" gefeiert

Heiratsvermittlerin Jente (Michaela Prie-Fromme, mit Korb) hat schon viele Ehen gestiftet. Liebe spielte dabei keine Rolle.

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Eindrücke von Anatevka-Aufführung HALTERN

Mit der dreistündigen Musical-Aufführung Anatevka begeisterte das Projektensemble der Städtischen Musikschule Dülmen und Haltern sein Publikum. Es gab lang anhaltendem Applaus und Anerkennung.
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Das große Ensemble des Musicalprojekts begeisterte das Publikum.
"Tradition ist Tradition." Tevja, der Milchmann (Jürgen Sultz) gibt die Richtung vor.© Foto: Silvia Wiethoff
Eigentlich sind die Lebenswege der Frauen in Anatevka vorgegeben. Aber nicht alle wollen sich daran halten.© Foto: Silvia Wiethoff
Heiratsvermittlerin Jente (Michaela Prie-Fromme, mit Korb) hat schon viele Ehen gestiftet. Liebe spielte dabei keine Rolle.© Foto: Silvia Wiethoff
Tradtition: In Anatevka tanzen die Männer streng getrennt von den Frauen.© Foto: Silvia Wiethoff
Wer sich über die Tradition hinwegsetzt, riskiert den Bruch mit der Familie: Hodel (Alexandra Malkemper), Zeitel (Wiebke Balg) und Chava (Elea Hülsheger) kämpfen um ihre Liebe.© Foto: Silvia Wiethoff
Tradtition: In Anatevka tanzen die Männer streng getrennt von den Frauen.© Foto: Silvia Wiethoff
Vater Tevja verspricht Fleischer Lazar Wolf (Bernd Goralsky) die Ehe mit seiner Tochter Zeitel.© Foto: Silvia Wiethoff
Zeitel (Wiebke Blag) hat sich durchgesetzt. Sie darf Schneider Motel Kamzoil (Hendrik van Lendt) heiraten.© Foto: Silvia Wiethoff
Das Ehepaar Golde (Birgit Conrad) und Tevje (Jürgen Sultz) wird um den Schlaf gebracht. Fünf Töchter müssen an den Mann gebracht werden.© Foto: Silvia Wiethoff
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 Das Publikum bedachte die über dreistündige Aufführung sowohl am Samstag als auch am Sonntag in der Aula des Schulzentrums mit lang anhaltendem Applaus und Anerkennung.

In die Herzen gesungen

„Wenn ich einmal reich wär`(...)/Brauchte nicht zur Arbeit (...). Diese Gesangseinlage des Milchmanns Tevje ist weltweit bekannt. Aber „Anatevka“ bietet so viel mehr. Dies wussten die zahlreichen Teilnehmer des außergewöhnlichen Projekts in Haltern dem Publikum zu vermitteln. Besonders Jürgen Sultz als Milchmann Tevje spielte sich in die Herzen der Zuschauer. Es war leicht, in ihm den vom Schicksal gebeutelten Familienvater zu sehen, der die Tradition bewahren möchte, was mit dem Glück seiner Töchter jedoch nicht vereinbar ist.

Mit Witz und Gottvertrauen versucht er, als Oberhaupt der Familie zu agieren, lässt sich dabei aber ein ums andere Mal von seinen Töchtern um den Finger wickeln. Zur überzeugenden Darstellerleistung trug auch bei, dass sogar die Nebenrollen des Musicals typgerecht besetzt werden konnten. Das Gesamtpaket „Anatevka“ war stimmig, an dem neben Einzeldarstellern auch der Kinderchor und der Musicalchor „Chorisma“ der Musikschule sowie das Tanztheater Dülmen und ein Projektorchester aus Schülern, Lehrern sowie Gästen mitwirkten.

Aktueller Bezug

Warum der eigentlich antiquierte Stoff von „Anatevka“, der um 1900 in einer kleinen Stadt in der Ukraine mit überwiegend jüdischer Bevölkerung spielt, immer noch funktioniert, liegt auf der Hand. Die Geschichte des Milchmanns Tevje ist die eines alten Mannes, der so starr wie liebenswürdig an seinen Traditionen festhält und sich dann doch den neuen Ideen seiner Töchter und ihrer Liebsten geschlagen geben muss.

Diese Geschichte kann an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen. 

Auch das Ende, obwohl es ein jüdisches Pogrom beschreibt, ist aktuell übertragbar: Die Familie bricht auseinander, weil sie aus ihrer Heimat vertrieben wird. 

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