Rentner fuhr hupend in Kindergruppe

Fast eine Katastrophe

Kreischende Kinder, scheuende Pferde: Vor zehn Monaten kam es auf einem Wirtschaftsweg in der Hohen Mark in Haltern zu einem brisanten Zwischenfall. Ein 83-jähriger Autofahrer aus Gladbeck fuhr hupend in eine Reitgruppe ein - eine Betreuerin landete verletzt auf der Motorhaube.

HALTERN

von Werner von Braunschweig

, 23.10.2015 / Lesedauer: 3 min

Am Freitag wurde der Rentner verurteilt. Das Schöffengericht in Marl verhängte gegen den Senior eine Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro (60 Tagesätze), ausgesetzt zur Bewährung. Das heißt: Zahlen muss der 83-Jährige diese Summe nur dann, wenn er noch einmal straffällig wird oder gegen folgende Bewährungsauflagen verstößt. Erstens: Zahlung von 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Zweitens: Der Senior muss sich binnen zwei Monaten einem medizinischen Fahrtauglichkeits-Check unterziehen. Fest steht: Auf seine aktuelle Führerschein-Situation hat die riskante „Ego-Fahrt“ nach wie vor keine Auswirkungen.

Zeugin verletzt

Es war der 8. März, als der Rentner gemeinsam mit seiner Ehefrau (90) zu einem Sonntagsausflug gestartet war. „Das Wetter war spitze“, erinnerte er sich. Gegen 14.30 Uhr steuerte er seinen Opel Ascona aus Richtung Reken in die Hohe Mark bei Haltern ein. Minuten später fuhr er hupend von hinten auf eine Gruppe von zwölf Kindern und fünf Ponys auf, die sich am Außenrand eines Wegs fortbewegte.

„Die Pferde scheuten, die ersten Kindern fingen an zu heulen“, berichtete eine der Betreuerinnen, die die jungen Reiter zu Fuß abgesichert hatte. Bis zur Katastrophe habe nicht viel gefehlt. Was die Zeugin besonders ärgerte: „Der Mann hat sich trotz der Unruhe immer weiter in die Pferdemenge geschoben.“ Nachdem sie sich daraufhin extra mit beschwichtigenden Armbewegungen vor das Auto platziert hatte, fand sie sich plötzlich auf der Motorhaube wieder. Folgen: eine Wadenprellung und Probleme an der Halswirbelsäule. Während die Reitgruppe sich in einer 30 Meter entfernten Einfahrt „in Sicherheit“ gebracht hatte, war der Angeklagte einfach weiter nach Hause gefahren.

Keine Entschuldigung

Der Senior selbst räumte im Prozess zwar gewisse Fehler ein. Für das Hupen müsse er sich entschuldigen. Entschuldigende Worte an die verletzte Betreuerin, die bis zuletzt hinten im Saal saß, kamen ihm aber nicht über die Lippen. An den Motorhauben-Crash konnte sich der Senior angeblich nicht mehr erinnern.

Das Urteil lautet auf Nötigung, fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht. „Sie haben durch Hupen eine Gefahrenlage geschaffen, die sie am Ende selbst nicht mehr richtig beherrschen konnten“, hieß es. Um die „Bauchschmerzen“ des Gerichts mit Blick auf das künftige Autofahren auszuräumen, müsse der 83-Jährige sich nun auf seine Fahrtauglichkeit untersuchen lassen. 

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