Psychosoziale Nachsorge durch Runden Tisch

Nach Flugzeugunglück

Nach der Flugzeugkatastrophe vom 24. März, bei der 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums ums Leben kamen, wurde in Haltern ein Runder Tisch eingerichtet, der psychologische Betreuungsmaßnahmen und Hilfsangebote koordiniert. Am 1. Oktober wird er zum dritten Mal tagen. Wir stellen den Runden Tisch vor.

HALTERN

, 08.09.2015, 14:54 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Organisation übernimmt federführend der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL). "Nach dem Amoklauf in Emsdetten vor einigen Jahren trat die Unfallkasse NRW, unter anderem auch Versicherungsträger der Schulen, an uns heran, mit der Bitte, bei größeren Schadensereignissen die psychosoziale Nachsorge sicher zu stellen", sagt Manfred Möllers vom Psychiatrie-Verbund Westfalen des LWL, der 14 klinische Einrichtungen betreibt.

Maßnahmen koordinieren

"Diese Aufgabe haben wir gern übernommen, aber das wollten wir nicht allein machen", so Möllers, der auch die Arbeit des Runden Tisches in Haltern organisatorisch betreut. Hier sitzen neben Psychologen unter anderem kirchliche (Notfall-) Seelsorger, Vertreter der Stadt Haltern, der Feuerwehr, der Polizei, des Hospizdienstes, der Ärzteschaft und des Weißen Rings mit am Tisch. Auch ein Vertreter der Fluggesellschaft Lufthansa/Germanwings gehört zu den Mitgliedern.

Zwei Mal hat der Runde Tisch in Haltern bisher getagt. Ziel ist es nicht, konkrete Maßnahmen selbst durchzuführen, aber die Angebote aufeinander abzustimmen und gegebenenfalls Maßnahmen zu initiieren. Manfred Möllers nennt die Stichworte: Austausch, Erfassung, Koordination, Entwicklung und Supervision.

Kontakt zu Familien

"Zu Beginn standen vor allem die Notfallseelsorger im Fokus", sagt Manfred Möllers. Inzwischen wurden von den Beteiligten zahlreiche Hilfsangebote durchgeführt. Kerstin Scotland, Diplom Psychologin mit einer Praxis in Recklinghausen und Vorstandsmitglied der Vereinigung der niedergelassenen Pychotherapeutinnen und -therapeuten im Kreis Recklinghausen (PsyNet), nennt einige Beispiele: "Es wurde eine Versammlung der Schüler des betroffenen 10. Jahrgangs am Gymnasium durchgeführt, ebenso eine Elternversammlung. Wir haben einen Vortrag bei Hausärzten gehalten, psychologische Hilfen vermittelt und sind auch mit den betroffenen Familien selbst in Kontakt getreten."

Der Runde Tisch in Haltern wird geleitet von Wolfgang Heiler von der psychiatrischen LWL-Institutsambulanz Marsberg. "Die Arbeit ist zunächst auf ein Jahr terminiert", sagt Manfred Möllers. "Dann entscheiden wir, wie weiter verfahren wird."

Lesen Sie jetzt