Regen in die Güllegrube

Haltern Mehr Gebührengerechtigkeit verspricht die Stadt Haltern durch die Einführung der getrennten Abwassergebühr. Herbert Gienau findet das neue System aber extrem ungerecht.

30.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Hullerner fürchtet, dass er künftig das Zehn- bis Zwölffache an den Eigenbetrieb Stadtentwässerung zahlen muss. Seine letzte Jahresrechnung wies einen Betrag von rund 100 Euro aus. Bei einem Telefonat mit dem Info-Büro zur Einführung der getrennten Abwassergebühr erhielt er dann die schockierende Nachricht, dass er für den Quadratmeter Dachfläche mit rund einem Euro Gebühr rechnen müsse. Und Dachfläche hat Herbert Gienau reichlich. 1000 Quadratmeter kommen zusammen, wenn alle Gebäudeteile des ehemaligen Hofes zusammengerechnet werden.

Härtefall

"Eine solche Steigerung kann man doch keinem Bürger zumuten", kritisiert Gienau den städtischen Eigenbetrieb. Er fordert eine Härtefallregelung oder zumindest Übergangsfristen. Noch sinnvoller wäre es, besonders betroffenen Bürgern bei der Finanzierung von Maßnahmen zur Versickerung zu helfen. Zum Beispiel durch einen Fonds. "Damit wird auch etwas für die Umwelt getan", meint Herbert Gienau. Dieser Idee kann Technischer Beigeordneter Wolfgang Kiski grundsätzlich etwas abgewinnen. Konkrete Überlegungen gebe es im Eigenbetrieb aber nicht. Übergangs- und/oder Härtefallregelungen erteilt Kiski eine Absage. Die Rechtsprechung fordere eine stärkere Berücksichtigung des Verursacherprinzips.

Regeln der Technik

Herbert Gienau überlegt nun, einen Teil des Regenwassers in die alten Güllegruben des Hofes zu leiten. Die seien undicht und würden das Wasser nach und nach versickern lassen. Ralf Heßling-Mecking, stellvertretender Leiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung, hält dies nicht für eine dauerhaft praktikable Lösung. Die Versickerungsanlage müsse den Regeln der Technik entsprechen (siehe Info-Text). Das sagt er auch den Bürgern, die täglich in die Sprechstunde des Info-Büros kommen. 10 bis 15 sind es pro Tag. Ebenso viele suchen Rat per Telefon.

Mit einem weitaus größeren Ansturm rechnet der Eigenbetrieb, wenn Ende August der nächste Schub Erfassungsbögen verschickt wird. "Das sind dann einige Tausend", so Heßling-Mecking. Bisher seien nur etwa 600 Grundstückseigentümer in Hullern angeschrieben worden. Thomas Liedtke

Das Info-Büro ist unter Tel. 933-370 erreichbar.

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